Benjamin Blümchen (2019)

Der Zoo von Neustadt ist ein Mysterium. Auf seinem Gelände lebt der einzig weltweit bekannte sprechende (Törööö!) Elefant, aber dennoch steht die Einrichtung rätselhafterweie immer kurz vor dem Konkurs. Und weil dieses eigentlich unwahrscheinliche Handlungselement anscheinend so bewährt wie unumstößlich ist, wurde es auch für den ersten “Realfilm” mit Benjamin Blümchen auserkoren. Wobei “Realfilm” halt ungefähr so gut passt wie bei den jüngsten Disney-Adaptionen à la The Jungle Book, denn hier sind neben dem elefantöröösen Protagonisten (gesprochen von Jürgen Kluckert, der Benjamin auch in den Hörspielen spricht) auch viele Teile des Zoos, der ganzen Welt also, durch die die menschlichen Schauspieler_innen laufen, am Computer entstanden.

Regisseur Tim Trachte und Drehbuchautorin Bettina Börgerding (deren Namen ein wenig so klingen, als entstammten sie selbst diesem Universum, in dem alle Figuren alliterierende Namen haben – von Karla Kolumna bis Walter Weiß) legen die Geschichte nicht überkomplex an. Der Zoo hat kein Geld mehr, der Bürgermeister (Uwe Ochsenknecht in schnöseliger Höchstform) hat vor allem die Meinung der Stadt im Blick, aber keine Ahnung. Deshalb lässt er sich leicht von Zora Zack bequatschen, die ihm was von Modernisierung und neuen Möglichkeiten ans Ohr bindet und anschließend mit ihren zwei etwas tumben Gehilfen daran geht, Tiergehege zusammenzulegen, Häuser abzureißen, damit Platz werde für schicke mehrstöckige Townhouses mit Blick auf den Zoo. Das grenzt schon an realitätsnahe Sozialkritik, Berliner_innen zum Beispiel kennen solche Pläne ebenso wie die Unfähigkeit der Politik.

Heike Makatsch spielt ihre Zack mit großer Freude, eine intrigante Macherin, schneller und klüger als alle anderen, die die Einfältigkeit all der Figuren um sich herum auszunutzen weiß – nur halt nicht mit Benjamin und seinem Freund Otto (Manuel Santos Gelke) gerechnet hat, die sich nicht so leicht einnehmen lassen. Nur die Freundschaft der zwei wird dann doch sehr auf die Probe gestellt.

Soweit ist das also alles ganz unterhaltsam, aber eben auch nur so lala. Den Humor der Hörspiel-Vorlagen mag der Film treffen, aber reicht das für dieses lange Format? Denn richtig aufregend und sinnvoll ist nichts von dem, was wir hier zu sehen und hören bekommen. Die Scherze über die seltsamen Verhaltensweisen selbsternannter “Kreativer”, wie sie an Zacks Gehilfen durchexerziert werden, sind so eindimensional wie reaktionär und unwitzig. Das funktioniert nur einmal, als Benjamin das Marketing-Geblubber von Zack & Co. missversteht und aus der Corporate die Korpulent Identity macht. Davon hätte es gern mehr geben dürfen.

Dieter Hallervordens Auftritt als “Walter Weiß” ist als doppeltes Bonbönchen an die Eltern gedacht, die “Didi” noch kennen und die Namensanspielung verstehen, welche allerdings völlig planlos geraten ist – der Mann ist hier weder Lehrer noch Drogenkoch, von Abgründigkeit keine Spur.

In Ausstattung und Kostümen hält sich Trachtes Film eng an die Bilderbücher und Trickserie (z.B. bei amazon Prime abrufbar). Die verschiedenen CGI-Elemente (insbesondere Benjamin) sind durchaus ganz gut gelungen, was mich aber nachhaltig irritiert hat, war der Umstand, dass sie – ob miteinander oder vor allem mit den Schauspieler_innen – nie wirklich in ein Ganzes flossen. Ich konnte es nicht immer ganz präzise einordnen, woran dieser Effekt lag – zum Teil passten CGI und Realität wegen der Beleuchtung, vielleicht auch wegen des Schattenwurfs nicht ganz zusammen (siehe das Bild über diesem Absatz), manchmal wirkte es so, als würden die Menschen dicht über dem Boden schweben, statt mit beiden Füßen darauf zu stehen.

Aber nun gut, Realismus ist auch nicht das, was man bei den Abenteuern eines sprechenden Elefanten wirklich verlangen möchte.

Für welches Alter: Es gibt einige dramatische Szenen, am Ende sind Benjamin und Otto sogar in einem Lastencontainer eingesperrt, und es dauert eine Weile, bis sie gerettet werden können – ein wenig kino-erfahren sollten die Zuschauer_innen also schon sein, empfohlen wird ein Besuch ab 7 Jahren.

BENJAMIN BLÜMCHEN Trailer Deutsch | Ab 1. August 2019 im Kino!

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Benjamin Blümchen. Deutschland 2019. Regie:Tim Trachte, 91 Min. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Kinostart: 1. August 2019. (Vorbestellen bei amazon)

Foto: Studiocanal

Land aus Glas (2018)

Nicht unbedingt ein Wochenende nach Jas’ Geschmack: Sein Vater muss eine Extratour mit dem Lastwagen machen und wird erst spät am Sonntag zurückkehren, sein bester Freund Isak spielt mit Freund_innen Videospiele, auf die Jas keine Lust hat, und das alles im ländlichen Dänemark. Auf der Exkursion in ein Wolfsreservat findet Jas rote Betäubungspfeile, aber daheim erwartet ihn eine noch größere Überraschung: In der Scheune verstecken sich eine alte Frau und ein junges Mädchen, und der 13-jährige (Albert Rudbeck Lindhardt) weiß zunächst nicht ganz genau, wie er mit ihnen umgehen soll. Zumal Neia (Flora Ofelia Hofmann Lindahl) und Alva (Vigga Bro) mehr als nur ungewöhnlich sind.

Der Titel des dänische Spielfilms Landet af Glas bezieht sich auf die gläsernen Gewächshäuser, die Jas’ Eltern vor dem Tod der Mutter betrieben haben, in der Hoffnung, dass dort wirklich etwas wachsen werde; inzwischen ist es eine halb heruntergekommene Brache, in der ein kleines Schiff dem Jungen ein Refugium bietet. Schon diese Welt trägt einen Hauch von Magie in sich, nicht minder die Wälder rund herum.

Die Autor_innen und Regisseur_innen Marie Rønn und Jeppe Vig Find erzählen die Geschichte von Jas und Neia mit ruhiger Hand; es geht um Verlust, Trauer und Hoffnung, aber alles ohne jede Sentimentalität. Es geht um Magie und eine Welt jenseits dessen, was wir als normal wahrnehmen, aber ohne jedes Effektgewitter. Es ist ein mitreißendes Drama, aber in ganz und gar stillen Tönen. Der Blick bleibt dabei stets bei Jas, bei seiner (nie ausgesprochenen) Suche nach Heilung, nach einem Ende für diese Trauer, nach etwas jenseits von Trostlosigkeit, die am Anfang sein Leben zu bestimmen scheint.

Zugleich ist das natürlich eine Abenteuergeschichte, mit fragwürdigen Helfern und düster daherkommenden Geheimagent_innen, in der ein bester Freund wie Isak (Arien Takiar) sich beweisen kann – und selbst Verfolgungsjagden aber auf einem Niveau bleiben, das die Grenzen der Wahrscheinlichkeit nicht überschreitet. Wenn man schon ignoriert, dass man es hier mit Elfen zu tun hat.

Land aus Glas lief im vergangenen Jahr bereits auf den Nordischen Filmtagen Lübeck und ist jetzt auf dem Lucas Filmfestival in Frankfurt a.M. zu sehen.

Land Of Glass – Trailer

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Land aus Glas (Landet af Glas). Dänemark 2018. Regie: Marie Rønn/Jeppe Vig Find, 87 Min. Empfohlen ab 10 Jahren. (Die dänische Fassung mit engl. Untertiteln ist auf amazon erhältlich.)

(Pädagogisches Begleitmaterial zum Film)

Foto: Sine Vadstrup Brooker/Nordische Filmtage Lübeck

Shaun das Schaf – Der Film: Ufo-Alarm (2019)

Kornkreise. Wer auch immer damit begonnen hat, komische Figuren mit kreisförmigen Mustern in Kornfelder zu legen – ob es Außerirdische waren, Spaßköpfe oder freakige Wind-Anomalien: Die Muster haben inzwischen ihren festen Platz im kulturellen Gedächtnis, und kein spaßig gedachter Film mit Aliens kann mehr auf irgendeinen Witz dazu verzichten. Kinderfilme inklusive: Zuletzt sah man sie in Luis und die Aliens, nun tauchen sie in dem ganz und gar klobig betitelten Shaun das Schaf – Der Film: Ufo-Alarm auch wieder auf.

Shaun ist eigentlich ja immer ein Grund zur Freude: Die Serie mit den kurzen Filmchen, die hierzulande vor allem durch die Sendung mit der Maus wandern, gehört nach wie vor zu meinen liebsten TV-Spektakeln für jüngere Kinder; schon beim ersten Film war aber natürlich die große Frage, wie diese Miniaturen sich auf ein längeres Format übertragen ließen: mit größerem, längerem Spannungsbogen, mit einer fast zwangsläufig komplexeren Geschichte.

Das Ergebnis war ambivalent: Während der grundlegende Charme erhalten blieb, tat es Shaun und seinen Mitschafen (nebst Hund Bitzer und Bauern) nur teilweise gut, die Mossy Bottom Farm zu verlassen. In meiner Wahrnehmung lag das vor allem daran, dass die recht konventionelle dramaturgische Entscheidung getroffen wurde, den Hauptfiguren einen Antagonisten (in Form des städtischen Tierfängers) gegenüberzustellen. Damit zieht ein Element von Bedrohlichkeit in die Geschichte ein, die den kurzen TV-Episoden fremd ist – und den Film für kleinere Kinder auch schwierig macht. (Das gleiche Problem hatte der ansonsten ja wirklich sehr fulminante Paddington-Film, wie ich hier beschrieben hatte.)

Im zweiten Film (im Original etwas knapper Shaun the Sheep Movie: Farmageddon genannt) bleibt das Geschehen zwar etwas stärker auf dem Bauernhof, dafür wird eine neue Hauptfigur eingeführt bzw. eingeflogen: LU-LA fällt wortwörtlich vom Himmel, ein kleines, putziges Alien, das, wie sich bald herausstellt, auch noch sehr, sehr jung ist und eigentlich nur nach Hause will. Und wie es aber die Stereotypen des Alienfilms will, gibt es dann eben doch böse Antagonisten in Form von Angestellten der Regierung, allen voran „Agent Red“, eine strengst gekleidete und schauende Frau, die ein Kindheitstrauma mitbringt, und ihre in gelbe Schutzanzüge gekleideten Helferchen, die gelegentlich so quatschig herumlaufen wie die ähnlich gelben Minions, nur nicht mit dem gleichen Sinn für anarchischen Humor.

Die Antagonistin in Shaun das Schaf: Ufo-Alarm wird nie als besonders bedrohlich inszeniert, zumal der Film schon relativ früh andeutet, dass hinter ihrer ruhelosen Aktivität auf der Suche nach Aliens eine unerwartete Vorgeschichte lauert; und die gruseligen Momente, die der Film bietet, orientieren sich ästhetisch und in der Spannung eher an den für heutige Sehgewohnheiten vergleichsweise harmlosen Science-Fiction-Filmen und generell B-Movies der 1950er, 1960er Jahre. Das, man ahnt es schon, öffnet die Tür für zahlreiche Anspielungen, die eher die Eltern als die Kinder ansprechen werden (es fängt mit „H.G. Wheels“ an, irgendwann tritt – brillante, sehr britische Idee – Doctor Who aus einem blauen Dixie-Klo, und zwischendrin wird wild zitiert aus 2001: Odyssee im Weltraum, E.T. – Der Außerirdische, Unheimliche Begegnung der dritten Art und Nummer 5 lebt! Um nur ein paar Beispiele zu nennen).

Das ist alles sehr witzig und, wie der ganze Film, in Animation wie Timing perfekt gemacht, das junge Publikum bleibt dabei allerdings außen vor. An dieses richtet sich, scheint es, eher der großflächig verteilte Slapstick – die Schafherde ist da viel zu selten beteiligt, nur Bitzer und der Bauer spielen aus der Stammbesetzung nennenswerte Rollen. Der Film strahlt durch dieses Tempo ein Gefühl von unterschwelliger, stetiger Aufregung aus, auch das ein Unterschied zu den kaum fünfminütigen Episoden, die bei allem Chaos stets von einer grundsätzlich entspannten Haltung zur Welt getragen zu sein scheinen.

Ein leichtes Fremdeln stellt sich für mich auch dadurch ein, dass das Character Design leicht, aber spürbar verändert zu sein scheint; ein paar andere Bewegungen hier, etwas anderes Verhalten da. Bitzer wirkt wesentlich strenger und stellt überall Verbotsschilder auf; wie ich auch insgesamt das Gemeinschaftsgefühl auf der Farm etwas vermisst habe – womöglich weil die anderen Schafe so wenig zu sehen sind.

Dafür ist der Bauer wie gewohnt ahnungslos und tölpelhaft; immerhin beweist er den richtigen Riecher, als in Mossingham auf einmal Alien-Sucher_innen en gros auftauchen und baut sich schnell den Vergnügungspark „Farmageddon“ auf eins seiner Felder. Der ist eine Augenweide, wirklich witzig und charmant, und für‘s dramatische Finale außerdem absolut unersetzlich.

Für welches Alter: Das ganz junge Publikum, das Shaun das Schaf in der Sendung mit der Maus genießen kann, ist von dem Film eventuell noch etwas überfordert. Ab sechs Jahren sollte das aber (mit geringem Angstpotential) passen.

SHAUN DAS SCHAF – DER FILM: UFO ALARM Trailer 2 Deutsch | Ab 26. September 2019 im Kino!

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Shaun das Schaf – Der Film: Ufo-Alarm (Shaun the Sheep Movie: Farmageddon). Großbritannien/USA/Frankreich 2019. Regie: Will Becher/Richard Phelan, 86 Min. FSK 0, empfohlen ab 6 Jahren. Kinostart: 26. September 2019.

(Fotos: Studiocanal)

Kurzfilm zum Wochenende: Flügel (2019)

Casey McDonald schreibt, sie sei “ein Mädchen mit einer Froschmütze, das wirklich gerne zeichnet”. In ihrem Kurzfilm Wings, ihrer Abschlussarbeit an der New Yorker School of Visual Arts, wird das mit dem Zeichnen sehr deutlich, auch wenn keine Froschmütze zu sehen ist. Aber die Maus ist von einer herzzerbrechenden Niedlichkeit, und ohne jedes Wort versteht man immer, was gerade geschieht. Eine kleine, harmlose, aber wunderschöne Geschichte von Sehnsucht und Freundschaft.

Wings | Animated Short Film | SVA Thesis

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Schönes Wochenende!

(Jede Menge weiterer Kurzfilme für Kinder gibt es hier!)

Streaming-Tipps (10. September 2019)

In meinem Newsletter schicke ich (fast) jede Woche jeweils einen Streaming-Tipp für Kinder und Eltern mit – Neuerscheinungen oder Fundstücke auf Netflix oder Amazon Prime, gelegentlich auch ganz Filme, die ohne Abo kostenfrei erreichbar sind. Auf diese Filme (aber nicht immer die gleichen) möchte ich auch hier im Blog hinweisen, im Wechsel mit Hinweisen auf Neuerscheinungen auf DVD und Blu-ray.

Der blaue Tiger

Petr Oukropec erzählt seine bezaubernde, von Magie durchsetzte Geschichte sehr behutsam: Ein altes Stadtviertel samt Botanischem Garten soll einem hochmodernen Geschäftsquartier weichen; es regt sich Widerstand bei Mensch und (womöglich der Phantasie entsprungenem) Tier. Ein Film, der nicht eine Minute langweilig ist.

(FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren – Der blaue Tiger kostenlos (mit Werbung) bei netzkino/YouTube)

DER BLAUE TIGER | Trailer german deutsch [HD]

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Der Mondmann

Eine der wenigen recht gelungenen Tomi-Ungerer-Adaptionen für’s Kino – auch wenn ich mit dem Film, anders als bei Die drei Räuber, nicht ganz warmwerden konnte. Ein flammendes Plädoyer gegen Imperialismus und Kriegstreiberei ist er aber dennoch, dafür hat Ungerer (dessen Stimme auch zu hören ist) schon gesorgt.

(FSK 0, empfohlen ab 8 Jahren – Der Mondmann auf amazon Prime)

DER MONDMANN | Trailer german deutsch [HD]

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Empfehlung für die Eltern: Pitch Perfect

Schmalzgefahr! Aber anders als seine Fortsetzungen versinkt diese A-Cappella-College-Musical-Komödie noch nicht in totalen Skriptpeinlichkeiten, sondern kommt relativ frisch und knackig daher. Ein Gute-Laune-Film, wenn man gerne flockige, leichte Unterhaltung möchte, zu der man mit den Füßen wippen oder sogar tanzen kann. Ansonsten natürlich viel zu oberflächlich. I love it.

(Pitch Perfect auf amazon Prime)

Pitch Perfect – Trailer (HD)

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Empfehlung für die Eltern: ES

Andy Muschiettis Verfilmung (des ersten Teils) von Stephen Kings Clowns-Horror war durchaus zurecht ziemlich erfolgreich – dicht, gruselig, mit einem fabulösen Bill Skarsgård als Clown Pennywise und vor allem auch wirklich hervorragenden jugendlichen Darsteller_innen. Der zweite Teil, jetzt im Kino, kommt da dem Vernehmen nach wohl nicht ganz ran.

(ES auf Netflix)

It Trailer #1 (2017) | Movieclips Trailers

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Foto: Neue Visionen Filmverleih

[Werbung] Die Ambivalenz von Merchandise: Von Star Wars bis Lion King

Ich liebe meine Filmposter, meine Star Wars-Figuren und meinen Rucksack von, ja doch, Hansel & Gretel: Witch Hunters. Und wenn ich Platz und Geld genug hätte, stünde mein Büro voll mit kleinen Lego-Figürchen, lauter kleine Szenerien aus Harry Potter und The Lego Movie. Mit anderen Worten: Die Filme, die mir viel bedeuten, möchte ich am liebsten um mich haben.

Wahrscheinlich hätte ich auch noch mehr Merchandise von den letzten beiden Star Wars-Filmen, wenn ich mich nicht so geärgert hatte, dass deren Hauptfigur Rey kaum auf T-Shirts und bei Spielzeugen auftauchte. Eine absurde Situation, zumal bei Disney ja sonst seine Heldinnen durchaus zu vermarkten weiß. Meine Friseurin erzählte mir erst vorletzte Woche, dass sie immer wieder und immer noch um „Elsa-Frisuren“ gebeten wird – und gemeinsam seufzten wir ein wenig in Erwartung dessen, was mit Die Eiskönigin II wohl auf uns zukommen wird.

Star Wars war der Anfang

Mit Krieg der Sterne hat es ja so richtig angefangen. Für mich persönlich – ich habe als Kind in den USA Return of the Jedi gesehen und mich dann auf Flohmärkten und „Garage Sales“ mit Figuren und Raumschiffen eingedeckt, so gut es mein Taschengeld zuließ – als auch im großen Business der Filmwirtschaft. George Lucas verzichtete seinerzeit dem Vernehmen nach auf 500.000 Dollar seiner Gage und erhielt dafür die Rechte an Lizenzen und Merchandise – eine Entscheidung, durch die der Verleihfirma Fox viel Geld entging und Lucas sich keine finanziellen Sorgen mehr machen musste.

Denn im Science Fiction-Genre, das eigentlich als abgehalftert galt, war auf einmal wieder Geld zu holen – vor allem mit dieser Space Opera, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprach. Die Hersteller des Spielzeugs wurden von der Nachfrage völlig überrascht und kamen mit der Produktion nicht hinterher. So wurden zum Teil sogar leere Packungen verkauft, mit dem (später natürlich eingelösten) Versprechen, diese nach erfolgter Produktion nachträglich zu füllen.

Die Star Wars-Filme gehören heute ebenso zum Hause Disney wie alle Pixar-Produktionen und das Marvel-Filmuniversum (Marvel Cinematic Universe, MCU) – aber die meisten Einnahmen generiert das Unternehmen immer noch anderswo. Die vier Einnahmequellen für Disney sind:

Disney hat es deshalb inzwischen zur Meisterschaft gebracht, seine Inhalte über die verschiedenen Kanäle zu verteilen – aus Filmen werden Fernsehserien, und bei manchen Filmen hat man, wie mein Kollege Batz bei Cars, das Gefühl, dass sie nur wegen des Merchandisings so entstanden seien.

Etwas ironisch wird das Ganze dann schon bei Wall-E, bei dem der sehr im Vordergrund stehende Subtext ja war, dass die Erde durch ein Übermaß an Abfällen unbewohnbar geworden ist – und dann gab es aber natürlich trotzdem reichlich Plastikmerchandise rechts und links zu kaufen.

„Nachhaltiges“ Merchandise?

Ich würde im Moment wenig Hoffnung darauf verwenden, dass Merchandise-Produkte (von den kostenlosen Werbegeschenken zu Filmen ganz abgesehen) in absehbarer Zeit nachhaltig produziert werden könnten. Wer da Bezugsquellen kennt oder weiß, bei welchen Filmen das anders gemacht wurde: Ich freue mich über Hinweise in den Kommentaren!

Meistens kauft man sich ja Merch, weil man – so geht es, siehe oben, jedenfalls mir – von einem Film begeistert ist, überall daran erinnert werden möchte, die Figuren selbst in seinem Leben haben möchte. Um zu vermeiden, dass ich aber nur Plastikmüll produziere, stelle ich mir zumindest drei Fragen, bevor ich etwas kaufe:

  • Will ich das wirklich wirklich? Ist mir das so wichtig, dass ich auch drei Tage später noch einmal in den Laden gehen, drei Tage später auf der Website noch die Bestellung tätigen würde?
  • Macht mich das, frei nach Marie Kondō, wirklich glücklich? Does it spark joy?
  • Ist der Gegenstand idealerweise auch noch nützlich, wird er über‘s reine Anschauen hinaus verwendet? (Diese Frage taugt natürlich für Poster nicht, aber Tassen, Schmuck und echtes, benutzbares Spielzeug haben damit natürlich einen anderen Stellenwert als billige Plastikbecher oder – so niedlich sie sind – Funko Pop!s im Regal.)

Und wie haltet Ihr es mit Merch? Wo werdet Ihr schwach? Welche Strategien habt Ihr, um Euren Kinder diese richtig fiese Bettwäsche auszureden?

Fotos: Zakaria Ahada, Daniel Cheung und Omar Albeik von Unsplash, eigene.