Michel-Festival: Das kalte Herz (2014)

Das_Kalte_Herz_1

Viele traditionelle Märchen leuchten ja auch deshalb so hell beim Vor- und Selberlesen, weil vergangene Zeiten aus allen ihren Poren strahlen: Sei es in der Sprache, in ungebräuchlichen, altertümlichen Begriffen, sei es in den Dingen, die die Menschen tun, in den Tätigkeiten, die sie ausüben. Wer weiß heute noch, was ein Köhler macht? Für Das kalte Herz, die Erzählung von Wilhelm Hauff ist der Beruf der Hauptfigur allerdings wichtig: Nicht nur ist er ein armer Mann ohne wirkliche Chance auf Aufstieg, er sitzt auch allein im Wald, mit zu viel Zeit für seine eigenen Gedanken und viel zu nah an den Geistern, die zwischen den Bäumen leben.

michelIn Marc-Andreas Bocherts neuer Inszenierung wird aus dieser fremden Welt ein pittoreskes Quasi-Mittelalter, in dem die meisten Menschen zu sauber wirken für die harte Arbeit, die sie verrichten, und Peter Munk, der gerade so erwachsene Köhlersjunge, selbst auf dem Dorffest noch dekorative schwarze Striemen im Gesicht trägt. Natürlich verliebt er sich in Lisbeth, die zugleich der Sohn des reichsten Mannes im Ort begehrt; und da soll ihm das Glasmännchen helfen, das Sonntagskindern wie ihm drei Wünsche erfüllt. „Michel-Festival: Das kalte Herz (2014)“ weiterlesen

Michel-Festival: Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen (2013)

My-Mommy_1_-c_StudioCanal

Derzeit läuft das Michel Kinder- und Jugendfilmfestival in Hamburg. Hier im Blog bespreche ich eine Handvoll der Filme, die ich vorab sehen konnte. Bisher schon besprochen: Mister Twister, Sputnik und Kopfüber.

Jean und sein kleiner Bruder Paul kabbeln sich ziemlich viel; abends, wenn sie eigentlich in ihren Betten liegen sollten, gibt es schonmal die eine oder andere etwas heftigere Kissenschlacht, und auf dem Rücksitz des Renault R4, mit dem sie ihre Babysitterin (wobei das französische “Nounou” hier treffender “Kinderfrau” meint) Yvette nachmittags aus Schule und Kita abholt, geht es auch gerne mal zur Sache. Es sind die frühen Siebzigerjahre, anscheinend sind Sicherheitsgurte noch keine Pflicht, dafür sind die Hemdkragen etwas länger.

Der Vater der beiden Jungen leitet eine Fabrik und hat wenig Zeit oder Kontakt zu seinen Söhnen, die Mutter ist abwesend – und, wie zumindest der erwachsene Zuschauer schnell ahnt, vor einiger Zeit gestorben. Das Nachbarsmädchen Michèle erfindet ihm Geschichten von seiner Mutter, die Ansichtskarten schicke – Jean kann noch nicht lesen und lässt sich gern in diese Illusion fallen von einer Mutter, die um die ganze Welt reist, Brasilien, die USA, eine Wildwestshow mit Buffalo Bill… und in seiner Phantasie reitet und läuft er immer wieder durch diese Welten. „Michel-Festival: Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen (2013)“ weiterlesen

Michel-Festival: Mister Twister (2012)

Mister-Twister_1_c_PVPictures

Morgen, am 27. September 2013, beginnt das Michel Kinder- und Jugendfilmfestival in Hamburg. Hier im Blog bespreche ich eine Handvoll der Filme, die ich vorab sehen konnte. Bisher schon besprochen: Sputnik und Kopfüber.

Darf Lernen, darf Schule eigentlich Spaß machen? Das ist eine Diskussion, die sich immer noch beharrlich hält – und auch wenn die Verteidiger_innen harter, autoritärer Lehrstile stiller und weniger zahlreich geworden sind, es gibt sie ja noch. Und man kann das ebenso trocken und humorlos diskutieren, wie Schule dann fad wäre, oder man macht daraus eine spritzige Komödie wie Mister Twister.

Herr Kees ist eigentlich schüchtern. Sehr, sehr schüchtern; er traut sich nicht einmal, die junge Frau anzusprechen, die ihm fast täglich im Park begegnet und die selbst nicht abgeneigt erscheint, aber ihr großer Hund zieht sie immer wieder fort. Dieser Mann also, selbst noch Lehrer in der Ausbildung, tritt als Schwangerschaftsvertretung in der 2b an, der wildesten Klasse der Schule. Von diesen Kindern hat keines Spass an Schule, am wenigsten vielleicht Tobias (Felix Osinga), dessen Mutter nach dem Tod von Tobias’ Vater ihr Bett eigentlich nicht mehr verlässt. „Michel-Festival: Mister Twister (2012)“ weiterlesen

Michel – Kinder- und Jugendfilmfest Hamburg

Michel_Logo_2013b

Während des Filmfests Hamburg findet auch in diesem Jahr wieder, vom 27. September bis 5. Oktober, das Michel Kinder- und Jugendfilmfest statt. Das Filmprogramm ist seit gestern online einsehbar und enthält einige vielversprechende Schätze.

Aus dem Programm bereits gesichtet und hier besprochen habe ich den deutschen Beitrag Kopfüber, demnächst wird hier außerdem ein Beitrag zu Sputnik erscheinen.

Die restlichen Filme, jeweils mit Trailer (so vorhanden) und der Inhaltsangabe aus dem Programm: „Michel – Kinder- und Jugendfilmfest Hamburg“ weiterlesen