Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch! (2016)

Man muss sich die niederländische Dorfschule als einen Ort idyllischsten Lernens vorstellen. Das liegt jedenfalls nahe, wenn man sich die durchaus zahlreichen Kinderfilme betrachtet, die aus den Niederlanden kommen und in denen (meist) Grundschüler_innen und ihre Lehranstalten eine mehr oder minder große Rolle einnehmen (Mister Twister – Wirbelsturm im Klassenzimmer und seine Fortsetzungen, aber auch Dummie die Mumie). Fast immer, so viel fällt auf, gibt es dort entspannte Lehrer (meist schüchterne Männer von äußerst angenehmen Wesen), die mit den Kindern so lästige Dinge wie Lehrpläne eher nebenher übernehmen und ansonsten fast auf Augenhöhe agieren.

Oder eben auch mal von weiter unten: Den Titel von Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch! darf man durchaus wörtlich nehmen. Lehrer Franz verwandelt sich nämlich tatsächlich in einen hübschen grünen Frosch, wenn sein Umfeld ihn durch „Frosch“-Rufe oder wiederholtes Quaken zwingt, an die kleinen Amphibien zu denken. Erst der Verzehr einer Fliege macht ihn dann wieder zum Menschen. Als seine Schülerin Sita das entdeckt, ist sie natürlich überrascht, willigt aber gerne ein, es vor den anderen Schülern geheim zu halten.

Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch! startet am 15. Juni 2017 in den deutschen Kinos. Hier ist meine ausführliche Kritik: Bezaubernde Idylle

Der wunderbare Wiplala (2014)

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Von den Qualitäten der niederländischen Filmproduktion bekommt man hierzulande für gewöhnlich nicht sonderlich viel mit, selbst wenn immer mal wieder ganz herausragende Filme aus dem kleinen Land am Meer kommen. Besonders bemerkenswert ist dabei der kontinuierliche Ausstoß von sehenswerten Kinder- und Jugendfilmen: leichtfüßige, alberne Komödien, kleine Abenteuerfilme, nachdenkliche Dramen – in den allermeisten Fällen auf Augenhöhe mit den jungen Zuschauern, ohne jemals herablassend zu wirken, wie das bei vergleichbaren deutschen Produktionen leider viel zu oft der Fall ist.

Dass Der wunderbare Wiplala in Deutschland nun direkt auf DVD erscheint, liegt wohl vor allem daran, dass der zugrundeliegende Kinderbuchklassiker von Annie M.G. Schmidt hierzulande nicht so bekannt ist. Die von Regisseur Tim Oliehoek inszenierte Geschichte von dem kleinen Wiplala, der „tinkeln“ (manche Leute würden es unpräzise mit „zaubern“ übersetzen) kann, hätte allerdings definitiv das Format für eine Kinoauswertung gehabt.

Warum das so ist, erkläre ich in der heutigen Ausgabe meiner Kolumne “Familienfilmtipp” auf filmstarts.de.

(Fotos: EuroVideo)

Berlinale 2016: Siv Over Vilse (Mia schläft woanders, 2016)

Die siebenjährige Siv (oder, in der deutschen Übersetzung, Mia) ist ein wenig fasziniert von der rothaarigen Cerisia, die neu in ihre Klasse gekommen ist. Gerne lässt sie sich auf eine Übernachtung einladen; aber in Cerisias Wohnung ist alles ein wenig anders als bei ihr zuhause. Siv lebt allein mit ihrem Vater, dort ist alles vertraut und klein. Bei Cerisia sind die Wände hoch, der Flur hat viele Türen, bei den trompe-l’œil-Tapeten weiß man nicht so recht, was wirklich ist und was nicht, und dann ist da noch der Hund mit dem seltsamen Geschwür auf dem Kopf.

berlinale_logo Sivs Aufenthalt gerät in Catti Edfeldts Film von einem kleinen Abenteuer mit vagem Unwohlsein zu einer nächtlichen Traumreise, in der die Realität ein wenig aus ihren Angeln gehoben wird. Es scheint Magie im Spiel zu sein, aber sie ist nie nur in eine Richtung gestrickt: Nicht nur der Hirsch aus dem einen Gemälde hat sich aus seinem Rahmen bewegt, auch der Tiger aus dem Bild daneben. Die Meerschweinchen der Familie sind zu sprechenden, reimenden Waschbären geworden, die dauernd lügen, sich gegenseitig und Siv Quatsch erzählen.

Das ist ein Traum mit den ambivalenten Qualitäten eines echten Traumes: manchmal ein wenig bedrohlich, manchmal sehr schön und poetisch. Die Erwachsenen sind seltsame Menschen, die ungesunde Sachen essen dürfen und deshalb nachts in ihren Betten Torte verspeisen. In jedem Zimmer scheint Siv eine andere Größe zu haben, der Staubsauger ist ihr Freund, Plastik-Quietscheentchen hingegen: na, man weiß es nicht so genau. Lewis Carroll lässt schön grüßen.

Natürlich will Siv Over Vilse kein Alice im Wunderland sein – aber Edfeldt drechselt um die Geschichte eine Welt voll Phantasie, Abenteuer und Uneindeutigkeiten, die aber dennoch ein Happy-End bekommt, wenn auch eines mit Augenzwinkern. Das ist alles Tausendmal besser als übereindeutiges Kinderfernsehen.

Siv Over Vilse (Mia schläft woanders), Schweden/Niederlande 2016. Regie: Catti Edfeldt, Lena Hanno Clyne. 79 Minuten, empfohlen ab 7 Jahren. Bisher kein Kinostart.