Goldene Zeiten im Animationsfilm

Vielleicht war es der Moment, als die Gruppe Waisenkinder beim Winterausflug plötzlich stehenblieb. Alle blickten der Mutter nach, die mit ihrem Kind spricht, und in ihren großen Augen spiegelt sich Sehnsucht und Traurigkeit und Verzweiflung und Hoffnung. Vielleicht war es das aufregende Erlebnis, als sich Kubos Origami-Papierchen, von seiner Musik getrieben, zu Figuren falten und eine Geschichte ausagieren, vom tapferen Kämpfer und gefährlichen Monstren.

Diese zwei Szenen aus Mein Leben als Zucchini und Kubo – Der tapfere Samurai gehören zu den größten Augenblicken im Animationskino der vergangenen Monate. Und die beiden Filme stehen exemplarisch für die Pole, zwischen denen Animationsfilme pulsieren könne: Der eine ein ruhiges Drama, so melancholisch und ernsthaft wie lebensbejahend, der andere ein actionreiches Abenteuer mit phantastischen Figuren, Magie und Schwertkämpfen. Beide erzählen in wunderschönen, poetischen Bildern komplexe Geschichten mit Stop-Motion-Animation auf dem Stand der Zeit.

Ich durfte am Sonntag das zehnte Türchen des diesjährigen Adventskalenders auf kino-zeit.de befüllen und habe dafür ein Loblied auf den Animationsfilm im frühen 21. Jahrhundert geschrieben.

(Foto: Polyband)

Kurzfilm zum Wochenende: Rollende Haustiere (2017)

Vor vier Jahren (verdamp lang her!) hatte ich hier schon einmal die runden Tiere; eine neue Variation mit Haus- und “Nutz”tieren gab es nun vom Regieduo Kyra & Constantin für den französischen Sender France 3, und wir können das genießen.

Schönes Wochenende!

Kurzfilm: Die Abenteuer von Rosetta und Philae (2016)

rosetta-und-philae

Zwischen den Jahren waren wir im Berliner Naturkundemuseum, wo derzeit nicht nur ein T-Rex zu sehen ist, sondern auch eine kleine Ausstellung zu Kometen sich vor allem auf die Raumsonden Rosetta und ihr Landemodul Philae konzentriert. Die ESA selbst hat die Reise der Sonde zum Komet 67/P – auch als Tschurjumow-Gerassimenko bekannt – nun in einer kindertauglichen Animation aufbereiten lassen, die zwar nicht ganz und gar gelungen ist, aber doch einen ganz hübschen Ausblick in die Weite des Universums gibt – mit 25 Minuten etwas länger, als die Filme, die ich sonst hier vorstelle, aber es gibt ja auch einiges zu erzählen (via). Mehr Infos zum Beispiel hier bei der ESA.

Schönes Wochenende!

Findet Dorie (2016)

FINDING DORY

Schon wieder eine Rettungsaktion quer durch den Ozean? Schaut man nur auf die sich sanft wellende Oberfläche, wirkt der neueste Pixar-Streich Findet Dorie im ersten Moment wie ein bloßer Aufguss seines Vorgängers Findet Nemo. Einfach den Sidekick zur Hauptfigur gemacht, ein paar Actionsequenzen mehr eingebaut und fertig ist das Erfolgs-Sequel.

Aber ganz so einfach haben es sich Regisseur Andrew Stanton und seine Teammitglieder dann zum Glück doch nicht gemacht. Indem Dorie, die Palettendoktorfisch-Dame mit einem beispiellos-schlechten Gedächtnis, zur Hauptfigur wird, bekommt auch das zentrale Thema des ersten Films ganz neue Facetten. Hier wie dort geht es um Familie, Freunde und Zusammengehörigkeit: Außer Marlin und Nemo hat Dorie ja niemanden, nur eine große Sehnsucht, von der sie nicht weiß, woher sie stammt. Als nun überraschend Erinnerungen an ihre Kindheit in ihr hochkommen, macht sie sich deshalb Schwanz über Kopf auf den Weg, um ihre eigenen Eltern wiederzufinden.

Es braucht dann eine ganze Reihe glücklicher Zufälle, um die Fischdame auch nur in die Nähe ihres Heimatsortes am anderen Ende des Ozeans zu bringen, aber bei Pixar ist das Universum gnädig – und liefert ihr zudem mit dem sehr knarzigen, immer schlecht gelaunten Hank eine der witzigsten Figuren der jüngeren Kinogeschichte.

Weiterlesen: Meine vollständige Empfehlung gibt es in der heutigen Ausgabe meiner alle 14 Tage erscheinenden Familientipp-Kolumne auf filmstarts.de.

(Fotos: Disney)

Pets (2016)

pets

Solche urbanen Legenden gibt es in vielen Großstädten: In der menschenleeren Kanalisation sollen sich all die verlassenen Haustiere tummeln, die einst von ihren Besitzern ausgesetzt wurden – besonders Krokodile kommen in solchen Geschichten oft vor, aber auch Spinnen, Schlangen und Kaninchen. Doch selbst wenn das alles Quatsch sein mag, taugen diese Legenden doch als perfekte Prämisse für einen Animationsfilm: In der Welt von Pets (von den Machern der Minions, die im Vorfilm Rasenmäher-Minions als Vorgartenpfleger auftreten) führen Haustiere ein geheimes Leben, sobald Herrchen und Frauchen die Wohnung verlassen.

Da legt dann der gesittete Pudel erst mal in voller Lautstärke Heavy-Metal-Musik auf, ein Kanarienvogel träumt vor dem Ventilator von wilden Flügen durch windige Canyons – nur der anhängliche Hund Max sitzt den ganzen Tag vor der Tür und wartet auf die Heimkehr seines Frauchens. Der Terrier ist also nicht gerade das abenteuerlustigste Tier, doch dann bringt seine Besitzerin eines Abends den großen, haarigen Streuner Duke mit nach Hause – und Max wird von Eifersucht übermannt.

Was Pets so unterhaltsam macht, und warum es nicht einfach Toy Story auf vier Beinen ist: meine Kolumne auf filmstarts.de.

(Foto: Universal)

Kurzfilm zum Wochenende: Chorausflug (2012)

choir-tour

Ein Knabenchor auf Tournee – der vielfach ausgezeichnete kurze Animationsfilm des lettischen Regisseurs Edmunds Jansons spielt laut Beschreibung in Seoul – ist aber vor allem ein Spiel mit Formen, Tönen, Mustern und Bewegung.

Schönes Wochenende!