Sehnsuchtsbücher auf der Leinwand

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Sie kennen das: Wenn eine Literaturverfilmung im Kino läuft, und man kennt das Buch, liebt es womöglich, dann kauft man sich nur mit großer Skepsis ein Ticket. Und ich behaupte jetzt mal: Mit Kinderfilmen ist das eigentlich noch schlimmer. Als seien alle Filme, die sich an Kinderliteratur abarbeiten, zum Scheitern verurteilt. Ich musste jüngst darüber nachdenken, weil nun gerade Der Mondmann ins Kino kam, nach einem Bilderbuch von Tomi Ungerer, aber dazu später.

War früher nicht doch alles besser? Selbst wenn ich die Filme, die ich als Kind gesehen und deshalb vermutlich inzwischen mit einer Patina aus Liebe und Nostalgie versehen habe, heute nochmal ansehe, hebelt mir das dieses Vorurteil nicht aus. Die 2010 auf die Welt erbrochene Fassung von Die Konferenz der Tiere ist jedenfalls um so viel unfassbare Längen schlechter als Curt Lindas gleichnamiger Trickfilm von 1969, man glaubt es kaum.

So beginnt meine neue, nun alle vier Wochen erscheinende Kolumne Sitzplatzerhöhung: Für’s Kind im Kino auf kino-zeit.de, die man in ganzer Länge hier lesen kann.

Der Mondmann (2012)

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Der Mondmann ist etwas einsam auf seinem Mond, und langweilig ist ihm womöglich auch. Er greift nach dem Schweif eines vorbeifliegenden Kometen und lässt sich zur Erde tragen, wo er Gerüche, Pflanzen und Tänze kennenlernt und schließlich den Erfinder Bunsen van der Dunkel. Allerdings erfährt auch der Präsident, der über die ganze Erde herrscht, von der Ankunft des Mondmannes, und eröffnet bald die Jagd auf ihn – denn da die Erde nun ganz erobert ist, bleibt als nächstes nur, wie eine Frau mit roten Haaren im einflüstert: “der Mond, der Mond”.

Es ist ein kleines Wunder und womöglich ein Wunder der Handlungsentwicklung, wie man aus einem schmalen, eher bescheidenen Bändchen wie Der Mondmann von Tomi Ungerer (amazon) einen Film von 95 Minuten machen kann; und weil die wenigen Seiten tatsächlich nicht genug Stoff hergeben, finden sich im Drehbuch von Stephan Schesch, der auch Regie führte, so allerhand andere Figuren, die zum Teil direkt (die Verführerin mit den roten Haaren), zum Teil weniger direkt aus anderen Werken des Ungerer-Kosmos entsprungen zu sein scheinen und sich hier mehr oder minder gut einfügen. (Dem Autor scheint’s gepaßt zu haben, Ungerer ist als Erzähler eingesprungen und immer wieder zu hören. Wie überhaupt illustre Namen zu den Sprecher_innen gehören: Katharina Thalbach (als Mondmann), Ulrich Tukur, Ulrich Noethen und Corinna Harfouch.) „Der Mondmann (2012)“ weiterlesen