Wie schaut Ihr zuhause Filme?

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Manche Leute, die zum ersten Mal in unsere Wohnung kommen, wundern sich darüber, dass in unserem Wohnzimmer kein Fernseher zu sehen ist, um nicht zu sagen: überhaupt kein Bildschirm. Eigentlich seltsam für jemanden, der sich so viel mit Film beschäftigt… Wir haben uns vor längerer Zeit dafür entschieden, keinen Fernseher im zentralen Wohnraum stehen zu haben, vielleicht als Versuch, gedankenlosen Fernsehkonsum zu reduzieren (und das funktioniert ganz gut).

Allerdings schauen wir dort natürlich trotzdem auch mit den Kindern Filme; auf dem Sofa lümmelnd bis kuschelnd, auf Bildschirmen unterschiedlicher Größe. Entweder trage ich den 24-Zoll-Fernseher-und-Monitor aus meinem Arbeitszimmer herüber, der dann entweder per Blu-ray-Player oder per Chromecast über einen Streaming-Service Filme zeigt; manchmal liegt aber auch der Laptop auf meinem Schoß oder ein kleiner portabler DVD-Player mit 7-Zoll-Bildschirm, der sich in der Tat nur für solche Sichtungen in kleinster Gruppe eignet.

Auf dem Sofa oder in der Kuschelecke, und nur in seltenen Ausnahmefällen nicht gemeinsam: So schauen wir mit den Kindern Filme. Und wie macht Ihr es? Wie unterschiedlich die Arten sein können, Filme anzusehen, ist mir gestern nochmal klar geworden, als ich dieses Posting im Kraftfuttermischwerk gesehen habe, in dem es darum geht, wie sich Leute aus ihren Smartphones und Tablets (sehr) kleine Heimkinos bauen. Das ist freilich nur zur sehr privaten Sichtung tauglich.

Macht Ihr aus den Filmen ein Ritual, habt Ihr dafür feste Zeitpunkte? Wie integriert Ihr Filme in Euren Familienalltag? Gibt es Serienfolgen als Betthupferl? Schaut Ihr im Wohnzimmer, im Kinderzimmer, oder gibt es zuhause gar keine Filme? Ich bin neugierig! Schreibt es mit in die Kommentare oder verlinkt einen eigenen Blogeintrag.

(Foto: Watching TV… von Michael Riedel, Lizenz: CC-BY)

Giraffada (2014)

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Eine Giraffe im Westjordanland: Das wirkt so fremdartig, so unwahrscheinlich und phantastisch, man traut den Bildern nicht. In Qalqilya im Westjordanland gibt es, so erzählt es Giraffada (und die Geschichte beruht auf realen Ereignissen, die sich dort 2003 zugetragen haben), noch immer einen Zoo. Yacine (Saleh Bakri) ist Tierarzt und kümmert sich um die wenigen Tiere, die es dort noch gibt, so gut er eben kann – er hat kaum noch Medikamente, und der Zoodirektor hat auch kein Geld und drängendere Probleme als die Gesundheit seiner Tiere, etwa seine eigene Geburtstagsparty.

Yacines zehnjähriger Sohn Ziad (Ahmad Bayatra) ist vor allem eng mit den beiden Giraffen Rita und Brownie befreundet; er besucht sie jeden Tag und wird von seinen Klassenkameraden für seine Liebe zu den Tieren gehänselt. Bei einem Luftangriff kommt Brownie ums Leben – und weil manche Giraffen nicht allein leben wollen oder können, verweigert Rita von diesem Zeitpunkt an das Futter. Es scheint nur eine Lösung zu geben: Ein Giraffenbulle muss her – aus einem Zoo in Israel.

Giraffada ist zuallererst ein ganz einfacher, klarer Film, dessen im Herzen simple Geschichte sofort eingängig ist: Die Giraffe darf nicht sterben, und Ziads Verzweiflung über Ritas Hungern (er tritt sofort selbst in den Hungerstreik) bringt Yacine schließlich dazu, gemeinsam mit einer französischen Journalistin und einem israelischen Freund die Giraffe aus Israel in seinen Zoo zu schmuggeln.

Je weiter der Film aber fortschreitet, desto deutlicher dringen die Bilder aus der israelisch-palästinensischen Gegenwart ein: Zunächst ist da nur die hohe Wand, vor der Ziad ein kleines Gemüsebeet pflegt und wässert, dann der Checkpoint, an dem eine israelische Soldatin ihn und seinen Vater durchsucht und aggressiv bedroht – bis nach dem Luftangriff, der Brownie tötet, Ziad beginnt, mit anderen Jungs in seinem Alter Steine auf Soldaten zu schmeißen.

Regisseur Rani Massalha musste keinen Aufwand betreiben, um seine trostlosen Szenerien einzufangen; ein Blick ins reale Westjordanland reicht völlig. Die Aggressionen, die Ohnmacht durchtränken den Film in seiner zweiten Hälfte, auch wenn der Blick stets nahe an Ziad bleibt und also die politischen Hintergründe nicht thematisiert werden. Das ist aber die Stärke von Giraffada: Denn durch die Konzentration auf konkrete Leben, noch dazu auf die Situation eines Kindes und eines Zootieres, durch das Ausklammern politischer Vergangenheit macht der Film die Lebenswirklichkeit spürbar, ohne sich in die gern gepflegten, einfachen Schuldzuweisungen zu flüchten.

Die Politik, Gewalt und Hass erscheinen hier nie als Lösungen, sondern immer als Hindernisse, die die Protagonist_innen überwinden müssen, die wiederum zwar von Sorge um sich und einander getragen werden, aber zugleich immer menschlich, fehlerbehaftet, komplex präsentiert werden.

Giraffada betört vor allem in seinen stillen, gelegentlich absurden und poetischen Momenten. Wenn die Tierpfleger im Zoo einen Esel weiß und mit schwarzen Streifen bemalen, weil die Menschen doch Zebras sehen wollen; und vor allem in seinen letzten Minuten, wenn die geschmuggelte Giraffe mit der ihrer Art eigenen unirdischen Grazie durch ein Loch in der Mauer und durch die Straßen im Westjordanland schreitet, der Kopf wiegt sich und die Menschen starren.

Giraffada, Deutschland, Frankreich, Italien, Palästina 2014. Regie: Rani Massalha. 90 Minuten, FSK 12; meine Altersempfehlung: ab 12 Jahren. Kinostart: 28. Mai 2015.

(Fotos: Zorro Film)

Fitzkes Steine: Ein exklusiver Clip aus “Rico, Oskar und das Herzgebreche”

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Am 11. Juni 2015 startet mit Rico, Oskar und das Herzgebreche die Fortsetzung des großartigen Rico, Oskar und die Tieferschatten in den Kinos. Den Film habe ich noch nicht sehen können, aber erste leise Stimmen verheißen keinen Absturz vom Niveau des ersten Films. Hurra! (Mehr dazu dann alsbald.)

Vorab kann ich hier nun einen exklusiven Clip aus dem Film präsentieren. Die Szene hat mit der Haupthandlung nur am Rande zu tun, ist den Leser_innen der Bücher aber vertraut: Rico (Anton Petzold) und Oskar (Juri Winkler) sind zu Besuch bei Ricos Nachbar Herrn Fitzke (Milan Peschel), der ihnen seine wirklich sehr besondere Steinsammlung zeigt. Fitzke ist ja nicht nur etwas seltsam, sondern auch nicht unbedingt eine erstmal freundliche Erscheinung. Sehr Berlinerisch also. Viel Vergnügen mit dem Clip!

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(Fotos und Video: 20th Century Fox)

Es war einmal… das Leben (1986)

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Ich zeige meinen Kindern am liebsten Filme und Serien, die ich selbst früher gerne geschaut habe – manchmal ist die Erinnerung sehr konkret, in anderen Fällen eher vage und sehnsüchtig. So war es auch bei Es war einmal… das Leben, einer Serie, von der ich wahrscheinlich nur wenige Folgen tatsächlich als Kind gesehen habe, denn gerade in diesem Fall ist es nicht ganz einfach, sich präzise zu erinnern: Immerhin war es das Prinzip der Sendereihe Es war einmal…, die immer selben Protagonisten Maestro, Pierre, Psi und wie sie alle heißen in unterschiedlichen Erscheinungsformen auftauchen zu lassen – sei es als historische Personen in Es war einmal… der Mensch oder wie hier eben als Bestandteile des menschlichen Körpers.

Der Anfang des Textes ist womöglich ein wenig hyperbolisch zugespitzt, aber im Grunde habe ich mich ja schon früher hier zu einer gewissen Nostalgie-Affinität bekannt. Die frisch erschienene DVD-Box von Es war einmal… das Leben ist nun in der Tat eine echte Empfehlung und geradezu eine Garantie dafür, dass man in ausführliche Gespräche über Zellen und Körperflüssigkeiten verwickelt wird. Gloriös!

Meine vollstände Lobpreisung der Serie findet Ihr bei filmstarts.de in meiner 14-täglichen Kolumne mit Familienfilmtipps.

(Fotos: Studio Hamburg Enterprises)

Verlosung: Quatsch und die Nasenbärbande

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Am 22. Mai wird Quatsch und die Nasenbärbande fürs Heimkino veröffentlicht (auch Blu-ray); ich hatte mich seinerzeit zum Kinostart beglückt geäußert:

Es gibt mehr als einen Moment in Quatsch und die Nasenbärbande, in denen ich mich gefragt habe, welche Drogen das Produktionsteam denn, bitteschön, eigentlich genommen hatte. Also was vor allem Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Veit Helmer da eingeworfen haben muss, und ob vielleicht noch was übrig ist, ich würde auch gerne was abhaben?

Denn darum geht es:

Das Leben der Kinder von Bollersdorf könnte so schön sein, wenn der Ort wegen seiner Durchschnittlichkeit nicht von der Gesellschaft für Konsumentenforschung entdeckt worden wäre. Hier sollen neue Produkte getestet werden. Was den Bollersdorfern gefällt, lässt sich überall gut verkaufen, wissen die Marktforscher. Doch während die Eltern des Ortes begeistert mitmachen, haben ihre Kinder schnell die Rotznasen voll von den lästigen Warentestern. Erst recht, als sie ihre geliebten Omas und Opas ins Heim abschieben wollen, damit der Altersdurchschnitt wieder passt. Das ist ein Fall für die Nasenbärenbande! Gemeinsam mit dem pfiffigen Nasenbären Quatsch hecken die Kinder einen cleveren Plan aus: Mit abenteuerlichen Erfindungen und verrückten Weltrekorden wollen sie Bollersdorfs Einzigartigkeit beweisen, damit die Konsumforscher endlich wieder verschwinden…

QUATSCH_DVDMit der freundlichen Unterstützung von farbfilm home entertainment und Lighthouse Home Entertainment kann ich hier im Blog dreimal den freundlichen Drogenrausch (just kidding!) für Kinder im Kita-Alter auf DVD verlosen.

Um an der Verlosung teilzunehmen, müßt Ihr nur hier im Formular Eure Daten eingeben und eine Frage beantworten. Die Verlosung läuft bis einschließlich 25. Mai 2015. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Nur eine Teilnahme pro Haushalt!
„Verlosung: Quatsch und die Nasenbärbande“ weiterlesen

Kurzfilm zum Wochenende: Totenstille (2015)

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Ein stiller und sehr kurzer Film über das Sterben: Totenstille (Seriously Deadly Silence) von der dänischen Animatorin Sara Koppel zeigt in einer Minute sechzig vom Aussterben bedrohte Tierarten als ineinander übergehende Zeichnungen. Musik und Ton stammen von Sune Kølster. Der Film wird als Bestandteil der Reihe “NICHTSDESTOTROTZ” (ab 9 Jahren) auf dem Mo & Friese Kinder-Kurzfilmfestival in Hamburg zu sehen sein.

Ein nachdenkliches Wochenende!