Kurz vorm 4. Advent: Streams für’s Fest

Ich muss gestehen – und für einen Cinephilen ist diese Haltung aus verschiedenen Gründen sehr ambivalent -, dass die legalen Online-Streaming-Dienste ein Glücksfall waren. Stapel, Berge, Schlaraffenländer von Filmen “at my fingertips”, sofort verfügbar und – in vielen Fällen – dank Flatrate-Modellen auch extrem günstig. (Die Ambivalenz, für die, die fragen, kommt daher, dass zum einen sehr viele Filme – vor allem anspruchsvolle und vor allem etwas ältere bis alte – online nicht verfügbar sind, und zugleich Netflix und seine Nachahmer physische Videotheken, also gewissermaßen die Bibliotheken der Filmfreund_innen, jetzt schon praktisch ausgelöscht haben. Ein eigenes Thema für ein anderes Mal.)

In den zwei Jahren, seit Heiko Bielinski insgesamt acht verschiedene Flatrates verglichen und dabei den Fokus auf das Angebot an Kinder- und Familienfilmen gelegt hatte, haben sich zumindest die großen Plattformen auch deutlich um ihr Kinder- und Jugendangebot gekümmert und es beständig erweitert; allerdings sind natürlich auch die Preise gestiegen.

Für die Weihnachtsfeiertage habe ich eine kleine Auswahl schöner Kinderfilme aus dem Angebot der Streaming-Anbieter herausgesucht. Prinzipiell sind alle diese Filme digital verfügbar und damit insbesondere auf den großen Plattformen (iTunes, Google Play Store usw.) verfügbar. Meine Auswahl bezieht sich ausschließlich auf Filme, die aktuell in den Flatrate-Angeboten der jeweiligen Anbieter enthalten sind. (Diese können sich, das sollte man wissen, jederzeit ändern; drei Filme, die ich vor zwei Wochen bei meiner ersten Recherche hier eingetragen hatte, musste ich wieder streichen, weil sie inzwischen nicht mehr im Programm waren.)

Links zu amazon sind Affiliate-Links, d.h. bei Käufen über diese Links (oder z.B. Abschluss eines amazon Prime-Abos) werde ich mit einem kleinen Obulus entlohnt. Links auf den Filmtiteln führen zu meinen eigenen Besprechungen der jeweiligen Filme.

Die Großen: Amazon Prime und Netflix

Der Klassiker läuft zwar sowieso ungefähr achtmal über die Weihnachtszeit verteilt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, aber Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist online auch jederzeit verfügbar (amazon Prime, Netflix). Vorstellen muss ich den Film vermutlich nicht, oder?

Der vielleicht beste Kinderfilm des abgelaufenen Jahres, Mein Leben als Zucchini, ist seit wenigen Tagen auf amazon Prime zu finden – wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn sich unbedingt unbedingt unbedingt ansehen. Ein pures Glück.

Schon für ganz kleine Kinder ab 5 Jahren geeignet ist Der kleine Rabe Socke (amazon Prime), von Jan Delay gesprochen, allzeit frech und immer ein bisschen zu selbstbewusst. Die eher traditionelle Trickfilmtechnik ist wunderbar, die Geschichte großartig, die Figuren auch für Erwachsene eine Freude.

Dass Netflix nun gerade zum Fest Paddington ins Programm genommen hat, hat sicherlich auch mit der viel gepriesenen Fortsetzung zu tun, die aktuell im Kino läuft. Aber der Film ist schlichtweg großartig und ein fast perfekter Weihnachtsfilm, den sollte man mit seinen Kindern gesehen haben (Netflix). Kleine Warnung: Es gibt ein paar Szenen, die auf sensible Seelen recht bedrohlich wirken. Am besten vorher mal anschauen und prüfen.

Disney-Filme gehören für viele fest zu den Ritualen rund ums Weihnachtsfest herum, und diese liegen wenn, dann (noch) immer bei Netflix. Die schönsten Filme, die dort aktuell zu finden sind:

Aber es gibt ja auch schöne Animationsfilme jenseits der Disney-Ästhetik; zwei sehr schöne für etwas ältere Kinder sind Der fantastische Mr Fox von Wes Anderson (amazon Prime; ab 10 Jahren) oder der großartige Coraline (amazon Prime), der allerdings ziemlich gruselig ist – nichts für Kinder unter 12 Jahren, eigentlich.

Außerdem großartig, animiert und ab 8 Jahren: The Lego Movie (amazon Prime, Netflix) und Drachenzähmen leicht gemacht (Netflix).

Darf es ein Superheldenabenteuer sein? Antboy (amazon Prime; ab 10) ist witzig, clever und gerade eben so den entscheidenden Schritt neben den Standardstories des Genres. Genauso wie der Gangsterfilm Little Gangster (Netflix; ab 9) eben nicht so ganz kriminell daherkommt.

(Das weitere Kinderfilm-Angebot: amazon Prime und Netflix.)

Zwei Kleine: Realeyz und Netzkino

Die kleine Plattform Realeyz hat ein wunderbares Angebot vor allem an unabhängigen Produktionen; leider sind bislang praktisch keine Kinderfilme dabei. Gloriose Ausnahme auf Realeyz ist der sehr seltsame, laute und eigensinnige Reuber (ab 8 Jahren).

Netzkino bietet ein werbefinanziertes Streamingangebot an; die Qualität der Filme dort ist generell, sagen wir: sehr durchwachsen, aber dafür gibt es einige der Filme nicht nur auf der Plattform selbst, sondern auch auf YouTube. Das betrifft auch die wirklich schönen Kinderfilme Der große Bär (Netzkino, YouTube) und vor allem Johan und der Federkönig (Netzkino, YouTube), eine subtile Meditation über Tod und Sterblichkeit.

Frohe Feiertage!

(Fotos: Polyband, MFA+, Universum Film)

3. Advent: Kinoempfehlungen zu Weihnachten

In einer Woche ist schon Heilig Abend – und vielleicht ist ja über die Feiertage mal Zeit, in Ruhe mit den Kindern ins Kino zu gehen. Wozu ich ja im Zweifelsfall raten würde: Ein Besuch in den weihnachtlichen Kindervorstellungen des örtlichen Programmkinos – wenn man denn eins hat. Die Leute dort wissen in den meisten Fällen sehr genau, was sie tun, es ist weder so teuer noch so stressig wie in den Großkinos, und gemütlicher, familiärer, weihnachtlicher ist es sowieso.

Leider habe ich die meisten der aktuellen Kinostarts noch nicht gesehen (außer Plötzlich Santa, von dem ich dringend abraten möchte), aber es gibt jedenfalls zwei klare Empfehlungen, bei denen man dem Vernehmen nach (und damit meine ich die Urteile der allermeisten Filmkritiker_innen) nicht viel falschmachen wird:

Paddington 2

Paddington ist wieder da: In der Fortsetzung des schon ziemlich großartigen Bärenfilms will der kleine Bär seiner Tante Lucy ein besonderes Geschenk machen – und landet darob, falsch des Diebstahls verdächtigt, im Knast. Die Kritiker_innen sind sich weitgehend einig: Nicht nur technisch perfekt gemacht und witzig erzählt, sondern auch eine berührende, aber nicht flache Geschichte. (Ab 8 Jahren; Trailer)

Coco

Der sehr geschätzte Alexander Matzkeit hat sich hier im Blog sehr deutlich über das Familienbild des neuen Pixar-Films aufgeregt; wenn man das (und die narrativen Schwächen, auf denen es beruht) auszuhalten bereit ist, gibt es aber sonst – so ist zu hören – ein farbenfrohes, lebensbejahendes Abenteuer zu sehen. (Ab 8 Jahren; Trailer)

Und sonst im Kino?

Leider habe ich bis auf Plötzlich Santa (Trailer) keinen der Filme gesehen – aber ein paar vage Einschätzungen kann ich doch abgeben, kondensiert aus den Reaktionen der Kolleg_innen:

  • Ferdinand – Geht STIERisch ab! ist wohl nett und nicht ganz dumm, aber auch nichts, was aus der Masse herausragt. (Ab 6 Jahren; Trailer)
  • Jumanji: Willkommen im Dschungel: Anscheinend solide erzähltes, sehr actionreiches und unterhaltsames Remake des Filmes von 1995 mit Robin Williams. Aber auch erst ab 12. (Trailer)
  • Bo und der Weihnachtsstern ist wahrscheinlich fürchterlich: Die Weihnachtsgeschichte aus Sicht des apokryphen Esels, in kreischendem Slapstick erzählt. Meine Arbeitshypothese: Braucht kein Mensch. (Ab 5 Jahren; Trailer)
  • Hexe Lilli rettet Weihnachten ebenso. (Ab 6 Jahren; Trailer)
  • Burg Schreckenstein 2: Ich habe noch überhaupt keine Meinung zu diesem Film. Der erste Film war weniger schlecht als befürchtet, aber das muss auch nichts heißen. (Ab 8 Jahren; Trailer)

Zu den zwei Filmen, die während der Ferien starten (Bamse – Der stärkste und liebste Bär der Welt und Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer) folgen hier in den nächsten Tagen noch Kritiken.

Viel Spaß im Kino!

1. Advent: Geschenkempfehlungen für Weihnachten

Der Dezember hat begonnen, die erste Kerze brennt – wer sich noch keine Gedanken über Geschenke gemacht hat, fängt jetzt vermutlich an. Für alle, die gerne Kinderfilme verschenken wollen, habe ich für alle Altersstufen von fünf bis zwölf jeweils einen Film ausgewählt, der in den letzten zwölf Monaten auf DVD bzw. Blu-ray erschienen ist. Das sind nicht unbedingt die allerbesten Kinderfilme des Jahres (obwohl, meiner Meinung nach eigentlich schon), aber jedenfalls eine Auswahl verdammt guter Filme.

Zum 2. Advent kommen dann noch ein paar weitere Vorschläge nebst ein paar Klassikern. Wer mag, findet natürlich weitere Ideen in meiner “ewigen” Filmtipp-Liste mit wirklich hervorragenden Filmen oder in der Liste von Kinderfilmen mit starken Mädchenfiguren, die ich vergangenes Jahr zusammengestellt hatte.

Filme zum Fest, best of 2017:

Molly Monster (ab 5)

Molly lebt mit ihren Eltern im Monsterland. Als sich ein neues Geschwisterchen ankündigt, bricht in der Familie freudiger Trubel aus: Das Ei wird Vater Popocatepetel auf der weit entfernten Eier-Insel ausbrüten. Molly soll mit ihren Onkel Alfredo und Santiago zuhause zurückbleiben. Doch als die Onkel gerade mal nicht aufpassen, begibt sich die mutige Monsterin auf eigene Faust zusammen mit Edison auf die Reise.

Die kleine Monsterdame mit dem starken Willen schafft den Übergang von der sehr kleinen Form (Sandmännchen et al.) mit Bravour; Molly Monster – Der Kinofilm (meine ausführliche Kritik) ist ein wirklich zauberhafter, phantasievoller, auch widerspenstiger Kinderfilm für sehr junge Filmfans. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Trolls (ab 6)

Poppy ist die Tochter des Königs der Trolle. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als böse Nachbarn einige Trolle entführen. Mit anderen Trollen macht sie sich auf die gefährliche Reise; Poppys Lebensfreude wird auf die Probe gestellt, und ausgerechnet der pessimistische Branch muss das Glück zurückbringen.

Ich dachte echt, Trolls wird so ein fades Beispiel dafür, wie aus Geldgier und einem uralten Spielzeug ein schrecklich plastikhafter Film entsteht – und musste mich dann sehr überraschen lassen. Trolls ist nicht nur flott erzählt, sondern weder emotional flach noch in seiner Handlung glatt und ohne Widerstände (ich habe das hier schon einmal ausführlicher aufgeschrieben). Und die Lieder, die machen wirklich Spaß. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Vaiana (ab 7)

Vaiana, die von Geburt an eine besondere Verbindung zum Meer in sich trägt macht sich mit dem legendären Halbgott Maui auf die Suche nach einer sagenumwobenen Insel. Auf ihrer faszinierenden Entdeckungsreise erleben sie sagenhafte Abenteuer, ergründen traumhafte Unterwasserwelten und erwecken alte Traditionen zu unerwartet neuem Leben…

Vaiana muss man eigentlich gar nicht weiter vorstellen – es war der Disney-Film (und -Hit) des vergangenen Weihnachtsfests – wahnsinnig unterhaltsam, wirklich spannend und lustig. Aber eben auch gar nicht so wenig ambivalent in seinem politischen Subtext. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Auf Augenhöhe (ab 8)

Der zehnjährige Michi lebt in einem Kinderheim. Eines Tages entdeckt er zufällig einen Brief seiner verstorbenen Mutter an einen gewissen Tom. Michi ist sich sicher: Dieser Unbekannte muss sein Vater sein! Doch die Überraschung ist groß, als er feststellt: Tom ist kleinwüchsig! Tom ist genauso geschockt von seiner unverhofften Vaterschaft. Als sich die beiden schließlich doch auf Augenhöhe begegnen, bringt ein unerwartetes Ereignis noch einmal alles durcheinander…

Eine Seltenheit im deutschen Kinderfilm: Ein Drama, das es sich erlaubt, witzig und traurig zugleich zu sein, das mit den Themen Kleinwüchsigkeit, Ausgrenzung und Elternschaft hantiert, ohne in flache Stereotype abzurutschen. Auf Augenhöhe (hier meine ausführliche Besprechung) wurde von der Initiative “Der besondere Kinderfilm” gefördert und ist der mit Abstand beste der drei Filme, die aus diesem Projekt bisher entstanden sind. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Mein Leben als Zucchini (ab 9)

Zucchini – so lautet der Spitzname eines neunjährigen Jungen, der nach dem Tod seiner Mutter ins Kinderheim muss. Dort wächst er fortan mit anderen Kindern auf und sucht seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Das Zusammenleben ist nicht immer einfach, denn auch der freche Simon, die besorgte Béatrice, die schüchterne Alice, der etwas zerzauste Jujube und der verträumte Ahmed haben bereits viel erlebt.

Das ist vermutlich der schönste, berührendste, wunderbarste Animationsfilm des Jahres. Eine überschaubar große Geschichte, in der sich trotzdem Welten bewegen, in der der neunjährige Icare (genannt Zucchini) zuerst zur Vollwaise wird und dann ein neues Zuhause findet, vielleicht sogar ein wenig Glück… in traditioneller Animation wird das gezeigt, durch Figuren mit großen, ausdrucksstarken Augen. Selten waren Knetfiguren so lebendig. (Hier eine noch ausführlichere Lobpreisung.) Auch und gerade für Erwachsene ein Film, an dem man nicht vorbeigehen sollte. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Die rote Schildkröte (ab 10)

Ein Schiffbrüchiger strandet auf einer einsamen Insel. Er baut sich ein Floss, um von der Insel fortzukommen, wird jedoch jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, daran gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch dann geschieht Eigenartiges…

Es fällt kein Wort: Die rote Schildkröte kommt praktisch ohne gesprochene Sprache aus. Die Geschichte von einem Schiffbrüchigen, der sich mit einer roten Schildkröte misst, und aus der Auseinandersetzung wird dann etwas ganz anderes – das ist wie eine große Parabel über das Leben und jedenfalls beglückend schön animiert. Für geduldigere Geister ab 10 Jahren eine Riesenbereicherung. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (ab 11)

Der Autor und Zauberzoologe Newt Scamander, dessen phantastische Abenteuer 70 Jahre vor Harry Potters erstem Hogwarts-Lehrjahr in New York beginnen, hat einen Koffer voller magischer Kreaturen dabei – darf sie aber eigentlich gar nicht mit sich herumtragen…

Harry Potter-Fans kennen den Film vermutlich eh schon; die Abenteuer von Newt Scamander in New York fungieren ja gewissermaßen als Vorgeschichte zu den Büchern (und Filmen) über den jungen Zauberlehrling. Der Film Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind mit seinem etwas ungelenken Titel funktioniert wunderbar als magischer Abenteuerfilm (siehe meine ausführliche Kritik), sondern zeichnet sich nicht zuletzt durch seinen Protagonisten aus, der – hurra! – so gar nicht dem Bild typischer Kinohelden entspricht. Und auch nicht den Bildern klassischer Männlichkeit. Er ist eher zart, sanftmütig, schüchtern und zurückhaltend. Eine große Freude! (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Kubo – Der tapfere Samurai (ab 12)

Im Japan vor unserer Zeit: Der junge Kubo lebt in einer Stadt am Meer und kümmert sich um seine Mutter, seit sein Vater verstorben ist. Er lebt ein bescheidenes Dasein als Geschichtenerzähler; doch als er versehentlich einen Geist aus seiner Vergangenheit beschwört, stürmt dieser voller Zorn auf die Erde hinab, um eine uralte Blutrache zu vollstrecken.

Kubo ist im Vergleich zu Newt Scamander schon geradezu robust; allerdings muss der Junge eben auch erst noch lernen, dass Kampf nicht immer die beste Lösung ist. Der Film (aus den Laika-Studios, die z.B. auch für die Boxtrolls verantwortlich waren) ist gruselig und aufregend und spannend und berührend und zart und gelegentlich beängstigend; aber immer lebendig. Ein tolles Abenteuer, dessen phantasievolle Animationen eine Welt voller Zauberei entstehen lassen. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

(Wer sich für meine Weihnachtsempfehlungen der vergangenen Jahre interessiert, findet sie hier im Blog für 2016, 2015, 2014 und 2013.)

(Fotos: Polyband, Filmfest München, Warner Bros., Disney, Wild Bunch/Central, UIP, 20th Century Fox)

Filmische Weihnachten mit Kindern: Was läuft im TV?

Arthur_Weihnachtsmann

Muss der Fernseher an Weihnachten laufen? Natürlich nicht. Aber wenn er schon angemacht wird, dann darf es wenigstens auch etwas Besonderes sein, und immerhin das fällt an den Feiertagen relativ leicht, weil wenigstens mal schöne Filme gezeigt werden. Nicht nur, versteht sich, weshalb ich kurz versucht habe, das Programm der kommenden Tage zu sichten und ein paar besondere Highlights herauszuheben.

Das ist eher kurz gehalten und auf wenige Filme beschränkt, erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf sonst irgendwas. Weitere Empfehlungen gerne in die Kommentare. Klassische (wie Drei Haselnüsse für Aschenbrödel) und weniger klassische (Arthur Weihnachtsmann, siehe Bild oben, und Mitten in der Winternacht) Weihnachtsfilme habe ich diesmal in meiner Kolumne auf kino-zeit.de inkl. Sendeterminen vorgestellt und diskutiert, bitte also hier nachlesen.

24.12.2015/Heilig Abend

  • Michel in der Suppenschüssel (ZDF 13.25-15.00 Uhr): Klassische Lindgren-Verfilmung.
  • Tom und Hacke (BR 13.25-14.55 Uhr): Kinderkrimi aus der bayerischen Provinz in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Stark dialektlastig, aber spannend und gut gemacht.

25.12.2015/1. Weihnachtsfeiertag

  • Bernhard und Bianca – die Mäusepolizei (Disney Channel 9.45-11.05 Uhr): Einer der Disney-Klassiker, die gerne mal unter den Tisch fallen.
  • Das Geheimnis der Murmel-Gang (ARD 10.25-11.55 Uhr): Spanischer Abenteuerfilm.
  • Leon und die magischen Worte (KI.KA 12.05-13.15 Uhr): Kleines Abenteuerdrama um Phantasie und Lesenlernen. Bezaubernd.

26.12.2015/2. Weihnachtsfeiertag

  • Ratatouille (RTL 8.35-10.35 Uhr): Einer der schönsten Pixar-Filme. Macht Appetit.
  • Die Legende vom Weihnachtsstern (ZDF, 9.25-10.37 Uhr): Modernes Märchen aus Skandinavien.
  • Der wunderbare Wiplala (ARD 10.25-11.55 Uhr): Verfilmung des Kinderbuchs von Annie M.G. Schmidt.
  • Horton hört ein Hu! (RTL 12.40-13.55 Uhr): Verfilmung nach Dr. Seuss – wirr und verrückt und sehr, sehr komisch.
  • Ernest & Célestine (KI.KA 19.25-20.35 Uhr): Einer der schönsten Animationsfilme der vergangenen Jahre.

Anschließend

  • Das Dschungelbuch (27.12., RTL 20.15-21.45 Uhr): Muss ich den wirklich vorstellen? Man sollte es mal mit Gemütlichkeit versuchen!
  • Mein Freund Knerten/Knerten in der Klemme/Knerten traut sich (KIKA, vom 28.-30.12. jeweils 12.10-13.20 Uhr): Ein Junge und sein sprechender Zweig. Klingt doof, ist aber super.

(Foto: Sony Pictures)

Filmische Weihnachten mit Kindern: DVD-Tipps

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Es wird allerhöchste Eisenbahn dafür, dass ich hier noch ein paar Vorschläge machen, was man sich (und den Kindern) zum Weihnachtsfest unter den Baum legen möchte oder wahlweise präventiv besorgen will, um die Feiertage auch filmisch glücklich zu gestalten. Einige meiner Vorschläge hier habe ich schon vor zehn Tagen auf filmstarts.de geäußert, hier ergänze ich sie noch um einige weitere Titel, ungefähr nach Jahresangaben gestaffelt. Die Filmtitel verlinken jeweils auf meine ausführlichen Kritiken; über Einkäufe per amazon freue ich mich, weil sie ein wenig Geld in meine Richtung spülen, von dem ich mir dann möglicherweise eine Pupskanone gönne. Auf die bin ich schon seit Monaten scharf.)

Für Kinder ab 4 Jahren:

Quatsch und die Nasenbärbande: Herrlich anarchische Geschichte um eine Kitagruppe, die sich ihre Großeltern nicht nehmen lassen will. Zwischendruch glaubt man, das Filmteam habe zu viele bewusstseinserweiternde Substanzen zu sich genommen, dafür gehen die Kinderdarsteller_innen so richtig aus ihrer Haut. (amazon)

Für Kinder ab 6 Jahren:

Shaun das Schaf – der Film: Dass Shaun vorher eigentlich nur in Fünfminütern zu sehen war, sieht man dem Shaun-Kinofilm keineswegs an. Ihr Versuch, den Bauer aus den Fängen seiner Amnesie und der großen Stadt zu befreien, bleibt zwar – für kleine Kinder sehr angenehm – immer ein wenig episodenhaft, macht aber zugleich einen großen Spannungsbogen auf. Und die Animation ist natürlich eh klasse. (amazon)

Die geheimnisvolle Minusch: Das ist so ein Film, den kann ich schier nicht genug preisen, zumal ihn viel zu wenige Leute kennen. Jetzt ist er neu und erstmals auch auf Blu-ray herausgekommen, man kann also noch schärfer der zur Menschin gewordenen Katzendame Minusch dabei zusehen, wie sie einem zu freundlichen Provinzreporter behilflich ist. Eine tolle, leicht magische Abenteuergeschichte. (amazon)

Es war einmal… das Leben: Für mich war das die volle Kanne Nostalgie. Die Titelmelodie dieser hochgradig seltsam-pädagogischen Animationsserie schwingt aus meiner Kindheit bis heute, vor allem aber sind meine Kinder davon hellauf begeistert; sie lassen sich nur zu gern mit Maestro und den anderen durch die Blutbahn schippern und lernen alles Mögliche (weitgehend medizinisch korrekte) über den menschlichen Körper. (amazon)

Für Kinder ab 8 Jahren:

Das Königreich der Katzen: Einer der etwas unbekannteren Filme aus dem Studio Ghibli. Hiroyuki Morita Animationsfilm ist geradliniger und reduzierter als etwa die Filme von Miyazaki, aber das Übernatürliche vermischt sich hier immer noch ganz selbstverständlich mit dem Gewohnten. Und ein wenig spannend ist es schon auch, ob das Mädchen Haru wohl heil aus dem titelgebenden Königreich zurückkehren wird… (amazon)

Minions: Zu dem Film um die gelben Tic-Tac-Bonbons (wahlweise: Pillen für Bluthochdruck) muss ich wahrscheinlich nicht viel sagen. Dieses Prequel hat nicht ganz den Charme der beiden Ich, einfach unverbesserlich-Filme, aber die Kinder saugen das trotzdem auf. Eine sehr mainstreamige Wahl, bei der man aber alle außer harte Minions-Verächter glücklich macht. (amazon)

Winnetous Sohn: Junge will gegen alle Widrigkeiten (unter anderem seine eigene Unsportlichkeit sowie die Gleichgültigkeit seiner getrennt lebenden Eltern) bei den Festspielen den Sohn des Winnetou spielen. Gelegentlich mit etwas zu viel Pathos, aber sonst sehr gelungen und witzig. (amazon)

Auch noch gut:

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Für Kinder ab 10 Jahren:

Ostwind 2: Kein perfekter Film, stark auf das Segment der weiblichen Pferdefans ab zehn ausgerichtet, aber eine grundsolide, unterhaltsame Geschichte. Für Freundinnen des etwas besseren ersten Films führt daran wahrscheinlich eh kein Weg vorbei. (amazon)

Reuber: Eine unabhängige Produktion, ganz und gar nicht gewöhnliches Kino. Es wird viel gebrüllt in diesem Film, vom Räuber Reuber, von dem komischen Magier und auch sonst. Die Geschichte erzählt ein Vater seinem Sohn, es geht nicht nur ein wenig um Trennung/Scheidung und ihre Schwierigkeiten, aber auch so etwas wie (vor allem männliche) Identität. Lustig und rauh und ungebürstet, mit Geschlechterbildern, die mir noch nicht ganz geheuer sind, aber zugleich bemerkenswert und sehr aufregend. (amazon)

Manolo und das Buch des Lebens: Wilder, bunter, ausgelassener Animationsfilm, dessen Handlung sich vor dem Hintergrund des mexikanischen Tag der Toten abspielt – und bei dem eine Reise in die Welt der Toten noch die geringste Aufregung verursacht. Voll schöner Bilder und Musik, aber ein wenig gruselig. (amazon)

Für Kinder ab 12 Jahren:

Giraffada: Politik aus dem Blickwinkel einer kleinen Abenteuergeschichte, das Kleine im Großen. Wie schmuggele ich eine Giraffe von Israel in den Gaza-Streifen? Ernst, atemberaubend schön und witzig. (amazon)

Die Legende von Prinzessin Kaguya: Der schönste Animationsfilm, der 2014 in die Kinos kam. Isao Takahatas Film lässt sich jenseits des Titels nicht in wenigen Worten zusammenfassen, deshalb nehme ich den Pathos meiner eigenen Besprechung auf: “Ein gezeichnetes Epos über das Freiheitsgefühl, das die Kirschblüten bringen, und über den Abschied, den das Mondlicht verheißt.” Gerne nachlesen, dann bitte selbst genießen! (amazon)

Sonstige Tipps:

Ich habe hier jetzt nur Titel aufgeführt, die auch 2015 fürs Heimkino (wieder) neu erschienen sind. Aber deswegen werden ältere Filme ja nicht schlechter. Deshalb haben auch meine Vorschläge aus dem vergangenen Jahr noch ihre Gültigkeit; und meine hier zusammengetragene Liste mit exzellenten Kinderfilmen lässt sich genauso zum Stöbern nutzen und ist voller toller Empfehlungen.

Und wenn Ihr gerade in Weihnachtsstimmung seid, könnt Ihr gerne, falls es Euch dieses Blog wert ist, auch mir eine kleine Freude machen, wenn Ihr mögt. ;-)

(Fotos: Zorro Film, Universal)