Captain Underpants – Der supertolle erste Film (2017)

Der Kinderfilm hat gegenüber dem Kino für Erwachsene den großen Vorteil, dass es ihm weniger leicht übel genommen wird, wenn er mal völlig hemmungslos in Albernheiten verfällt. Wenn er auch den vermeintlich schlichteren Humor von der Leine lässt und damit so richtig durch die Toilettentüren rappelt.

Aber auch dieser Humor will gekonnt, seine Pointen wollen gesetzt sein. Es genügt nicht, infantile Scherze aneinanderzureihen, man muss sie schon zu einem großen Ganzen knüpfen, komponieren, veredeln. Mit hinreichender Grazie vorgetragen, ist dann ein Blick ins Kindliche ein Kaleidoskop des Menschlichen; mit Liebe gefüllt, wird daraus großes Kino.

Captain Underpants ist großes Kino. Das erwartet man bei diesem Film nicht unbedingt: Die Titelfigur ist ein beleibter Superheld, der sich allein in Unterhose und Cape kleidet (diese restliche Kleidung ist einfach unbequem und engt ein!), eigentlich keine Superkräfte besitzt und wahrlich nicht das hellste Licht unterm Sternenzelt ist.

Aber der Superheld ist, wenn man es genau betrachtet, nur ein Vehikel für eine ganz andere Erzählung. Für eine Meta-Geschichte über Superhelden natürlich schon. Aber vor allem über Freundschaft, auch Mitgefühl und Menschlichkeit. Und darüber, was Einsamkeit aus uns machen kann. Lauter irgendwie ernste Themen also, die Captain Underpants aber als ausgelassene Toilettenscherzattacke inszeniert. Also ganz im Sinne seiner eigentlichen Hauptfiguren.

„Captain Underpants“ ist nämlich die selbstgemalte Comicphantasie der beiden Grundschüler Harold und George, dickste Freunde seit Kindergartenzeiten. Das Ursprungsband ihrer Freundschaft ist ein wahrhaft skatologischer Flachwitz, für die beiden eine anal-astronomische Offenbarung: Hier ist jemand, der mich versteht, diesseits aller erwachsenen Ernsthaftig- und Humorlosigkeit. Fortan verbringen die beiden ihre Nachmittage im gemeinsamen Baumhaus und machen Comics: Harold zeichnet, George schreibt die Geschichten.

Doch nun, in der Grundschule, droht den beiden Gefahr! Mr. Krupp, der Direktor ihrer Grundschule, möchte die beiden in getrennte Klassen versetzen, um ihre Freundschaft zu zerstören. Denn die beiden hecken nicht nur Comics, sondern auch zahlreiche Streiche aus, um dem trüben Alltag an der Schule zu entgehen, die dank Krupps despotischer Regierung eher einer Strafanstalt als einem Ort des freudigen Lernens gleicht.

Eher versehentlich hypnotisieren George und Harold den Schuldirektor – mit einem Schnippsen ihrer Finger wird er zu „Captain Underpants“ und zieht auch alsbald los, die Menschheit zu beschützen und einsamen Katzen zu helfen, die in Bäumen feststecken. Es geht, das darf man sagen, dabei einiges sehr, sehr lustig sehr, sehr daneben.

Die ganze Grundidee ist schlichtweg beglückend bekloppt. Natürlich nutzen Harold und George es auch aus, dass sie ihren Schuldirektor nun kontrollieren können, was zu allerlei großartigen Szenen an der Schule führt, darunter nicht zuletzt ein wahrhaft symphonisch angelegtes Pupskonzert.

Was sich in der Beschreibung aber so anhört (und im hektischen Trailer auch so aussieht) wie ein überdrehter Unterhosenwitz auf Koffein, der vermutlich bald, pardon, nur noch streng riecht, ist in der Umsetzung wesentlich subtiler. Da stecken ruhige, geradezu nachdenkliche Momente drin, die eben nicht den direkten Weg des flachesten Scherzes nehmen. Da wird eine Pointe über zwei Drittel des Films hinweg geduldig vorbereitet und hingezogen. Da wird die vierte Wand durchbrochen, werden kleine Szenen als Comics, mit Sockenpuppen oder als Daumenkino gezeigt. Und natürlich nimmt die ganze Geschichte das Superheldengenre, so sehr es sich ihm selbst als „origin story“ eines neuen Helden selbst einschreibt, ganz gehörig auf die Schippe.

Vor allem aber verbietet sich der Film allzu simple Charakterzeichnungen; jede Figur hat so ihre Ambivalenzen, hat Einsamkeit und Zurückweisung erleiden müssen und macht, so gut es geht, das Beste daraus. Oder manchmal eben auch das Böseste in Gestalt einer hypertrophen Toilette. Der Blick darauf macht Captain Underpants zu einem in letzter Konsequenz zärtlichen Film, der seine Personen, sein Sujet ebenso liebevoll ernst nimmt wie die Traditionen, auf denen er aufbaut.

Autor Dav Pilkey, auf dessen Büchern der Film beruht, hat gut daran getan, nicht der erstbesten Verfilmung zuzustimmen; nun hat Dreamworks sich mit der Verfilmung von David Soren einen großen Gefallen getan: Einen selbstbewussten, reflektierten Film voller Pupswitze.

Ein Triumph des skatologischen Humors. Eine Sinfonie der Fürze. Ein Glück.

Captain Underpants – Der supertolle erste Film (Captain Underpants: The First Epic Movie), USA 2017. Regie: David Soren, 89 Minuten. Kinostart: 12. Oktober 2017. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren.

(Fotos: 20th Century Fox/Dreamworks)

Die Pinguine aus Madagascar (2014)

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Spin-Off-Projekte sind so ein seltsames popkulturelles Phänomen: Wenn Nebenfiguren oder -handlungen eines bestehenden Films (übertragbar auf nahezu beliebige Artefakte) auf einmal seinen eigenen Streifen bekommt, das hat immer das G’schmäckle des reinen Geldverdienens, den Verdacht, da würden Fangelüste bedient, um noch mal richtig abzukassieren – aber ohne wirklich eigene Idee.

Im kommenden Jahr wird man sehen, wie sich da die niedlich-destruktiven Minions schlagen, die gelben Gehilfen von Ober-(Möchtegern-)Bösewicht Gru aus Ich, einfach unverbesserlich. Und jetzt sind es eben die niedlich-destruktiven Pinguine aus Madagascar und seinen zwei Fortsetzungen (hier meine Kritik zu Film Nr. 3). Ihre filmische Herkunft tragen sie bereits demonstrativ im Titel: Die Pinguine aus Madagascar, und es ist immer klar, dass es dabei nicht um die große Insel als Herkunftsort geht – denn gleich am Anfang gibt es die Originstory aus der Antarktis. Teile davon kann man in diesem Videoclip sehen, in dessen englischer Originalfassung Werner Herzog sich selbst auf die Schippe nimmt:

„Die Pinguine aus Madagascar (2014)“ weiterlesen

Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman (2013)

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Wenn man (wie ich) die Cartoon-Vorlage des Films nicht kennt, muss man für Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman erst einmal seine Prämisse abnehmen: Da ist dieser kleine Hund, der sich aus seinem Dasein als verwaiste Welpe durch Fleiß, Selbstmotivation und harte Studien (the American dream, baby!) zum Nobelpreisträger, mehrfachen Olympiasieger und generell Universalgenie hochgearbeitet hat, und dann adoptiert er eben auch noch einen kleinen Jungen, den er eines Tages verlassen in einem Pappkarton findet.

Um seinen Sohn historisch zu bilden, entwickelt er schnell mal eine Zeitmaschine und reist (wo unsereins in Museen für Technik und Geschichte eilt) zu George Washington, Marie Antoinette und Leonardo da Vinci. (Um Details der Raum-Zeit-Krümmung kümmert sich der Film nicht, da wollen wir sie auch einmal außer acht lassen.) Dann prügelt sich Sherman an seinem ersten Schultag mit seiner Mitschülerin Penny, sein Vater lädt die eher wenig konzilianten Eltern zum Abendessen ein (Der Gott des Gemetzels lässt grüßen), aber Sherman will Penny beweisen, dass er kein Lügner ist, und zeigt ihr das alte Ägypten. „Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman (2013)“ weiterlesen

Verlosung: Turbo

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Am kommenden Donnerstag startet Turbo (Homepage, Facebook) aus dem Hause Dreamworks (Madagascar, Kung Fu Panda) in den deutschen Kinos; er handelt von einer Schnecke, die so gerne schnell wäre, richtig schnell. Nachdem Turbo durch einen verrückten Zufall Super-Geschwindigkeit erlangt, geht sein lange unerreichbarer Traum endlich in Erfüllung: er tritt bei einem Autorennen an. Unterstützt wird er dabei von seiner Crew aus Rennschnecken, einer vorlauten Streetgang von Adrenalin-Junkies, die nicht nur durch ihre Schneckenhäuser im Racing-Stil auffallen.

Mit der freundlichen Unterstützung von Dreamworks Animation kann ich hier drei Turbo-Fanpakete verlosen, bestehend aus jeweils einem Poster, zwei Kinogutscheinen, einem Schneckenkopfschmuck und einer Armbanduhr. „Verlosung: Turbo“ weiterlesen