Podcast: Die Eiskönigin, Disney-Filme, Geschlechterrollen und Queer Readings

FROZEN

Ich habe schon wieder gepodcastet. Es ist sogar schon wieder eine ganze Woche her: Mit Bianca aka Spinatmädchen habe ich mich ausführlich über Die Eiskönigin, über Geschlechter- und andere Stereotype in Disney-Filmen sowie Queer Readings zu Elsa unterhalten. Das hat ziemlich viel Spaß gemacht, und wie immer würde ich mich sehr über Kommentare, Kritik und Anregungen freuen. Das motiviert mich nur umso mehr, weiter in Mikrofone zu sprechen.

Hier geht es zum Kinderfilmpodcast #002.

(Foto: Disney)

Vaiana (2016)

Moana / Vaiana

Es beginnt mit einem dieser poetischen Momente, für die Disneys bessere Animationsfilme bekannt, gar berühmt sind: Vaiana, die kleine Tochter des Inselchiefs, kann gerade einigermaßen unbeholfen laufen, da lockt sie das Meer mit schönen Muscheln hinaus zwischen die Wellen. Es lockt wirklich: Das Wasser zieht sich zurück, damit sie auf trockenem Boden laufen kann, und schließlich steht sie da, auf drei Seiten von Wasserwänden umgeben, dahinter gleitet majestätisch eine riesige Meeresschildkröte vorbei – und ihr kleines Jungtier, das Vaiana gerade eben noch auf dem Weg über den Strand vor hungrigen Vögeln beschützt hat.

Damit sind die Themen des Films, der Titelsong ist kaum verklungen, schon gesetzt: Vaianas Furchtlosigkeit, das Wasser, die Natur. (Ein Schelm, wer auch ein bisschen an Moses dabei denkt.) Der Rest ist dann richtig gutes Erzählkino, diesmal mit einem Abenteuer von den Meeresweiten Polynesiens.

Vaiana (ab 22. Dezember 2016 im Kino) hat mir gut gefallen. Aber. Welche Gedanken der Film in mir ausgelöst hat, habe ich für kino-zeit.de aufgeschrieben.

(Foto: Disney)

Kinderfilmpodcast #002: Über Die Eiskönigin mit Spinatmädchen

FROZEN

Für meinen zweiten Versuch in Sachen Podcast habe ich eine wunderbare Gesprächspartnerin gewinnen können: Bianca aka Spinatmädchen bloggt viel, gern und mit sehr viel Wissen über All Things Disney (nicht nur über Filme, auch über die Disney Themenparks weltweit und mehr). Außerdem macht sie was mit Medien und Marketing.

Wir haben uns ausführlich und unter verschiedenen Punkten über Die Eiskönigin (Frozen, 2013) unterhalten – Bianca hatte vor einiger Zeit einer gemeinsamen Freundin erzählt, dass sie den Film gar nicht so sehr leiden könne, weil doch seitdem schon so viele bessere Disney-Filme gemacht worden seien, und das ließ in mir die Idee entstehen, man könne sich doch mal freundlich über diesen Film, seine Vorzüge und Probleme streiten. Was wir Anfang der Woche nun getan haben.

Worüber wir gesprochen haben/Shownotes und Links:

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(Foto: Disney)

Findet Dorie (2016)

FINDING DORY

Schon wieder eine Rettungsaktion quer durch den Ozean? Schaut man nur auf die sich sanft wellende Oberfläche, wirkt der neueste Pixar-Streich Findet Dorie im ersten Moment wie ein bloßer Aufguss seines Vorgängers Findet Nemo. Einfach den Sidekick zur Hauptfigur gemacht, ein paar Actionsequenzen mehr eingebaut und fertig ist das Erfolgs-Sequel.

Aber ganz so einfach haben es sich Regisseur Andrew Stanton und seine Teammitglieder dann zum Glück doch nicht gemacht. Indem Dorie, die Palettendoktorfisch-Dame mit einem beispiellos-schlechten Gedächtnis, zur Hauptfigur wird, bekommt auch das zentrale Thema des ersten Films ganz neue Facetten. Hier wie dort geht es um Familie, Freunde und Zusammengehörigkeit: Außer Marlin und Nemo hat Dorie ja niemanden, nur eine große Sehnsucht, von der sie nicht weiß, woher sie stammt. Als nun überraschend Erinnerungen an ihre Kindheit in ihr hochkommen, macht sie sich deshalb Schwanz über Kopf auf den Weg, um ihre eigenen Eltern wiederzufinden.

Es braucht dann eine ganze Reihe glücklicher Zufälle, um die Fischdame auch nur in die Nähe ihres Heimatsortes am anderen Ende des Ozeans zu bringen, aber bei Pixar ist das Universum gnädig – und liefert ihr zudem mit dem sehr knarzigen, immer schlecht gelaunten Hank eine der witzigsten Figuren der jüngeren Kinogeschichte.

Weiterlesen: Meine vollständige Empfehlung gibt es in der heutigen Ausgabe meiner alle 14 Tage erscheinenden Familientipp-Kolumne auf filmstarts.de.

(Fotos: Disney)

Verlosung: Elliot, der Drache

PETE'S DRAGON

Schon seit 25. August läuft das ganz anders aussehende Remake des Disney-Klassikers Elliot, das Schmunzelmonster von 1977 im Kino: Elliot, der Drache – wieder als Realfilm mit nicht ganz so realem Drachen, nun allerdings in voller CGI-Pracht (ich habe ihn leider noch nicht gesehen), mit aktualisierter Handlung und Stars wie Robert Redford, Bryce Dallas Howard, Karl Urban und Oona Lawrence:

Seit Jahren erfreut Holzschnitzer Mr. Meacham die Kinder aus der Nachbarschaft mit Geschichten über einen wilden Drachen, der in den tiefen Wäldern des Pazifischen Nordwestens lebt. Für seine Tochter Grace, Försterin in der Umgebung, waren diese Geschichten nie mehr als Legenden, bis sie den zehnjährigen Jungen Pete kennenlernt, der weder Familie noch ein Zuhause hat und behauptet, zusammen mit einem gigantischen grünen Drachen namens Elliot in den Wäldern zu leben…

ELLIOT_Kappe1 Schmunzelmonster_packshot Mit etwas Verspätung kann ich zum Filmstart nun noch zwei dicke Doppelfilmpakete mit freundlicher Unterstützung von Disney verlosen – hinter jedem Gewinn verbergen sich jeweils zwei Kinotickets für Elliot, der Drache, eine Basecap zum neuen Kinofilm (siehe Bild) und eine DVD des Klassikers Elliot, das Schmunzelmonster.

Um an der Verlosung teilzunehmen, müßt Ihr nur hier im Formular Eure Daten eingeben und eine einfache Frage beantworten. Die Verlosung läuft bis einschließlich 12. September 2016. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Nur eine Teilnahme pro Haushalt!
„Verlosung: Elliot, der Drache“ weiterlesen

Das Dschungelbuch (2016)

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Ich bin ja ein Remake-Skeptiker: Warum muss es ein modernes Update geben von Filmen, die einfach, wie sie sind, ganz wunderbar sind? Vor allem Disney aber durchschreitet gerade seine große Sammlung alter Animationsfilme und sucht sich heraus, was man daraus als Realfilm neu auflegen könnte: Aschenputtel/Cinderella war nur der Anfang. (Und Maleficent ein eleganter Schritt zur Seite.)

Nun also Das Dschungelbuch. Wobei „Realfilm“ hier natürlich und womöglich der falsche Begriff ist. Denn, das gleich vorweg, der eigentliche Wert und die eigentliche Sensation in diesem Film steckt darin, dass hier die computergenerierte Welt die „reale“ Welt praktisch völlig ersetzt, und das schließt explizit alle nicht-menschlichen Lebewesen ein. Das ist natürlich irgendwie notwendig – ein „realer“ Panther ließe sich nie zu einem Verhalten bringen, wie es Bagheera hier zeigt – und irgendwie womöglich noch nicht ganz perfekt. Aber die Lebewesen in Jon Favreaus Neuverfilmung sind alle so quasi-lebendig, so weit wieder aus dem „Uncanny Valley“ der Animation herausgetreten auf die Seite des realen Bildes, dass der Begriff des „Realfilms“ hier ebenso wenig zu greifen scheint wie der des „Animationsfilm“.

Das Dschungelbuch bewohnt den Punkt einer filmischen Zeitenwende. Allein dafür ist er schon sehenswert, zumal er die computergenerierte Welt nicht allein als Basis für wilde Effekte und 3D-Spielchen nutzt. Und der Darsteller von Mowgli, der junge Neel Sethi, zeigt eine für ein Kind seines Alters umso beeindruckendere Leistung, hat er doch mehr oder minder die ganze Zeit vor Bluescreen bzw. in blauer Umwelt mit kleinen Hilfsmitteln gespielt (einen Eindruck davon vermittelt dieses Video).

Dass Sethi zugleich – in Statur wie Bewegungen – an Mowgli aus dem animierten Dschungelbuch von 1967 erinnert, schadet dem Film sicher nicht. Allerdings orientiert sich Favreau stärker am ursprünglichen Quellmaterial, den Erzählungen von Rudyard Kipling. Das ist, wenn man die Bücher nicht kennt, auch als filmische Erfahrung nicht schlecht, weil zwar viele bekannte Szenen gezeigt werden, diese aber nicht immer ausgehen wie erwartet. Es fehlen bis auf eines die bekannten Lieder weitgehend, werden oft nur durch kleine musikalische Andeutungen anzitiert. Insgesamt ist das eine Herangehensweise die zeigt, dass Favreau mit dem Vorgängerfilm respektvoll umgehen, ihn aber keinesfalls kopieren wollte.

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Und so muss man auch sagen: Das neue Dschungelbuch ist alles andere als ein Kinderfilm. Denn hier gibt es zahlreiche, sehr realistische Schreckmomente, es geht zwar nicht unbedingt explizit blutig und grausam zu, aber die dramatischen Momente sind doch stellenweise sehr intensiv, der Realismus der unechten Bilder macht die Bedrohungen und Verfolgungsjagden darüber hinaus auch noch ein ganzes Stück direkter. Ich würde ja sagen: Das ist nichts für ganz junge Zuschauer, wahrscheinlich geeignet frühestens ab 10 Jahren, für einigermaßen sensible Gemüter nicht unter 12.

Die Zuschauer werden dann überschüttet mit wirklich ausufernden, überbordenden, wunderbaren Bildern. Die Geschichte allerdings zeigt, da sie in eine quasi-reale Welt gezogen wurde, doch einige Schwächen. Das liegt nicht an Sethi und auch nicht daran, dass die Tiere bewusst nicht vermenschlicht wurden, sondern verhältnismäßig ausdrucksarme Gesichtszüge ausweisen. Sondern schlichtweg darin, dass die Konfrontation zwischen Shere Khan und den anderen Tieren sowie Mowgli dann eben doch nicht den Stoff für ein hochkomplexes Drama liefert, sondern für eine einfache Abenteuergeschichte. Das ist nie langweilig, aber eben auch nicht mehr als Unterhaltung auf hohem Grafikniveau – und über die „erwachseneren“ Bilder eine Zeitreise zurück, nach der man sich umso mehr zurücksehnt zu Wolfgang Reitherman Animationsabenteuer (das in Deutschland übrigens so heißgeliebt ist wie kaum irgendwo sonst auf der Welt – was, und das ist wirklich ein eigentümliches, einzigartiges Stück Filmgeschichte, wohl auch an der ganz besonderen Synchronisationsfassung liegt. Aber das ist eine andere Geschichte und wird anderswo erzählt).

Das Dschungelbuch (The Jungle Book), USA 2016. Regie: Jon Favreau, 106 Min. FSK 6, empfohlen ab 12 Jahren. Kinostart: 14. April 2016.

(Fotos: Disney)