Es war k’einmal im Märchenland (2007)

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Was wäre, wenn sich in den hübschen Disney-Märchenfilmen einmal das Blatt wenden, das Böse obsiegen würde? Wenn Rumpelstilzchen das Baby behalten dürfte? Ließe man dieses Konzept lange genug reifen, könnte eine angenehme Abwechslung zum rasch ins Kitschige abgleitenden Mainstream der Kinderunterhaltung entstehen – und selbst für eine kinderfreundliche Fassung ließe sich wohl noch einiges an bösartigen Ideen abstauben.

Dass es also in Es war k’einmal im Märchenland (Happily N’Ever After) Cinderellas Stiefmutter Frieda gelingt, das Märchenkönigreich unter ihre Knute zu bringen, eröffnet wunderbar anarchische Möglichkeiten. Prompt bevölkern die bösen Wölfe diverser Märchen und Erzähltraditionen das königliche Schloss, und indem der Film sie als Mafiosi inszeniert, ganz nah an den klassischen Mobster-Filmen, deutet er immerhin an, wohin die Reise gehen könnte. Dann reiten drei Hexen auf knatternden Besen als Motorradgang der Lüfte umher, und man darf Momente lang darauf hoffen, dass sich die Logik des Happy Ends diesmal nicht ungestört durchsetzen möge.

Weiterlesen: Meine Kritik zu Es war k’einmal im Märchenland ist im Dezember 2007 auf critic.de erschienen.

(Foto: Eurovideo/BAF/BFC)

Kurzfilm zum Wochenende: Rotkäppchen in deutscher Gebärdensprache (2011)

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Heute mal etwas ganz anderes – ein Trickfilmprojekt, das das Team um Regisseurin Britt Dunse 2011 mit 16 Kindern der Ernst-Adolf-Eschke Schule für Gehörlose in Berlin realisiert hat. Die Verfilmung des Märchens Rotkäppchen erscheint mit eingesprochener Erzählung, Schrifteinblendung und wird zugleich von einer Erzählerin und den Darsteller_innen gebärdet. Ein feiner kurzer Film, der bestimmt ein guter Anlass ist, mit hörenden Kindern einmal über Gehörlosigkeit zu sprechen. Der Film ist an diesem Wochenende auch im Rahmen des Kindertrickfilmspecials auf dem FilmFest Osnabrück auf großer Leinwand zu sehen.

Schönes Wochenende!

Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte (2013)

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Prinzessin Clara (Hanna Merki) ist “nur” die jüngere Tochter ihrer Eltern und somit nicht nur nicht für den Thron vorgesehen, es will sie auch niemand so richtig ernst nehmen, und in der Ahnengalerie hängt ihr Bild auch nicht. Sie geht gerne barfuß in der Natur spazieren, ist aber leider auch tollpatschig und vom Pech verfolgt. Dann heckt sie einen Plan aus, um endlich eine “richtige” Prinzessin zu werden: Sie muss Hauptfigur in einem Märchen werden, dann müsse man sie ernst nehmen. Mit ihrem treuen Freund, dem Hofnarren (Michael Kranz), macht sich Clara daran, das Unternehmen umzusetzen: als erstes werden erstmal ganz viele Frösche geküsst… „Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte (2013)“ weiterlesen

Kalif Storch (2012)

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Pepperl muss als Strafarbeit den Dachboden seines Großvaters aufräumen, statt dieser Arbeit widmet er sich aber lieber dem Studium der geheimnisvollen Schätze, die da herumliegen. Gerade als sein Freund Kasperl ihn zum Fußballspielen abholen will, stößt er auf ein Buch, das anscheinend Zaubersprüche enthält; und ehe die beiden recht wissen, wie ihnen geschieht, reisen sie auf einem fliegenden Teppich gen Afrika.

Kalif Storch braucht eine ganze Weile und eine große geographische Ungenauigkeit (samt nicht unproblematischer kultureller Stereotype), um seine beiden Hauptfiguren an den Schauplatz der eigentlichen Handlung zu verfrachten, die sich an Wilhelm Hauffs gleichnamigem Märchen orientiert: Drei böse Zauberer wollen den Kalifen von Bagdad mit einem Trick dazu bringen, sich in ein Tier zu verwandeln, damit ihr Anführer seine Position einnehmen kann. Pepperl und Kasperl werden zufällig Zeuge davon, wie die drei ihre Pläne schmieden und wollen den Kalif warnen, werden aber selbst in Frosch und Storch verwandelt. „Kalif Storch (2012)“ weiterlesen