Zoomania (2016)

Judy Hopps ist keine gewöhnliche Häsin. Zwar stammt sie – wie die meisten Hasen – aus einer Familie von Karottenfarmern, aber statt in die Pfotenstapfen ihrer Eltern zu hüpfen, schließt sie als Jahrgangsbeste die Polizeiakademie ab und tritt anschließend als erstes Nagetier überhaupt den Dienst im zentralen Polizeirevier der Hauptstadt Zoomania an: Judy wird von den Medien und vom Bürgermeisteramt zum Vorbild für zukünftige Aspiranten gekürt, aber damit fangen die eigentlichen Probleme erst an…

Es gibt in Disneys Zoomania eine Menge Dinge, die an unsere heutige Gegenwart erinnern – Handys, Kameraüberwachung, Förderung von Minderheiten. Nur sind eben alle Figuren Tiere: Pflanzenfresser und Raubtiere leben in der titelgebenden Metropole friedlich und zivilisiert miteinander – und der Kinobesuch lohnt sich allein schon wegen der zahllosen visuellen Gags, die die praktischen Herausforderungen etwa des Nebeneinanderlebens von Tropentieren und Eisbären behandeln. Bereits die Zugfahrt, mit der das Landei Judy am Anfang in die große Stadt kommt, eröffnet ein atemberaubendes Tierreich-Panorama – und dieses Glücksgefühl wiederholt sich später bei vielen kreativen Details (etwa eine Verfolgungsjagd durch „Little Rodentia“, das Miniaturviertel für kleine Nagetiere).

Meine vollständige Empfehlung für Zootopia findet sich auf filmstarts.de.

(Es wird niemanden überraschen, aber die Faultiere sind bei den Kindern natürlich der Hit.)

Zoomania (Zootopia), USA 2016. Regie: Byron Howard und Rich Moore, 108 Min. FSK 0 (Empfehlung: ab 7 Jahren), Kinostart: 3. März 2016.

(Fotos: Disney)

Molly Monster – Der Kinofilm (2016)

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Molly Monster ist ein Einzelkind. Noch. Sie lebt mir ihrem Papa Popo und ihrer Mutter Etna gemütlich und glücklich in ihrer Monsterwelt: Auf dem einen Hügel schläft und spielt sie, nebenan auf den Hügeln sind Küche und schließlich elterliches Schlafzimmer verteilt. Nun hat sich aber Du-weißt-schon-was angekündigt, und Molly hat für ihren kleinen Bruder – oder ihre kleine Schwester – eine Mütze gestrackt, die das Ei warmhalten soll. Ihr bester Freund, das Aufziehspielzeug Edison, ist allerdings recht eifersüchtig …

berlinale_logo Wer Molly Monster nicht kennt, zum Beispiel vom Sandmännchen her, soll sich nicht grämen, sondern sollte sich eher ein paar Kinder zulegen – oder heimlich ein paar Folgen der Zeichentrickserie ansehen, die erfreuen auch das Elternherz. Für den Kinofilm Molly Monster haben sich nun die Regisseure Ted Sieger (von dem die Figur ursprünglich stammt), Michael Ekbladh und Matthias Bruhn eine etwas umfangreichere Handlung (Drehbuch: John Chambers) vorgenommen, diese aber auch nicht über sehr vorschulkindertaugliche siebzig Minuten hinweg ausgewalzt. Das ist wohltuend straff in eng miteinander verwobenen Episoden erzählt und zugleich so locker gestrickt, pardon: gestrackt, dass es die Aufmerksamkeitsspanne auch jüngerer Zuschauerinnen und Zuschauer nicht überfordert.

Weiterlesen: Meine ausführliche Besprechung dieses wunderbaren Animationsfilms ist im Berlinale-Blog von kino-zeit.de erschienen.

Ted Sieger’s Molly Monster läuft im Rahmen der Berlinale Generation am Mittwoch (17.02.2016) um 10.00 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain.

Die Winzlinge – Operation Zuckerdose (2013)

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Das Leben der Insekten ist ja vermeintlich schlicht: Schlüpfen, Summen, Surren, Futtern, Paaren, Schluss. Dabei gibt es da noch so viel mehr zu entdecken! Etwa die Eifersucht eines kleinen Käfers auf den baldigen Nachwuchs seiner Eltern. Das turbulente Wettrennen zwischen Marienkäfer und Schmeißfliegen. Die aufregende Reise einer Spinne auf einem verlassenen rosa Luftballon… All das und noch mehr gibt es in der kleinen, aber sehr feinen französische Animationsreihe Minuscule (hier auf DVD erhältlich) mit ihren bezaubernden Miniaturen (mehr als 70 Stück, die bei uns zu Hause oft als filmisches Betthupferl dienen): Die stets nur wenige Minuten langen Kurzfilme vermischen reale Kameraaufnahmen von Wiesen, Wäldern und anderen Orten mit animierten Insekten. Irgendwie lebensnah wirken diese und doch märchenhaft, meist mit großen Augen und milde an menschliche Gesichter erinnernden Zügen.

Für die Kinofilm-Version Die Winzlinge – Operation Zuckerdose nehmen die Macher Hélène Giraud und Thomas Szabo nun diese Elemente, sammeln einige der bekannten Protagonisten ein und stürmen mit ihnen in gänzlich unbekannte Gefilde: Denn statt kurzer Momentaufnahmen liefert der Film eine durchgehende Story – ganz ohne Worte, aber in jedem Moment verständlich, voll Action und Bewegung. Los geht es beim Picknick eines jungen Menschenpaares. Sie ist sichtbar schwanger, dann hält sie sich den Bauch und hat es auf einmal sehr eilig. Auf der Wiese bleibt ein Teil des Picknicks zurück, und schon bald räumen die unterschiedlichsten Tiere ab, was noch an Essbarem zu holen ist. Ein Trupp schwarzer Waldameisen interessiert sich besonders für den Metallkasten voller Zuckerwürfel, nimmt beim Transport des Kästchens aber – eher versehentlich – auch noch einen kleinen Marienkäfer erst mit und dann unter seine Fittiche. Allerdings sind auch räuberische rote Ameisen scharf auf den nahrhaften Schatz und unternehmen bald alles, um ihn ganz für sich zu haben…

Meine vollständige Besprechung des Animationsfilms ist als “Familienfilmtipp zum Wochenende” auf filmstarts.de erschienen.

Anmerkung fürs Heimkino: Der Film Die Winzlinge – Operation Zuckerdose ist als Originalfassung mit dem Titel Minuscule – la vallée des fourmis perdues bereits in Frankreich als DVD erschienen. Da der Film ohne gesprochene Worte auskommt, ist es natürlich überhaupt keine Problem, diese Version bereits jetzt als Importfassung auf DVD zu erwerben. Im Kino ist’s allerdings schöner!

(Fotos: Pandahouse/Tobis)

Arlo & Spot (2015)

THE GOOD DINOSAUR

Es hat sich ja ein wenig die Erwartung eingebürgert, dass die Pixar-Studios eigentlich keine schlechten Filme machen können. Wenn man mit einer gewissen Gnade den meiner Meinung nach eher unsäglichen Cars vergessen mag (der aber natürlich gleichwohl nicht nur ein Kassenschlager war, sondern allein aufgrund seiner Merchandising-Einnahmen wahrscheinlich heute noch eine der Cash Cows von Pixar sein dürfte), dann stimmt das in der Filmographie bisher auch.

Tja. Mit Arlo & Spot (The Good Dinosaur) hat diese Erfolgsgeschichte einen Knacks bekommen, denn der Film über einen kleinen Dinosaurier und sein menschliches Haustier ist vor allem eines nicht: originell. Sondern vor allem: weitgehend fad.

Die Prämisse ist relativ einfach und sympathisch: Der Meteor, der seinerzeit das Aussterben der Dinosaurier in Gang setzte, hat die Erde um eine Handvoll Tausend Kilometer verfehlt, so dass sich die Tiere nun, viele Millionen Jahre später, sogar die Erde mit den ersten Menschen teilen. Allerdings haben sich die Dinos sehr viel weiter entwickelt: Die Pflanzenfresser bauen selbst Getreide an, die Fleischfresser hegen ihre Rinderherden. Man stelle sich das Ganze vor typisch amerikanischen Gebirgszügen vor und hat, na klar: einen Western. Und in der Tat sind es die besten (und lustigsten) Szenen in Arlo & Spot, wenn sich der Film ganz und gar diesem Genrespiel hingibt und eine Horde treusorgender Tyrannosaurier am Lagerfeuer derbe Witze reißen lässt.

Überhaupt die Natur: Arlo & Spot hat die photorealistischsten Bilder, die Pixar jemals auf die Leinwand gezaubert hat: Wasser, Landschaften, Pflanzen, Stürme – das ist stellenweise atemberaubend schön. Aber es ist natürlich immer nur computergeneriert, und die oftmals auf Niedlichkeit zielende, fast immer übertrieben wirkende Stilisierung der Dinosaurier passt dann zu den Naturbildern gar nicht mehr so recht dazu. Die Figuren wirken wie Fremdkörper in ihrer eigenen Welt.

Und manche Szenen wirken wie Fremdkörper in dieser sehr klassisch-disneyhaft „familientauglichen“ Geschichte: Arlos Vater kommt nämlich bei einem Unfall ums Leben, und diese Momente – ebenso wie eine kleine Handvoll anderer – sind im Vergleich zum restlichen Film unfassbar bedrohlich, geradezu traumatisch.

Ansonsten ist das eine Coming-of-Age-Geschichte als Road und Buddy Movie: Arlo macht sich mit vielen Umwegen auf den Weg nach Hause, trifft irgendwann auf Spot – ein verwaistes Menschenjunges in vorsprachlichen Zeiten, dass sich wie ein Hund verhält, inklusive jaulen, Idefix-artigem Kratzen (hinterm Ohr, mit dem Fuß) und, ja doch, anheulen des Vollmonds. Und die Reise führt an guten wie schlechten Erfahrungen und Wesen vorbei, bis er am Schluss, gewachsen und gereift, zurückkehren kann – und seine Mutter ihn zunächst, aus der Ferne, für seinen Vater hält. So wie der es vorher gesagt hatte: „Du bist wie ich, und mehr“. Da wand ich mich schon recht vor Schmalz und Fremdscham.

Der noch positive Blick auf diese Geschichte ist, dass der Film mit seiner bewegten Produktionsgeschichte – irgendwann steckte man in einer Sackgasse, Regisseur und Sprecher wurden nahezu komplett ausgewechselt, das Skript überarbeitet – vielleicht nicht besser werden konnte. Aber die Wahrheit ist eben auch, dass Pixar zum ersten Mal mit seinen Figuren nichts Originelles eingefallen ist – also gibt es trotz einiger sehr effektiv die Tränendrüsen unter Druck setzenden Szenen nichts, was über das schlichte 08/15-Einmaleins des Familienfilms in irgendeiner Art hinausweisen würde.

Dabei gibt es so ein paar Momente und Figuren, in denen der sonstige Ideenreichtum und auch der Wagemut dieses Studios durchscheinen. Etwa in der Tyrannosaurus-Familie mit ihrem Cowboy-Dasein; oder der großartige, völlig neurotische Dinosaurier, der zahlreiche kleine Wesen – Vögel, Echsen usw. – um sich schart, die ihn vor der Welt und seinem eigenen Übermut schützen sollen. („Er schützt mich vor unrealistischen Träumen.“)

Diese Figur ist keine fünf Minuten im Film – und an sie, ihre Geschichte, Sorgen und Erlebnisse, hätte ich wirklich eine ganze Menge Fragen. Die Hauptfiguren allerdings, Arlo und sein Schoßmensch Spot, interessieren mich nicht wirklich. Schade.

(Wegen der Angstszenen nicht für Kinder unter 8 Jahren geeignet, evtl. sogar erst für ältere. Kinder mit enzyklopädisch-neurotischem Dinosaurierwissen werden ob der wenig originalgetreuen Präsentation der Dinosaurier eher enttäuscht sein.)

Arlo & Spot (The Good Dinosaur), USA 2015. Regie: Peter Sohn, 94 Min. FSK 6, Kinostart: 26. November 2014.

(Fotos: Disney/Pixar)

Rodencia und der Zahn der Prinzessin (2012)

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Ich möchte mehr Mäuse erleben, die so treffend nach Käsesorten benannt sind! Der kleine Edam ist ein wenig Herr Jedermaus, ein bisschen ängstlich, aber nach Großem schielend, immer wieder angetrieben und heimlich geliebt von seiner Freundin Brie, etwas wilder und mit einem Kern, der sich von außen nur erahnen lässt… Roquefort und Gruyère sind die stärksten Käse, Quatsch: Mäuse des Königreichs, während der alte Blue, gut gereift, Zauberkräfte hat, die einem die Schuhe ausziehen können…

Nun machen die Namen natürlich noch keinen guten Film, aber David Bisbano setzt in Rodencia und der Zahn der Prinzessin zumindest schon einmal die richtigen Zeichen. Mag es die Animation des Films an technischer Qualität und Finesse auch nicht mit den großen Studios aus den USA aufnehmen können, so will der südamerikanische Film stattdessen seine gelegentlich flächigen Bilder und unbeholfenen Darstellungen durch andere Qualitäten wettmachen.

Weiterlesen: Meine ausführliche Besprechung von Rodencia und der Zahn der Prinzessin ist auf kino-zeit.de erschienen.

(Foto: Ascot Elite Home Entertainment)

Der kleine Rabe Socke: Das große Rennen (2015)

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Kleine Kinder, das wissen Eltern aus leidvoller Erfahrung, betreten die Welt als völlig hemmungslose Egoisten – schließlich muss den Eltern ja erstmal rücksichtslos klargemacht werden, was man genau will. Freundlichkeit, Rücksichtnahme und Nächstenliebe – das kommt alles erst später, da hat ein Kind so einiges zu lernen. Die Kinderbuchfigur Rabe Socke verkörpert nun genau diese unbedarfte Art des Egoismus, der immerzu (und wie im echten Leben immer wieder) im Zaum gehalten werden muss.

Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen, der zweite Kinofilm (hier meine Kritik zum ersten) über den Raben und seine Freunde, kommt sehr schnell zur Sache: Es ist Erntezeit und alle im Wald helfen fleißig mit – außer natürlich dem kleinen Raben. Der fährt nämlich lieber imaginäre Autorennen, aus denen er jedes Mal als „Waldmeister“ siegreich hervorgeht. Aber Socke ist – wie die meisten Kinder – ein unschuldiger Egoist, der niemals Böses will. Als die gesamten Wintervorräte der Waldtiere versehentlich im Fluss landen, möchte er wirklich helfen: Er nimmt an einem Autorennen teil, bei dem es genug Geld zu gewinnen gibt, um neues Essen für alle zu kaufen.

Der kleine Rabe Socke 2, seit gestern in den Kinos, ist an diesem Wochenende mein Familienfilmtipp bei filmstarts.de.

Der kleine Rabe Socke 2: Das große Rennen, Deutschland 2015. Regie: Ute von Münchow-Pohl und Sandor Jesse, 73 Min. FSK 0, empfohlen ab 5 Jahren. Kinostart: 20. August 2015.

(Fotos: Universum Film)