Kurzfilm zum Wochenende: Fortissimo (2019)

Musik, bitte! Beim Wettbewerb “Gib mir fünf!” des Mo&Friese-Kurzfilmfestivals in Hamburg hat dieser kleine Animationsfilm von Lilith Jörg den 1. Preis eingeheimst. Die zwölfjährige Regisseurin war schon mehrfach auf dem Festival; ihre ersten Filme hatte sie in der Medienwerkstatt AG der Grundschule in Tennenbronn gedreht – in dieser Arbeitsgemeinschaft sind schon einige tolle Projekte entstanden (via).

Aus der Begründung der Jury:

Dieser Film hat uns überzeugt, weil er das Thema [“Große Töne!”] genau getroffen hat! […] Die Filmemacherin hat immer wieder neue und originelle Einfälle gehabt, um den Cellisten bei seinem Auftritt zu stören. Die Knetanimation ist gut gelungen, man kann sogar die Fingerbewegungen sehen – und zum Schluss gibt es ein rundes Ende mit schöner Musik.

Schönes Wochenende!

Verlosung: Paddington 2

Ich habe womöglich in diesem Blog und anderswo noch nicht genug das Loblied auf Paddington 2 gesungen, die Fortsetzung des schon unerwartet charmanten ersten Bärenfilms. Paul Kings zweiter Wurf ist meiner persönlichen Meinung nach noch wesentlich gelungener, stimmiger und vor allem herzensguter (herzensbesser?) geworden – ein Hohelied auf Mut, Hoffnung, Liebe und Anstand.

Das Migrationsthema, das Paddington unterfüttert und antreibt, ist im zweiten Film nicht Subtext geworden, sondern selbstverständlicher Hintergrund: Die Nachbarschaft der Familie Brown ist selbstverständlich divers, und Paddington in all seiner Freundlichkeit bewegt sich wie ein Katalysator zwischen diesen unterschiedlichen Personen. Aber immer noch geht es darum, ob Andersartigkeit allein schon ein Grund dafür sein kann, andere auszugrenzen; und sicher nicht zufällig geht es um einen alten weißen Mann, der sich mit großer Selbstverständlichkeit nimmt, was er für sein rechtmäßiges Eigentum hält. Dass der Mann, der charmante Blender, kein Politiker ist, sondern ein abgehalfteter Schauspieler in Gestalt von Hugh Grant, darf der Verweigerung geschuldet sein, den Film zu einem drögen Lehrstück zu machen. Es führt auf jeden Fall dazu, dass man sich über jeden Moment freut, in dem Grant zu sehen ist, der hier als selbstverliebte Diva zu Höchstform aufläuft.

Ganz zu schweigen von den Co-Stars. Brendan Gleeson als wunderbar knurriger, im Herzen weicher Verbrecher „Knuckles“ McGinty, der zuerst Paddingtons Orangenmarmelade verfällt und dann seinem zurechtweisenden “hard stare”; Hugh Bonneville als Henry Brown in tiefster Midlife Crisis, der über sich selbst hinauswächst; und last but by no means least Sally Hawkins, die am Ende des Films im Grunde schon ihre Rolle in The Shape of Water ankündigt. Das alles mit einem wilden Plot um ein gestohlenes Buch, Verfolgungsjagden, Gefängnisausbrüche und dramatische Kämpfe auf einem fahrenden Zug inklusive. Paddington 2 ist so aufregend wie herzzerreißend, und das Finale gehört, selbst wenn man es vorausahnt, zu einem der schönsten Tränenmomente der vergangenen Jahre.

Dass der Film darüber hinaus tricktechnisch absolut auf der Höhe der Zeit ist – der voll computeranimierte Bär verschmilzt völlig mit der restlichen Welt – und brillant, witzig und zugleich unaufgeregt inszeniert ist: Muss ich das noch extra betonen?

Weil mir beim Aufräumen noch eine nicht geöffnete DVD von Paddington 2 in die Hände gefallen ist, die ich versehentlich zuviel gekauft hatte und diesem Film gerne zu immer noch mehr Aufmerksamkeit verhelfen möchte, gibt es jetzt und hier genau diese DVD zu gewinnen! „Verlosung: Paddington 2“ weiterlesen

Neu im Kino: 6./13. Mai 2019

Soweit es Kinoneustarts gibt, stelle ich sie hier kurz vor – fast immer mit Trailer und in der Regel mit einer kurzen Einschätzung – entweder verweisend auf meine eigene ausführliche Kritik oder auf die Einschätzung einer Kollegin oder eines Kollegen.

TKKG

Schon vergangene Woche ist TKKG gestartet, also wieder einmal eine Verfilmung (FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren) einer mittlerweile vergleichsweise uralten Kinderbuchserie, die viele Kinder gar nicht mehr kennen… wird solches Kino eigentlich vor allem für die Eltern gemacht? Damit diese die Fackel der Markenbindung weitergeben? David Denk war jedenfalls einigermaßen skeptisch, auch wenn diese “eher zahme Abenteuergeschichte” dann doch allen Altersgruppen etwas bietet:

Diese wohl universelle kindliche Sehnsucht, von den Erwachsenen ernst genommen zu werden, bedient der Film ebenso wie die von den vier Buchstaben ausgelösten nostalgischen Gefühle der Eltern.

TKKG – Trailer #1 Deutsch HD German (2019)

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Bailey – Ein Hund kehrt zurück

Mich graust es schon beim Trailer dieser vermutlich sehr amerikanischen Familienschmonzette (FSK 0, aber wohl nichts für kleinere Kinder), aber ich habe auch weder einen Hund noch den ersten Film gesehen. Antje Wessels sah zwar Schmalz, aber auch einen guten Synchronsprecher, und resümiert:

[O]bwohl die Story zwischenzeitlich an Kitsch und Überkonstruktion zu scheitern droht, geht man am Ende doch mit einem bemerkenswerten Wohlgefühl aus dem Kino.

BAILEY – Ein Hund kehrt zurück I Offizieller Trailer

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(Foto: Warner Bros.)

Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer (2019)

Es ist ein bisschen lustig, dass für den deutschen Verleih der Filmtitel Missing Link zu Mister Link umgewandelt wurde, in der deutschen Synchronisation der Begriff „Missing Link“ dann aber genau so auf Englisch verwendet wird, nur en passant erklärt… zumal bei allem auch die Frage durchaus offen bleibt, ob der titelgebende Sasquatch denn nun wirklich in irgendeiner sinnvollen evolutionären Ordnung das Bindeglied zwischen nicht-menschlichen Primaten und dem Mensch darstellen könnte.

Mister Link also, der sich, in einer der schönsten Sequenzen des Films, selbst den Vornamen Susan gibt, ist so ein Wesen, das anderswo vielleicht auch Bigfoot heißen würde, aber jedenfalls sehr einsam in den Wäldern im Nordwesten der USA. So einsam, dass er den berühmten, aber wenig anerkannten britischen Entdecker Sir Lionel Frost anschreibt, ob dieser ihn nicht „entdecken“ könne – eigentlich, aber das kann er in seinem Brief nicht schreiben, möchte er ihn aber bitten, ihn in den Himalaya zu bringen, zu den Schneemenschen, in denen er Artsverwandte vermutet.

Susan wird auf diese Weise als schüchterne, recht verlegene, vor allem aber auch belesene Kreatur vorgestellt; dass aus seiner Beschäftigung mit vielen Büchern nicht mehr gemacht wird, ist meiner Wahrnehmung nach die größte Nachlässigkeit des Drehbuchs. Denn ansonsten geht es doch recht komplex her: Frost erklärt sich zwar gerne bereit, Susan zu helfen, denkt dabei aber zuallererst an sich selbst und seine Reputation – er will endlich in den berühmten Londoner Entdecker-Club aufgenommen werden. Susan ist im dabei ebenso Mittel zum Zweck wie Adelina Fortnight, die Witwe eines Freundes. Und dass ihnen ein Auftragsmörder auf den Fersen ist, verringert Frosts Entschlossenheit nicht unbedingt.

Die Laika-Studios sind für ihre komplexen, inhaltlich so anspruchsvollen wie technisch großartigen Animationsfilme bekannt, von Coraline bis hin zu Kubo: Der tapfere Samurai, bei dem die Stop-Motion-Animationen erstmals auch behutsam mit Computertricks ergänzt wurden. Diese Technik nutzt Regisseur Chris Butler für seinen zweiten Film nach dem wunderbaren, gruseligen ParaNorman nun auch, und die Ergebnisse sind stellenweise atemberaubend schön, erwecken auf jeden Fall eine Ästhetik, die sich – darin Die Piraten! aus dem Haus Aardman nicht unähnlich – an zeitgenössische Bilderwelten des späten 19., frühen 20. Jahrhunderts erfolgreich anschmiegt.

Dass der mit dieser Zeit und dem britischen Empire verbundene Kolonialismus (und Imperialismus) kaum einmal in Andeutungen thematisiert und zerlegt wird, bedaure ich als Auslassung; Butler hat sich stattdessen als Hauptgegner eine patriarchale Vorstellung von Wissenschaft und Wahrheit ausgesucht, die im von Frost so verehrten Club gepflegt wird – da will man sich sogar noch den Gedanken der Evolution verweigern, weil damit ja die Ordnung der Dinge und vor allem der Menschen in Frage gestellt wird.

Unter den Laika-Filmen, die natürlich eine sehr hohe Messlatte vorlegen, ist Mister Link dennoch der womöglich schwächste; die Figuren wirken weniger lebendig, weniger ausdrucksstark, als man es vom Studio kennt, es fehlt auch die Doppelbödigkeit, Abgründigkeit der Handlung, die Ambivalenz aller Figuren.

Und trotzdem ist das ein äußerst unterhaltsamer Film geworden, ein Abenteuerstreifen, der ganz ohne das Dauergekreische und die Daueraction auskommt, die zu viele Kinderfilme für nötig erachten, der sich auch einmal Zeit lässt für einen Blick auf seine zauberhafte Welt oder seine Figuren, die sich so wichtig nehmen, dass sie eigentlich nur lächerlich wirken können – zumindest so lange, bis sie den Stock aus dem Arsch nehmen und ihr Herz öffnen für die Welt. Und dagegen lässt sich nun wahrlich nichts einwenden.

Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer| Offizieller HD Trailer | Deutsch German | (2019)

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Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer (Missing Link). USA 2019. Regie: Chris Butler, 94 Min. FSK 6, empfohlen ab 9 Jahren. Kinostart: 30. Mai 2019.

(Fotos: Entertainment One)

Streaming-Tipps (11. Juni 2019)

In meinem Newsletter schicke ich (fast) jede Woche jeweils einen Streaming-Tipp für Kinder und Eltern mit – Neuerscheinungen oder Fundstücke auf Netflix oder Amazon Prime, gelegentlich auch ganz Filme, die ohne Abo kostenfrei erreichbar sind. Auf diese Filme (aber nicht immer die gleichen) möchte ich auch hier im Blog hinweisen, im Wechsel mit Hinweisen auf Neuerscheinungen auf DVD und Blu-ray.

Die kleine Hexe

Die Neuverfilmung von Otfried Preußlers Klassiker (mit einer sichtbar begeisterten Karoline Herfurth in der Titelrolle und Axel Prahl als Abraxas’ Stimme) war vor allem deshalb so überraschend, weil sie so viel unaufgeregter daherkam, als man dass vom deutschen Kinderfilm gewohnt ist. Die Zauber-Spezialeffekte sind gut gemacht, aber behutsam eingesetzt, die Geschichte nur behutsam gestrafft und eng am Originaltext entlanggeführt. Dadurch scheint zugleich an einigen Stellen durch, dass Preußlers Buch eben doch von 1957 stammt und nicht mehr in allem ganz zeitgemäß ist. Das schadet dem Film allerdings überhaupt nicht.

(FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren – Die kleine Hexe auf amazon Prime)

Der fantastische Mr Fox

Die meisten Filme von Wes Anderson sind ästhetische Abenteuer für (bei weitem nicht alle) Erwachsene, aber Der fantastische Mr Fox ist sowieso in jederlei Hinsicht ein seltenes Kleinod: Ein in Stop-Motion-Technik gefilmtes Meisterwerk der Puppenanimation, ein Genrefilm mit Tieren, ein wildes, freches und manchmal etwas nerviges Abenteuer.

(FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren – Der fantastische Mr Fox auf amazon Prime)

Empfehlung für die Eltern: Good Omens

Vor vielen Jahren haben sich Neil Gaiman, damals noch ein weitgehend unbekannter Autor, und Terry Pratchett, damals ein vor allem noch sehr lebendiger Autor, zusammengetan und an einer wilden Geschichte über die (modernisierte) Apokalypse geschraubt, vier Reiter inklusive. Das Ergebnis ist eines der witzigsten Bücher der letzten Jahrzehnte. Für die BBC und amazon Prime hat Gaiman das Buch nun zu einem Drehbuch für eine Mini-Serie gemacht: sechs Folgen von jeweils knapp unter einer Stunde. Was daraus geworden ist? Eine Feier des Lebens, seiner Vielfalt und Ambivalenz. Wunderbar, herzzerreißend und voll Liebe, queer unterfüttert außerdem, unfassbar komisch und zugleich hochgradig effizient erzählt, will heißen: Ohne ein einziges überflüssiges Gramm Erzählzeit. Unbedingt ansehen!

(Good Omens auf amazon Prime)

(Foto: Studiocanal)

Kurzfilm zum Wochenende: Samuel der Löwenjunge (2017)

Diese Woche gibt es einmal ein etwas längeres Format – ein halblanger Film von 25 Minuten, ein kleiner Dokumentarfilm von Frank Feustle, der auch auf dem letzten KuKi-Festival zu sehen war: Samuel hat eine besondere Bindung zu den Löwen in ihrem kenianischen Reservat. Sie gelten als bedrohte Tierart und er setzt sich mit allen Mitteln für ihren Schutz ein.

Samuel, der Löwenjunge | Schau in meine Welt | SWR Kindernetz

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Schönes Wochenende!

(Wegen eines Blitzschlags, durch den mein Festnetz mit DSL-Anschluss außer Gefecht gesetzt wurden, und anschließender Krankheit von Kind und mir gab es diese Woche keine weiteren Beiträge, und auch der Newsletter kommt frühestens morgen.)