Die Vampirschwestern (2012)

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Möglicherweise bin ich da ein wenig verklemmt, aber mich stört es massiv, wenn in den ersten fünf Minuten eines Filmes schon klar wird, dass die Autorin zu faul war, selbst so eine Kleinigkeit wie die grobe Funktionsweise einer Spiegelreflexkamera zu recherchieren, bevor sie ihren Figuren für die Handlung völlig unlogische Sätze in den Mund legt – wer so schlampt, den interessiert meist auch der Rest des Films überhaupt nicht.

Überraschenderweise wird dann aus Die Vampirschwestern noch eine ziemlich solide Komödie, bei der die vampirischen Gruselmomente allerdings (das wird derzeit zur Regel) zu einem Schwarzen Loch der Abwesenheit zusammengeschrumpft sind bzw. allenfalls folkloristische Bedeutung haben. Denn eigentlich gibt sich der Film die Gestalt einer Culture-Clash-Komödie: eine deutsch-transsilvanische Mensch-Vampirfamilie (mit Christiane Paul und Stipe Erceg als die Eltern Elvira und Mihai Tepes) zieht aus dem weit entfernten Osten mitten in ein klassisches Klinkerhauswohngebiet irgendwo in Deutschland. Kleinstadtleben wird halt erst so richtig schlimm, wenn man nicht mehr zur Schule fliegen darf. „Die Vampirschwestern (2012)“ weiterlesen

Die Rote Zora (2008)

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In einem kleinen Fischerdorf im Kroatien der 1930er Jahre schlägt sich eine Gruppe von Waisenkindern unter Führung eines Mädchens, der „Roten Zora“ (Linn Reusse), ohne Unterstützung von Erwachsenen durch. Sie nennen sich „Uskoken“, hausen in einer Burgruine und sorgen gemeinsam mit gelegentlichen kleinen Diebstählen und ein bisschen Jagd dafür, dass sie genug zu essen haben. Als der frisch verwaiste Branko (Jakob Knoblauch) zu ihnen stößt, verschieben sich die Beziehungsverhältnisse in der Gruppe. Zur gleichen Zeit wird der Fischer Gorian (Mario Adorf) mit nicht nur fairen Mitteln vom Fischgroßhändler Karaman (Ben Becker) bedrängt, ihm seine Fischgründe abzutreten. Zoras Bande, bei Karaman und dem von ihm bestochenen Bürgermeister (Dominique Horwitz) eh’ nicht wohl gelitten, ergreift für Gorian Partei.

Der Roman Die Rote Zora und ihre Bande, von Kurt Kläber unter dem Pseudonym Kurt Held veröffentlicht, wurde in den 1970er/1980er Jahren schon einmal für eine Fernsehserie verfilmt. Der Handlungsrahmen des Buches ist im Drehbuch einigermaßen reduziert worden – für Literaturverfilmungen ist das nicht weiter ungewöhnlich. Allerdings ist es doch bemerkenswert, wie wenig Aufmerksamkeit dem Konflikt zwischen Karaman und Gorian gewidmet wird. Stattdessen reiht der Film eine Episode an die nächste, die zuweilen wie unverbunden nebeneinander zu stehen scheinen – ein Spannungsbogen will sich da nicht entwickeln.

Weiterlesen: Meine vollständige Kritik zu Die Rote Zora erschien im Februar 2008 hier auf critic.de.

(Foto: Universal)

Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen (2011)

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Wir schreiben das Jahr 1837, die Weltmeere sind noch nicht in allen Ecken erforscht und befriedet, Charles Darwin muss seine Theorien über die Vererbungslehre noch ein wenig mit Material unterfüttern, und Königin Victoria, die gerade frisch den Thron des Vereinigten Königreichs bestiegen hat, hasst Piraten. Ausdrücklich und nachdrücklich sagt sie das und handelt entsprechend.

Aus dem bequemen London gesehen mag es also nicht als die leichteste Zeit für Freibeuter erscheinen, aber der Piratenkapitän Pirate Captain und seine hochgradig generisch benamste Crew (vom “Piraten mit dem Schal” bis hin zum “erstaunlich kurvigen Piraten” ist alles dabei, und der Papagei heißt Polly) lassen sich dadurch nicht stören.

Weiterlesen: Meine vollständige Kritik zu Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen erschien im März 2012 hier auf kino-zeit.de.

Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen (The Pirates! Band of Misfits), USA, Großbritannien 2012. Regie: Peter Lord, Jeff Newitt. 88 Minuten, FSK: 0. (amazon: DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D)

(Foto: Sony Pictures)

Weiter als der Mond (2003)

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Im Holland der späten 60er Jahre lebt die neunjährige Caro (Neeltje de Vree) mit ihren Eltern und vier Geschwistern in einem kleinen Dorf. Die sozialen Umwälzungen der Zeit haben den kleinen Ort bislang allenfalls gestreift. Eine reichlich fremde Welt tut sich da auf, in der sich der Riss zwischen der von Religiosität und Traditionen bestimmten Vergangenheit und einer veränderten Zukunft nur ganz langsam und in Andeutungen sichtbar wird. Caro, die sich sehr ernsthaft auf ihre Erstkommunion vorbereitet, fragt sich, ob Gott wohl die bevorstehende Mondlandung zulassen wird – und wo sich denn dann der Himmel und das Paradies befänden?

Weiter als der Mond – der Titel ist zugleich Antwort auf diese Frage – bleibt aber nicht bei diesen eher metaphysischen Schwierigkeiten stehen: Caros eigentliche Probleme sind sehr diesseitiger Natur. Ihr Vater Mees (Huub Stapel) ist Alkoholiker, ihm gelingt es nicht, obwohl er dies seiner Frau Ita (Johanna ter Steege) und Caro mehrfach verspricht, auf das Trinken zu verzichten. Seine Schweinezucht wirft zudem kaum genug Geld ab, um die Familie zu ernähren.

Weiterlesen: Meine vollständige Kritik zu Weiter als der Mond erschien im Mai 2005 hier auf critic.de.

Weiter als der Mond (Verder dan de Maan), Niederlande, Belgien, Deutschland, Dänemark 2003. Regie: Stijn Coninx. 99 Minuten, FSK: 12. (amazon: DVD)

(Foto: Lighthouse Home Entertainment)

Gullivers Reisen (1939)

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Mit seiner “Cartoon Classics Edition” bemüht sich Universum Film gerade, klassische Cartoons neu aufzulegen. Das ist erfreulich, denn Filme, die abseits des Disney-Mainstreams liegen, sind zum Teil auf dem deutschen Markt schwer aufzufinden. Mit Gullivers Reisen hat man nun den zweiten jemals produzierten abendfüllenden Zeichentrickfilm in die Reihe aufgenommen, produziert in den Fleischer-Studios als direkte Reaktion auf den (auch wirtschaftlichen) Publikumserfolg von Disneys Schneewittchen. (Wikipedia liefert ein wenig Hintergrund dazu.) „Gullivers Reisen (1939)“ weiterlesen

Der kleine Nick (2009)

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Vielleicht mit der Ausnahme von Astérix, dem unbeugsamen Gallier, der beim Weg über die Grenze sein accent aigu verlor, ist Der kleine Nick (Le Petit Nicolas) vermutlich die auch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannteste Figur von René Goscinny. Neben dem erzählerischen Charme der Geschichten dürfte das auch daran liegen, dass Der kleine Nick in Zusammenarbeit mit Jean-Jacques Sempé entstand und daher die visuelle Erinnerung an Nick immer mit den Zeichnungen im bekannten Stil Sempés verbunden ist.

Das ist nicht der einzige Grund, warum man einer Umsetzung der Geschichten als Realfilm skeptisch gegenüberstehen kann, aber er ist gewichtig. Auch die entsprechenden Versuche mit Asterix hatten schließlich damit zu kämpfen, dass das, was gezeichnet witzig, ironisch und originell ist, im real anmutenden Spielfilm, aller CGI-Kunst zum Trotz, oftmals nur lächerlich wirkt.

Meine vollständige Kritik zu Der kleine Nick erschien im Juli 2010 hier auf critic.de.

(Foto: Senator)