Berlinale Generation 2017: Erste Kinderfilme angekündigt

Es ist nicht mehr lang bis zur Berlinale, die Halbzeit bei der Auswahl des Spielfilmprogramms, die in diesem Jahr vom 9. bis 19. Februar läuft, ist laut einer Pressemitteilung des Festivals erreicht. Und wie regelmäßige Leser_innen dieses Blogs wissen, ist die Berlinale eines der Festivals, auf dessen Kinder- und Jugendfilmprogramm, die Berlinale Generation, ich mich immer besonders freue. (Hier kann man sich übrigens für einen Newsletter anmelden, um das Programm der Generation sofort bei Erscheinen in der Mailbox zu haben.)

berlinale_logo Die Filmauswahl dort ist schon recht weit vorangeschritten: Für die Sektionen Kplus (die Kinderfilme) und 14plus (Jugendkino) wurden bereits 15 Langfilme bekanntgegeben. Ich habe sie für Euch hier zusammengestellt, ohne große eigene Kommentare, da ich keinen davon – die meisten laufen als Europa- oder Weltpremiere – schon habe sehen können. Die kurzen Texte stammen aus der Pressemitteilung der Berlinale; nur in wenigen Fällen habe ich kleine Anmerkungen und Links hinzugefügt. Außerdem habe ich versucht, zu den Filmen Teaser bzw. Trailer oder kurze Ausschnitte zu finden, die schon einmal ein realistischeres Bild über Form und Inhalt des Films geben – sie sind jedenfalls höchstens so fehlleitend wie die Beschreibungen des Festivals…

Habt Ihr schon Favoriten?

Generation Kplus – Kinderfilme

As duas Irenes (Two Irenes)

as-duas-irenes-2017Von Fabio Meira – Brasilien

In der flirrenden Hitze Brasiliens entdeckt die 13-jährige Irene ein dunkles Geheimnis ihres Vaters: Es existiert noch eine Familie und Tochter mit gleichem Namen. Irene beginnt ein gewagtes Spiel das jeden Moment aufzufliegen droht. Die träge sommerliche Stimmung von Fabio Meiras Langfilmdebüt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es unter der Oberfläche brodelt.


Die Häschenschule – Jagd nach dem Goldenen Ei

Von Ute von Münchow-Pohl – Deutschland
Deutscher Kinostart am 16. März 2017.

Den abgebrühten Stadthasen Max verschlägt es nach einer Flugzeughavarie in die versteckte Osterhasenschule. Dort wird das legendäre Goldene Ei bewacht, auf das es die fiesen Füchse abgesehen haben. Nach anfänglicher Langeweile wecken die geheimen Techniken der Osterhasen dann doch Max’ Neugier. Die liebevoll gezeichnete deutsche Animation, nach dem Klassiker von 1924, begeistert mit Fantasie und Tempo sowie den Stimmen von Senta Berger, Friedrich von Thun, Jule Böwe und Noah Levi.

Primero enero (January)

Von Darío Mascambroni – Argentinien

Primero enero ist das Erstlingswerk des argentinischen Filmemachers Darío Mascambroni. Das Leben des elfjährigen Valentino ist mit der Scheidung der Eltern aus den Fugen geraten und verlangt von ihm, die Welt mit anderen Augen zu sehen. In einer zärtlichen und anrührenden Vater-Sohn-Geschichte führt der Regisseur seine Protagonist*innen und das Publikum mit aufs Land und bringt ihnen hier die Qualität des sinnlichen Betrachtens näher.

Red Dog: True Blue

Von Kriv Stenders – Australien (mit Jason Isaacs und Levi Miller)

Mit einer legendären Geschichte um einen ganz besonderen Hund begeisterte der australische Regisseur schon 2011 das Generation-Publikum. Im Zentrum der Fortsetzung steht neben dem roten Hund nun auch der elfjährige Mick, dem ihre Freundschaft alles bedeutet. Das Schicksal führt sie auf einer Farm im australischen Outback zusammen, gemeinsam durchleben sie mystische Abenteuer und Micks erste Liebe. Ebenso humorvoll wie einfühlsam erzählt der Film vom Erwachsenwerden in einer Zeit des Wandels.

Richard the Stork / Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper

Von Toby Genkel, Reza Memari – Deutschland / Belgien / Luxemburg / Norwegen

Auch wenn andere ihn für einen Spatz halten – Richard selbst sieht sich als Storch. Von einem Vogel, der zur Bewährungsprobe selbstsicher die winterliche Reise nach Afrika antritt, erzählen Toby Genkel und Reza Memari in einem rasanten Abenteuer, das zugleich eine einfühlsame Geschichte von Anderssein und Selbst(er)findung ist. Die internationale Co-Produktion bezaubert mit einer fantastischen und fantasievollen Fabel auf der Höhe der Animationskunst.

Shi Tou (Stonehead)

Von Xiang Zhao – Volksrepublik China

Der zehnjährige Shi Tou, Kind eines Wanderarbeiters, wächst allein bei seiner Großmutter auf. Was ist richtig und was ist falsch? Eine Belohnung mit den Klassenkameraden zu teilen oder bis zur Rückkehr des Vaters zu warten, dem Lehrer zu gehorchen oder den Freund zu beschützen? Mit einem dokumentarisch geschärften Blick zeichnet Xiang Zhao ein Bild vom Leben im ländlichen China und einer Gesellschaft, in der nicht selten eine ganze Generation in Abwesenheit ihrer Eltern aufwächst.

Tesoros

Von María Novaro – Mexiko

Die Geschwister Dylan und Andrea begeben sich mit ihren neuen Freunden auf eine sagenhafte Entdeckungsreise und suchen nach einem jahrhundertealten Piratenschatz. In erfrischend sonnigen Bildern erzählt María Novaro, in großer Nähe zur Welt ihrer Figuren, von lebensfrohen und neugierigen Kindern. In einer Gemeinschaft an der mexikanischen Pazifikküste dürfen sie ihre eigenen Wege gehen und finden zusammen etwas viel wertvolleres als einen Goldschatz.

Generation 14plus (Jugendfilme)

Almost Heaven

Von Carol Salter – Großbritannien

Weit weg von Zuhause übt die 17-jährige Ying Ling für die Prüfung zur Bestatterin an einem der größten Begräbnisinstitute Chinas. Der Alltag dieses außergewöhnlichen Berufes birgt für Ying Ling neben Skrupeln und Abschiedszeremonien immer wieder humorvolle und lebensbejahende Momente. Carol Salters Debütfilm ist ein einfühlsames, dokumentarisches Porträt über Ängste, Freundschaft und das Erwachsenwerden in mitten von Gespenstern und Toten.

Butterfly Kisses

Von Rafael Kapelinski – Großbritannien

Jake und seine Freunde vertreiben sich die Zeit in den Höfen ihrer Hochhaussiedlung, in Billard-Hallen, reden über Mädchen, gucken Pornos und betrinken sich. Jake trägt schwer an einem düsteren Geheimnis, das ihn mehr und mehr von den anderen entfernt und in eine gefährliche Isolation treibt. Rafael Kapelinski inszeniert seinen Debütfilm in kontraststarkem Schwarz-Weiß und in respektvoller Nähe zu seinen Figuren, beeindruckend dargestellt von Neuentdeckungen und jungen Talenten (u.a. Thomas Turgoose – This Is England, Generation 2007).

Ceux qui font les révolutions à moitié n’ont fait que se creuser un tombeau (Those Who Make Revolution Halfway Only Dig Their Own Graves)

Von Mathieu Denis und Simon Lavoie – Kanada

In epischer Breite und formaler Vielgestaltigkeit folgt der Film einer Gruppe junger Menschen in Québec, die sich im Nachgang studentischer Proteste zur revolutionären Zelle formieren. Mit ihnen exerziert der schonungslose Film von Mathieu Denis (Corbo, Generation 2015) und Simon Lavoie durch, was es heute bedeuten mag, eine Revolution anzufachen und für eine Sache zu kämpfen.

Emo the Musical

Von Neil Triffett – Australien

Die verbotene High-School-Liebe zwischen Ethan, dem schüchternen Emo mit suizidalen Neigungen, und der christlichen Aktivistin Trinity begeisterte schon 2014 als Kurzfilm [hier in Gänze zu sehen] das Generation-Publikum. Regisseur Neil Triffett bringt seine herzzerreißend komische, musikalische Groteske nun in abendfüllender Länge und einer noch breiteren Riege an schillernden Figuren auf die große Leinwand.

Krolewicz Olch (The Erlprince/Der Erlkönig)

Von Kuba Czekaj – Polen

Der Erlkönig baut und bauscht sich ebenso dramatisch auf wie Goethes titelgebende Ballade. Die Grenzen zwischen Realität, Wunsch und Schein verschwimmen in diesem futuristisch anmutenden Film über einen hochbegabten Jugendlichen und seine ebenso ambitionierte wie wundersame Mutter. In seiner Form so unangepasst wie seine Figuren, changiert der Film zwischen den Polen Wissenschaft und Natur sowie Liebe und Gewalt.

Mulher do pai (Nalu on the Border)

Von Cristiane Oliveira – Brasilien / Uruguay

Nach dem Tod der Großmutter muss sich die 16-jährige Nalu allein um ihren Vater kümmern. Ihre Hoffnung das trostlose Dorf verlassen zu können, scheint nun in weite Ferne gerückt zu sein. Cristiane Oliveiras Coming-of-Age-Drama, ein langsames, auf respektvolle Nähe bedachtes Kino von subtiler Körperlichkeit, zeichnet das komplexe Bild einer Beziehung zwischen einer adoleszenten Tochter und ihrem blinden Vater.

My Entire High School Sinking into the Sea

Von Dash Shaw – USA

Er ist nicht gerade beliebt, hat Freundschaftssorgen, will mit der Schülerzeitung hoch hinaus und heißt, wie sein Erfinder, Dash. Im Keller seiner Schule entdeckt er ein Geheimnis, das seine ganze Welt ins Wanken bringt. Graphic Novelist Shaw hofft, dass sein Film 15-jährige Nerds erreicht die, genau wie er in diesem Alter, auf Zeichnungen und Malerei stehen. Der vor Einfallsreichtum übersprudelnde Animationsfilm mit den Stimmen von Jason Schwartzman, Maya Rudolph, Lena Dunham und Susan Sarandon wird nicht nur diese begeistern.

On the Road

(Eröffnungsfilm 14plus) Von Michael Winterbottom

Mit einer Sondervorführung seines sinnlichen Musikdokumentarfilms On the Road wird Michael Winterbottom das Programm von Generation 14plus im jüngst sanierten Haus der Kulturen der Welt eröffnen. In einer für Winterbottom charakteristischen Hybridität folgt der Film der Band Wolf Alice, die dort seit einigen Jahren für Furore sorgt, auf ihrer Tour quer durch Großbritannien. Einfühlsam porträtiert On the Road dabei die Ekstasen und Erschöpfungszustände eines Lebens unterwegs. Die Beziehung zwischen den Musikern und ihren Fans ist spürbar, sowohl das Konzert- als auch das Kinopublikum erlebt ein sensibles Zusammenspiel von Zuschauen und Hören.

Weirdos

Von Bruce McDonald – Kanada

Nach Ende des Vietnamkriegs und inmitten der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag der USA 1976, trampen Ausreißer Kit und seine Freundin Alice an die kanadische Ostküste. Bruce McDonald (The Tracey Fragments, Panorama 2007 [meine Kritik]) inszeniert einen Coming-of-Age-Film, der zugleich Road Movie ist und von einem fantastischen Soundtrack seiner Tage angetrieben wird. Eine rebellische Reise in Schwarz-Weiß, auf der viele Gewissheiten auf der Strecke bleiben werden.

Berlinale 2016: Siv Over Vilse (Mia schläft woanders, 2016)

Die siebenjährige Siv (oder, in der deutschen Übersetzung, Mia) ist ein wenig fasziniert von der rothaarigen Cerisia, die neu in ihre Klasse gekommen ist. Gerne lässt sie sich auf eine Übernachtung einladen; aber in Cerisias Wohnung ist alles ein wenig anders als bei ihr zuhause. Siv lebt allein mit ihrem Vater, dort ist alles vertraut und klein. Bei Cerisia sind die Wände hoch, der Flur hat viele Türen, bei den trompe-l’œil-Tapeten weiß man nicht so recht, was wirklich ist und was nicht, und dann ist da noch der Hund mit dem seltsamen Geschwür auf dem Kopf.

berlinale_logo Sivs Aufenthalt gerät in Catti Edfeldts Film von einem kleinen Abenteuer mit vagem Unwohlsein zu einer nächtlichen Traumreise, in der die Realität ein wenig aus ihren Angeln gehoben wird. Es scheint Magie im Spiel zu sein, aber sie ist nie nur in eine Richtung gestrickt: Nicht nur der Hirsch aus dem einen Gemälde hat sich aus seinem Rahmen bewegt, auch der Tiger aus dem Bild daneben. Die Meerschweinchen der Familie sind zu sprechenden, reimenden Waschbären geworden, die dauernd lügen, sich gegenseitig und Siv Quatsch erzählen.

Das ist ein Traum mit den ambivalenten Qualitäten eines echten Traumes: manchmal ein wenig bedrohlich, manchmal sehr schön und poetisch. Die Erwachsenen sind seltsame Menschen, die ungesunde Sachen essen dürfen und deshalb nachts in ihren Betten Torte verspeisen. In jedem Zimmer scheint Siv eine andere Größe zu haben, der Staubsauger ist ihr Freund, Plastik-Quietscheentchen hingegen: na, man weiß es nicht so genau. Lewis Carroll lässt schön grüßen.

Natürlich will Siv Over Vilse kein Alice im Wunderland sein – aber Edfeldt drechselt um die Geschichte eine Welt voll Phantasie, Abenteuer und Uneindeutigkeiten, die aber dennoch ein Happy-End bekommt, wenn auch eines mit Augenzwinkern. Das ist alles Tausendmal besser als übereindeutiges Kinderfernsehen.

Siv Over Vilse (Mia schläft woanders), Schweden/Niederlande 2016. Regie: Catti Edfeldt, Lena Hanno Clyne. 79 Minuten, empfohlen ab 7 Jahren. Bisher kein Kinostart.

Molly Monster – Der Kinofilm (2016)

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Molly Monster ist ein Einzelkind. Noch. Sie lebt mir ihrem Papa Popo und ihrer Mutter Etna gemütlich und glücklich in ihrer Monsterwelt: Auf dem einen Hügel schläft und spielt sie, nebenan auf den Hügeln sind Küche und schließlich elterliches Schlafzimmer verteilt. Nun hat sich aber Du-weißt-schon-was angekündigt, und Molly hat für ihren kleinen Bruder – oder ihre kleine Schwester – eine Mütze gestrackt, die das Ei warmhalten soll. Ihr bester Freund, das Aufziehspielzeug Edison, ist allerdings recht eifersüchtig …

berlinale_logo Wer Molly Monster nicht kennt, zum Beispiel vom Sandmännchen her, soll sich nicht grämen, sondern sollte sich eher ein paar Kinder zulegen – oder heimlich ein paar Folgen der Zeichentrickserie ansehen, die erfreuen auch das Elternherz. Für den Kinofilm Molly Monster haben sich nun die Regisseure Ted Sieger (von dem die Figur ursprünglich stammt), Michael Ekbladh und Matthias Bruhn eine etwas umfangreichere Handlung (Drehbuch: John Chambers) vorgenommen, diese aber auch nicht über sehr vorschulkindertaugliche siebzig Minuten hinweg ausgewalzt. Das ist wohltuend straff in eng miteinander verwobenen Episoden erzählt und zugleich so locker gestrickt, pardon: gestrackt, dass es die Aufmerksamkeitsspanne auch jüngerer Zuschauerinnen und Zuschauer nicht überfordert.

Weiterlesen: Meine ausführliche Besprechung dieses wunderbaren Animationsfilms ist im Berlinale-Blog von kino-zeit.de erschienen.

Ted Sieger’s Molly Monster läuft im Rahmen der Berlinale Generation am Mittwoch (17.02.2016) um 10.00 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain.

Berlinale 2016: Ente gut! Mädchen allein zu Haus (2016)

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Es lebt sich, diesen Eindruck könnte man haben, eher dysfunktional in Halle-Neustadt. Pauline (Lisa Bahati Wihstutz), elf Jahre alt, wird wegen ihrer roten Haare in der Schule gehänselt – und zugleich klaut man ihre Hausaufgaben, schließlich ist sie nicht nur eine gute Schülerin, sondern auch fleißig. Aus Einsamkeit und Langeweile beobachtet sie abends mit dem Fernrohr die Familien im Hochhaus nebenan und macht sich Notizen: Die eine Frau isst schon wieder fette Ente vom Asia-Imbiss, die andere streitet mit ihrem Mann…

berlinale_logo Als ihr auffällt, dass die Mutter von Linh (Lynn Dortschack) und Tien (Linda Phuong Anh Dang) verreist ist und die beiden Mädchen allein zuhause gelassen hat – die Großmutter der Kinder in Vietnam ist krank geworden – verlangt sie von den beiden Geld, sonst werde sie ihnen das Jugendamt auf den Hals schicken. Aus der versuchten Erpressung wird dann aber eine Freundschaft, die einige Male auf eine harte Probe gestellt wird: Zuerst verschwindet Geld aus Linhs Wohnung, dann gibt es Ärger mit der Schule und schließlich auch mit dem Jugendamt…

Weiterlesen: Meine Kritik zu Ente gut! Mädchen allein zu Haus ist im Berlinale-Blog von kino-zeit.de erschienen.

Ente gut! Mädchen allein zu Haus läuft am Dienstag (16.02.) um 15.30 Uhr und am Sonntag (21.02.) um 10.00 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain sowie am Donnerstag (18.02.) um 17.30 Uhr im CinemaxX.

(Foto: Berlinale)

Berlinale 2016: Born To Dance (2015)

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Tanz im Film ist – jenseits klassischer Walzermelodien – fast immer eine Geste des Aufbegehrens oder wenigstens jugendlicher Selbstbehauptung. Da geht es, von Step Up bis Footloose, um so viel: Positionen in der sozialen Hackordnung (der Tänzer, aber auch der Welt), die eigene Peergroup (etwa in Form der eigenen Hip-Hop-Crew, die gegen andere antritt), die Erwartungen von Eltern und Gesellschaft.

berlinale_logo Born To Dance folgt den im Hip-Hop-Tanzfilm-Universum zentralen Elementen und Topoi; aber ähnlich wie das britische Pendant StreetDance 3D holt er nicht zu ganz großen Gesten aus (was vor allem amerikanische Filme des Genres oft auszeichnet), sondern bezieht seine Stärken und Themen aus dem Lokalen, in diesem Fall: Neuseeland mit seinen sozialen wie ethnischen Spannungen.

Weiterlesen: Meine vollständige Kritik von Born To Dance ist im Berlinale-Blog von kino-zeit.de erschienen.

Born to Dance ist im Jugendprogramm der Berlinale zu sehen (Generation 14plus) und läuft am Sa 13.02. 17:00 im HKW, So 14.02. 15:30 im Cubix 8, Mo 15.02. 16:30 im CinemaxX 3, Di 16.02. 11:30 im HAU Hebbel am Ufer (HAU1) (Berlinale Talents Film Screening mit Q&A), So 21.02. 15:30 im Zoo Palast 1.

(Fotos: Berlinale)

Kinderfilme auf der Berlinale 2016

Vom 11. bis 21. Februar 2016 breitet sich in Berlin wieder die Berlinale über die Kinolandschaft und -freund_innen aus – wie ein kratziger, von Eiswinden durchzogener Teppich der harten cineastischen Glückseligkeit. Naja, und viele werden wahrscheinlich kommen, weil sie hoffen, die Jurypräsidentin Meryl Streep zu Gesicht zu bekommen. Auch gut.

berlinale_logo Auch im diesjährigen Programm gibt es wieder – in der Sektion “Generation”, Abteilung “Kplus” – einige Kinderfilme zu sehen, von denen viele viel versprechen. Es gibt zahlreiche Weltpremieren zu sehen (bei denen man also vorher nicht so recht weiß, was auf die Zuschauer_innen zukommt) und ein paar spannende neue Produktionen auch aus Deutschland.

Ich habe hier einmal kurz die Filme zusammengestragen, mit den vom Festival vorbereiteten Inhaltsangaben und Hintergrundinfos – sowie zudem, soweit auffindbar, zu jedem Film den Trailer oder sonst ein Video. (Nicht alle sind auf Deutsch oder Englisch, aber so ist das bei einem so wunderbar bunt internationalen Programm wie bei der Berlinale.) Weltpremiere (WP): Erste offizielle Aufführung des Films weltweit. Internationale Premiere (IP): Erste offizielle Aufführung des Films außerhalb seines Produktionslandes. Europäische bzw. Deutsche Premiere (EP bzw. DP): Erste Aufführung in Europa bzw. in Deutschland.

Einige Filme werde ich vor Festivalbeginn sehen können und hoffe, dass ich möglichst viele hier (wenigstens kurz) besprechen kann (vor allem eine Frage der Zeit, zwischen Erwerbsarbeit und Familie).

ENTE GUT! Mädchen allein zu Haus

Von Norbert Lechner – Deutschland, Weltpremiere

Weil ihre Mutter zurück nach Vietnam musste, kümmert sich die elfjährige Linh alleine um ihre kleine Schwester und den Imbiss. Niemand darf davon wissen, aber der gleichaltrigen Pauline aus dem Nachbarhaus entgeht nichts. Wird die selbst ernannte „Spionin“ die Schwestern auffliegen lassen?

Genç Pehlivanlar (Young Wrestlers)

Von Mete Gümürhan – Türkei/Niederlande, Weltpremiere

Leben, lernen und leiden: Für ihren Traum vom Ringen nehmen die 26 Jungen des Sportinternats in der türkischen Provinz Amasya viel auf sich. Der Dokumentarfilm folgt hautnah, aber unaufdringlich ihrem Alltag zwischen Kameradschaft und Konkurrenz.

Jamais contente

Von Emilie Deleuze – Frankreich, Weltpremiere

Aurore hat zwar nicht die besten Noten, aber doof ist sie nicht. Ziemlich scharfsinnig beobachtet und kommentiert sie ihr Umfeld – ihre Eltern, die Jungs, ihren Französischlehrer und sich selbst. Mit trotziger Sturheit testet Aurore ihre Grenzen aus und findet dabei heraus, dass die Musik ein Ventil und sie letztlich doch nicht „frigide“ ist. Der Film basiert auf der erfolgreichen französischen Jugendbuchtrilogie „Le Journal d’Aurore“. Mit Catherine Hiegel, Alex Lutz.

Little Men

Von Ira Sachs – USA, Internationale Premiere

Schnell werden Tony und Jake, der neu in der Brooklyner Nachbarschaft ist, zu besten Freunden. Empathisch und zugleich mit einem feinen Gespür für soziale Dissonanzen erzählt Regisseur Ira Sachs (Teddy-Award-Gewinner Berlinale Panorama 2012: Keep the Lights On) von einer jungen Freundschaft im Konflikt mit der Logik einer erwachsenen Welt. Little Men wird auch im Panorama präsentiert. Mit Jennifer Ehle, Greg Kinnear, Alfred Molina.

Mavi Bisiklet (Blue Bicycle)

Von Ümit Köreken – Türkei/Deutschland, Weltpremiere

Der zwölfjährige Ali lebt in kargen Verhältnissen in der anatolischen Provinz. Sein mühsam verdientes Geld spart er für seinen größten Traum: ein nagelneues, blaues Fahrrad. Als seiner heimlichen Liebe Elif in der Schule eine große Ungerechtigkeit widerfährt, nimmt Ali den engagierten Kampf für die Demokratie und gegen ein festgefahrenes System auf.

Ottaal (The Trap)

Von Jayaraj Rajashekaran Nair – Indien, Europäische Premiere

Das paradiesisch anmutende Leben des achtjährigen Kuttappayi wird getrübt vom Verlust der Eltern. In eindringlich schöner Natur lebt, fischt und lacht er nun mit seinem Großvater, dem Entenhirten. In die Zukunft blickt der Junge mit hoffnungsvollen Träumen und ahnt nicht, dass er bald das Schicksal vieler Millionen Kinder weltweit teilen wird, die heutzutage zu Kinderarbeit gezwungen werden.

Rara

Von Pepa San Martín – Chile/Argentinien, Weltpremiere

Jungs interessant finden, Jungs doof finden, der besten Freundin ganz nahe sein und vor ihr Geheimnisse haben, Sorgen in der Schule und die nervigen Eltern: Die Probleme einer 13-Jährigen. Das alles hat für Sara nichts damit zu tun, dass ihre Mutter mit einer Frau zusammenlebt. Ihr Vater sieht das anders. DAAD-Kurzfilmpreis-Gewinnerin Pepa San Martín (Berlinale Shorts 2011: La Ducha) inszeniert ihr Langfilmdebüt nach einem chilenischen Sorgerechtsfall.

Rauf

Von Barış Kaya, Soner Caner – Türkei, Weltpremiere

Mit der Farbe Pink hofft der Junge Rauf seine heimliche große Liebe, die ältere Zana, zu gewinnen. Aber wie sieht Pink eigentlich aus und ist die Farbe überhaupt in einem verschneiten, kurdischen Bergdorf zu finden? Aus der Erwachsenenwelt schwappen indessen unklar düstere Nachrichten herüber.

Siv sover vilse (Siv Sleeps Astray)

Von Catti Edfeldt, Lena Hanno Clyne – Schweden / Niederlande, Weltpremiere

Die kleine Siv (Astrid Lövgren) soll bei Cerisia (Lilly Brown) übernachten, doch je später der Abend, desto merkwürdiger erscheinen die Dinge im schrägen Zuhause ihrer neuen Freundin. Eine originelle Verfilmung von Pija Lindenbaums Kinderbuch „Mia schläft woanders“.

Solan og Ludvig – Herfra til Flåklypa (Louis & Nolan – The Big Cheeserace)

Von Rasmus Sivertsen – Norwegen, Internationale Premiere

Für den frechen Elster-Jungen Solan geht es beim Käserennen um weit mehr als die Ehre. Siegessicher und mit viel Einfallsreichtum geht er mit seinen beiden Mitstreitern an den Start. Aber das ausgebuffte Gegnerteam aus dem verfeindeten Nachbardorf kämpft mit harten Bandagen. Turbulent und mit viel Humor erzählt diese liebevoll umgesetzte Knet-Animation, dass es nicht immer ums Gewinnen geht.

Ted Sieger’s Molly Monster – Der Kinofilm

Von Ted Sieger, Matthias Bruhn, Michael Ekbladh – Deutschland / Schweiz / Schweden, Weltpremiere

Helle Aufregung im Monsterland: Die kleine Monsterin Molly soll ein Geschwisterchen bekommen. Bevor dieses endlich aus dem Ei schlüpft, müssen Molly und ihr bester Freund Edison einige Abenteuer bestehen. Bunter Animationsspaß für die Kleinsten im Kinoformat nach der beliebten Fernsehserie „Die kleine Monsterin“.


(Trailer auf Schweitzerdeutsch)

Woorideul (The World of Us)

Von Yoon Ga-eun – Republik Korea, Weltpremiere

Alleine unterwegs in den sommerlichen Gassen knüpfen die beiden zehnjährigen Sun und Jia ein Band zärtlicher Freundschaft. Die turbulente soziale Dynamik ihrer Schulklasse droht es wieder zu zerreißen. Gläserner-Bär-Gewinnerin Ga-eun Yoon (Berlinale Generation Kplus 2014: Sprout) kehrt mit einem Debüt zurück, das in leisen Tönen eindringlich das Erleben eines zarten jungen Mädchens schildert und dabei zu großer Kunst findet.

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Von Marta Minorowicz – Deutschland / Polen, Weltpremiere

In der kargen Steppe der Mongolei trainiert der elfjährige Sukhbat hart für den Sieg beim Pferderennen und hofft auf väterliche Anerkennung. In weiten Landschaftsbildern und einer dokumentarisch anmutenden Sprache erzählt der Film die Geschichte einer nomadischen Kindheit.

Kurzfilme Generation Kplus

Aurelia y Pedro (Aurelia and Pedro), Mexiko, von Omar Robles, José Permar – WP
Cats & Dogs, Schweiz/Deutschland, von Gerd Gockell, Jesús Pérez – IP
Chopping Onions, USA, von Adinah Dancyger – EP
El inicio de Fabrizio (Fabrizio’s Initiation), Argentinien, von Mariano Biasin – IP
En la azotea (On the Roof), Spanien, Damià Serra Cauchetiez – IP
Kill Your Dinner, Australien, von Bryn Chainey – WP
Le renard minuscule (The Teeny-Weeny Fox), Frankreich/Schweiz/Belgien, von Aline Quertain, Sylwia Szkiladz – IP
Lili, Dänemark/Großbritannien, von Siri Melchior – WP
Little Doll, Irland, von Kate Dolan – WP
Neiwa, Mexiko, von Abraham Cruz Herrera, Javier Vázquez Cervantes – WP
Nina, Belgien, von Emmanuel Elliah, Maria Körkel – WP
Ninnoc, Niederlande, von Niki Padidar – IP
Semele, USA/Zypern, von Myrsini Aristidou – EP
Simon’s Cat ‘Off to the Vet’, Großbritannien, von Simon Tofield – IP
Skatekeet, Niederlande, von Edward Cook – IP
Take Your Partners, Großbritannien, von Siri Rodnes –WP
The Boyfried Game, Australien, von Alice Englert – EP
Zeezucht (Jonas and the Sea), Niederlande, von Marlies van der Wel – EP