Michel-Festival: Das kalte Herz (2014)

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Viele traditionelle Märchen leuchten ja auch deshalb so hell beim Vor- und Selberlesen, weil vergangene Zeiten aus allen ihren Poren strahlen: Sei es in der Sprache, in ungebräuchlichen, altertümlichen Begriffen, sei es in den Dingen, die die Menschen tun, in den Tätigkeiten, die sie ausüben. Wer weiß heute noch, was ein Köhler macht? Für Das kalte Herz, die Erzählung von Wilhelm Hauff ist der Beruf der Hauptfigur allerdings wichtig: Nicht nur ist er ein armer Mann ohne wirkliche Chance auf Aufstieg, er sitzt auch allein im Wald, mit zu viel Zeit für seine eigenen Gedanken und viel zu nah an den Geistern, die zwischen den Bäumen leben.

michelIn Marc-Andreas Bocherts neuer Inszenierung wird aus dieser fremden Welt ein pittoreskes Quasi-Mittelalter, in dem die meisten Menschen zu sauber wirken für die harte Arbeit, die sie verrichten, und Peter Munk, der gerade so erwachsene Köhlersjunge, selbst auf dem Dorffest noch dekorative schwarze Striemen im Gesicht trägt. Natürlich verliebt er sich in Lisbeth, die zugleich der Sohn des reichsten Mannes im Ort begehrt; und da soll ihm das Glasmännchen helfen, das Sonntagskindern wie ihm drei Wünsche erfüllt. „Michel-Festival: Das kalte Herz (2014)“ weiterlesen