Der wunderbare Wiplala (2014)

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Von den Qualitäten der niederländischen Filmproduktion bekommt man hierzulande für gewöhnlich nicht sonderlich viel mit, selbst wenn immer mal wieder ganz herausragende Filme aus dem kleinen Land am Meer kommen. Besonders bemerkenswert ist dabei der kontinuierliche Ausstoß von sehenswerten Kinder- und Jugendfilmen: leichtfüßige, alberne Komödien, kleine Abenteuerfilme, nachdenkliche Dramen – in den allermeisten Fällen auf Augenhöhe mit den jungen Zuschauern, ohne jemals herablassend zu wirken, wie das bei vergleichbaren deutschen Produktionen leider viel zu oft der Fall ist.

Dass Der wunderbare Wiplala in Deutschland nun direkt auf DVD erscheint, liegt wohl vor allem daran, dass der zugrundeliegende Kinderbuchklassiker von Annie M.G. Schmidt hierzulande nicht so bekannt ist. Die von Regisseur Tim Oliehoek inszenierte Geschichte von dem kleinen Wiplala, der „tinkeln“ (manche Leute würden es unpräzise mit „zaubern“ übersetzen) kann, hätte allerdings definitiv das Format für eine Kinoauswertung gehabt.

Warum das so ist, erkläre ich in der heutigen Ausgabe meiner Kolumne “Familienfilmtipp” auf filmstarts.de.

(Fotos: EuroVideo)

Die geheimnisvolle Minusch (2001)

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Eine spannende Kriminalgeschichte so zu erzählen, dass sie Kindern keine Angst macht, aber trotzdem noch spannend bleibt, ist gar nicht so einfach. Astrid Lindgren hat das zum Beispiel mit Kalle Blomquist vorgeführt, immer dicht an der kindlichen Perspektive und mit Straftaten wie Übeltätern, die nie zu bedrohlich werden.

Die geheimnisvolle Minusch geht einen etwas anderen Weg: Die Geschichte strahlt vor kleinen magischen Momenten und dampft zugleich die Welt ein auf die Größe eines sympathischen kleinen Städtchens in den Niederlanden. In Killendoorn kennt man sich, es ist eigentlich alles ganz unaufgeregt – aber hinter der Fassade brodelt es natürlich dennoch. Der Nachwuchsjournalist Tibbe freilich ist eigentlich viel zu schüchtern, um jemals hinter solche Dinge zu kommen. Schreiben kann er zwar, aber traut sich kaum, Fragen zu stellen – oder lässt sich von kaltschnäuzigeren Kollegen zur Seite drängen. Dann taucht auf einmal Minusch auf, eine junge Dame, die gerne Fisch ist, sich vorzugsweise über Hausdächer bewegt und nach jedem Zusammentreffen mit Hunden meist ein wenig verzweifelt auf einem Baum sitzt. Im Tausch gegen Kost und Logis in seiner kleinen Wohnung berichtet sie ihm die neuesten Geheimnisse der Stadt. Denn Minusch (Carice van Houten) ist eigentlich eine Katze, die durch einen Unfall menschliche Gestalt angenommen hat – und von ihren Mitkatzen erfährt sie dann auch ein durchaus bedrohliches Geheimnis…

Ich habe Die geheimnisvolle Minusch hier bereits vor einem Jahr einmal sehr gepriesen. Nun ist der Film endlich auf DVD erschienen (dringende Kaufempfehlung!), und zu diesem Anlass habe ich ihn noch einmal ausführlich auf filmstarts.de vorgestellt.

Die geheimnisvolle Minusch (Minoes), Niederlande 2001, Regie: Vincent Bal, 86 Min. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Erhältlich auf DVD und Blu-ray.

(Fotos: Lighthouse Entertainment)

Filmblog-Adventskalender: Türchen Numero Acht

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Alexander Matzkeit hat in diesem Jahr wieder einen Filmblog-Adventskalender organisiert, eine wunderbare Sache: “24 Tage, 24 Blogger_innen, 24 Geschenkideen”. Eine Geschenkidee muss also her, und das setzt mich ein wenig unter Druck, denn ich mag zu diesem Anlass eigentlich nicht jene Filme empfehlen, die ich schon das ganze Jahr über preise. Vergangenes Jahr habe ich mich aus diesem Dilemma in die Literatur geflüchtet, aber diesmal empfehle ich (in Kürze) einen Film, den ich eigentlich schon länger einmal ausführlicher lobpreisen wollte: Die geheimnisvolle Minusch.

Gesehen habe ich den Film das erste Mal, wenn meine Erinnerung nicht trügt, auf der Berlinale (das müsste dann 2002 gewesen sein), Vincent Bal, der vor zwei Jahren auch noch den ziemlich großartigen Nono, het Zigzag Kind gemacht hat, hat das Kinderbuch von Annie M. G. Schmidt flott, ein wenig träumerisch und märchenhaft inszeniert.

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Minusch schläft tagsüber, nachts unterhält sie sich auf den Dächern mit den Katzen – nicht unbedingt das, was eine junge, anscheinend etwas schreckhafte Dame sonst tun würde. So ist der äußerst schüchterne Kleinstadtreporter Tibbe auch fasziniert von ihr. Da sie ihn bald mit lauter interessanten Geschichten aus der Stadt versorgt, die sie von ihren felinen Freundinnen erfährt, mag er sie auch beruflich bald nicht mehr missen. Und dann kommt er dank Minusch einer wilden Story auf die Spur…

Carice van Houten (auch hierzulande viel zu unbekannt) spielt die junge Frau, die früher mal eine Katze war, mit Grazie und sehr kätzischer Gestik, immer einen hauch zu formal gekleidet, zugleich verbreitet ihr durch ihre Katzeninstinkte erratisches Verhalten gelegentlich höchst anarchisches Chaos. Die bezaubernde kleine Komödie bleibt so stets ein Abenteuer in kindlichen Dimensionen und ist zugleich ein spannender Krimi um Umweltzerstörung und Politik. Leider ist der Film lange nicht mehr neu aufgelegt worden, so dass es keine Blu-rays von Die geheimnisvolle Minusch gibt und auch die DVDs nicht mehr so leicht zu bekommen sind.

Aber das sollte niemanden abhalten: ein wunderbares kleines Weihnachtsgeschenk.

Die geheimnisvolle Minusch (Minoes), Niederlande 2001, Regie: Vincent Bal, 86 Min. FSK 0, empfohlen ab 7 Jahren. Erhältlich auf DVD.

(Foto: Warner Bros.)