Vom Politischen im Kinderfilm

PADDINGTON

Einwanderung ist (stellen Sie sich das jetzt bitte in der Stimme von Loriot gesagt vor) ein politisches Thema. Wenn also ein Immigrant des Weges kommt, der bei einer heimischen Familie aufgenommen wird, sich aber nicht nur durch Unkenntnis der heimischen Gebräuche und Hygienevorstellungen auszeichnet, sondern sich auch noch als Polizist ausgibt und anschließend illegal ins Archiv einer alteingesessenen Wissenschaftsorganisation eindringt… das ist dann wohl ein politischer Film, der zu Immigrant_innen kaum Positives zu sagen hat, oder?

Ist er aber doch. Denn die beschriebenen Ereignisse verraten noch nicht zu viel davon, was in der Neuverfilmung von Michael Bonds beliebten Büchern zu sehen ist, wenn Paddington passend zum Weihnachtsgeschäft ins Kino kommt. Xan Brooks hat in seiner Kritik im “Guardian” die Geschichte des Bären “aus dem tiefsten Dschungel Perus” politisch ausgedeutet: im Grunde als Aufruf zu mehr Solidarität mit Immigrant_innen und als großer Haufen Bärendreck vor der Haustür der rechtsnationalen UKIP-Partei.

Bitte weiterlesen: In meiner Kinderfilm-Kolumne Sitzplatzerhöhung auf kino-zeit.de habe ich mich vergangene Woche damit beschäftigt, was eigentlich einen Kinderfilm politisch macht – und ob das überhaupt eine wünschenswerte Eigenschaft ist.

(Foto: Studiocanal)

Ist Soljanka exotisch? “logo! extra” berichtet für Westkinder vom Mauerfall

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Es ist ja Mauerfall-Jubiläum, das kriegen die Kinder auch in der Schule mit, und mit entsprechend vielen Fragen sehen wir uns konfrontiert. Weil es uns immer Spaß macht, durch gezielte Informationen noch weitere Nachfragen zu provozieren, haben wir uns dann heute nachträglich die Sonderausgabe der (ganz wunderbaren) Kinder-Nachrichtensendung logo! von gestern angesehen: „logo! extra – Als Deutschland geteilt war – 25 Jahre nach dem Fall der Mauer“ (Link führt zum Video in der ZDF-tivi-Mediathek). Und jetzt sind wir ein wenig irritiert.

Nicht, dass da irgendetwas falsch wäre, was in der Viertelstunde berichtet wird – das ist alles richtig und schon recht so, aber die Perspektive auf die Vergangenheit, die in der Sendung eingenommen wird, ist eine – so scheint mir – durch und durch westdeutsche.

So steht der „Bundesrepublik Deutschland“ immer die „DDR“ entgegen, nur einem wird „Deutsche Demokratische Republik“ ganz ausgesprochen. Erklärt wird auch immer nur, wie es vor dem Mauerfall in der DDR war; dadurch entsteht implizit der Eindruck, in der BRD sei es seinerzeit im Grunde immer so gewesen, wie es im heutigen, vereinten Deutschland auch sei. Oder anders gewendet: Die Kenntnis der Zustände in Westdeutschland wird implizit (bei den Kindern als: von den Eltern überliefert) vorausgesetzt – und damit richtet sich der Bericht eben eigentlich auch nur an ein westdeutsches Publikum. „Ist Soljanka exotisch? “logo! extra” berichtet für Westkinder vom Mauerfall“ weiterlesen