Heldinnen und ihre Wunden – Frauen- und Mädchenfiguren im Kinderfilm

Wie viele andere Eltern in den letzten Tagen auch, haben wir vor kurzem mit den Kindern Zoomania gesehen. Ein Film, der sich ein wenig ans Osterfest schmiegt mit seiner überzeugenden Protagonistin Judy Hopps, Häsin, beste Absolventin ihres Jahrgangs und erstes Nagetier in der Polizei von Zoomania. Und in ihrer Kombination von puscheliger Niedlichkeit, nicht nachlassendem Optimismus und Kampf für Recht und Gesetz eine ziemlich überzeugende Identifikationsfigur für junge Kinogänger.

Officer Hopps ist damit eine nur langsam wachsende Minderheit im Kinderkino – denn dort stehen wie im “großen” Kino meist Jungs und Männer im Vordergrund. Als ich anlässlich des Weltfrauentags eine kleine Liste mit wirklich guten Kinderfilmen zusammengestellt habe, in denen starke Mädchenfiguren im Fokus stehen, war ich wider besseren Wissens wieder einmal überrascht, wie mühsam es war, einige Titel zusammenzubekommen. (Auch wenn die Liste durch kluge Kommentare dann doch noch ein wenig länger wurde.)

Zoomania ist zudem dadurch auffällig, dass der Film das Thema Sexismus (und stärker noch Rassismus sowie darauf fußende Vorurteile) in den Fokus seiner Handlung rückt und kindgerecht aufbereitet, ohne großes Gewese und ohne erhobene Zeigefinger (oder Pfoten). Und noch eine andere Sache ist mir aufgefallen, die Judy Hopps so besonders macht: Sie bringt kein Trauma, kein Drama, keine ernsthaften Verletzungen mit.

Hopps entstammt einer völlig intakten (sehr vielköpfigen) Hasenfamilie und will einfach nur Polizistin werden, weil sie … naja, weil sie will. Dahinter steht viel Gerechtigkeitssinn (etwas, was Kinder sofort nachvollziehen können, den haben sie nämlich meist auch) auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen, seinen Traum unbedingt umzusetzen. Das ist natürlich eine sehr amerikanische Selbstverwirklichungsphantasie – aber sie beruht eben nur auf Hopps’ Charakter, nicht auf einem Trauma oder einem Verlust, der sie antreibt.

Weiterlesen: Mein vollständiger Text zu Mädchen- und Mütterfiguren, Traumata und abwesenden Eltern (nicht nur) in Disney-Filmen ist auf kino-zeit.de in meiner Kolumne “Sitzplatzerhöhung” erschienen. Bitte hier entlang!

(Foto: Disney)

Zum 8. März: Kinderfilme mit starken Mädchen

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Obwohl ich es natürlich besser weiß, war ich kürzlich wieder einmal überrascht, wie wenige Kinderfilme – auch der wirklich guten Filme – starke weibliche Figuren in ihr Zentrum stellen. “Stark” nicht unbedingt im Sinne von physischer oder psychischer Stärke, sondern allein daher, dass sie starke, wichtige Figuren in ihrer eigenen Geschichte sind – fehlerhaft, menschlich, mutig, zaudernd, all das.

Aufgefallen ist mir das erst wieder neulich, als ich nach eben solchen Filmen gefragt wurde und mir spontan nur wenige einfielen; der heutige Internationale Frauentag ist mir aber ein hinreichend guter Anlass dafür, einmal eine subjektive, unvollständige und sicher fehlerbehaftete Liste solcher Filme zusammenzustellen.

Ich habe nur Filme ausgewählt, die ich auch als wirklich gute Filme weiterempfehlen würde; sie sind grob in Alterstauglichkeiten zusammengefasst, die man aber nicht zu ernst nehmen sollte. Die schwierige Frage, welche Filme für welches Kindsalter passen, habe ich hier schon einmal zu beantworten versucht. Jeder Film hat eine kurze Anmerkung dabei; falls es hier im Blog eine ausführlichere Kritik gibt, habe ich sie im Filmtitel verlinkt. Ein Klick auf die werblichen amazon-Links spült ein wenig Geld in meine Kasse. ;-)

Und wenn Ihr noch Ergänzungen habt, bitte immer her damit in die Kommentare – ich freue mich über Eure Hinweise!

Ab 4 Jahren

  • Lotte und das Geheimnis der Mondsteine (amazon)
    Lotte weiß genau, dass sie diesem Geheimnis auf die Spur kommen will: mehr neugierig als abenteuerlustig.
  • Luzie der Schrecken der Straße (TV-Serie; amazon)
    Eigentlich ist es eine Mutprobe, weil Luzie in die Bande aufgenommen werden will; aber die geklaute Knetmasse entwickelt doch ein starkes Eigenleben… (Ein Klassiker.)
  • Pippi Langstrumpf (amazon)
    Die muss ich nicht näher vorstellen, oder?
  • Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (amazon)
    Der wahrscheinlich für kleine Kinder am besten geeignete Film von Hayao Miyazaki, dessen Filme allerdings fast alle mit wunderbaren, komplexen Mädchen- und Frauenfiguren aufwarten können.

Ab 6 Jahren

  • Die geheimnisvolle Minusch (amazon)
    Aus der Katze wird eine kätzische junge Dame, die zunächst etwas unterwürfig und zurückhaltend wirft, aber so ist es nicht, das Wesen der Katzen. Eine bezaubernde, phantastische Abenteuergeschichte aus den Niederlanden.
  • Lola auf der Erbse (amazon)
    Eine kindgerechte Geschichte über Illegalität und Flüchtlinge, mit nur minimal erhobenem Zeigefinger.

Ab 8 Jahren

  • Alles steht Kopf (amazon)
    Wie es zugeht im Kopf eines elfjährigen Mädchens, wunderbar von den Pixar-Studios zu visuellem Leben erweckt.
  • Ronja Räubertochter (amazon)
    Die Figur von Astrid Lindgren ist vielleicht das archetypische wilde, freie Mädchen der Kinderliteratur, und die Verfilmung wird dem mehr als gerecht.

Ab 10 Jahren

  • Chihiros Reise ins Zauberland (amazon)
    Miyazaki at his best; eine magische Reise durch eine Welt voll fremdartiger Kreaturen, in der niemand so ist, wie er oder vor allem sie zunächst erscheint.
  • Clara und das Geheimnis der Bären (amazon)
    Ein Abenteuer zwischen verschiedenen Zeiten.
  • Kletter-Ida (amazon)
    Ein Kinder-Heistmovie, extrem großartig, sehr spannend, und mit einer tollen Hauptdarstellerin.
  • Merida – Legende der Highlands (amazon)
    Merida, schottische Prinzessin, will jedenfalls nicht an irgend jemanden verheiratet werden, sondern will ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Das geht allerdings zeitweise sehr, sehr schief.

Ab 12 Jahren

  • Coraline (amazon)
    Ein wunderbarer Stop-Motion-Anmiationsfilm nach einem Buch von Neil Gaiman. Sehr gruselig, sehr beeindruckend, nichts für zarte Gemüter.
  • Die Reise ins Labyrinth (amazon)
    Toller Jim-Hensen-Fantasyfilm mit einem grandios ambivalenten David Bowie als König der Goblins und Jennifer Connelly in der Hauptrolle.
  • Maleficent – Die dunkle Fee (amazon)
    Eine Umerzählung von Dornröschen aus Sicht der bösen Fee, der Angelina Jolie beeindruckende Präsenz verleiht. Liebevoll-ambivalent.
  • Prinzessin Mononoke (amazon)
    Ebenfalls ein Miyazaki-Film aus dem Studio Ghibli, aber diesmal eine Legende, in der es schon auch mal recht blutig zugeht.

So, welche habe ich vergessen?

(Foto: Disney)