Filmfest München 2015: T.I.M. (2014)

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Die besten Science-Fiction-Filme sind ja meist Meditationen über die Gegenwart, Betrachtungen über eine mögliche Zukunft (ausgehend vom Hier und Jetzt). Oder es sind Fragen an aktuelle Probleme durchs Brennglas imaginierter Möglichkeiten (seien sie technischer oder anderer Natur). Letztlich sind Technologie, der wissenschaftliche Fortschritt – oder was auch immer die Andersartigkeit dieser Welt ausmacht – die Möglichkeiten für ein anderes Erzählen, eine andere Beleuchtung der conditio humana, die heimlich im Zentrum der Kamera steht.

kffmuc-2015-schwarz Womöglich ist das ein wenig viel poetologischer Ballast für einen zunächst mal charmanten Streifen wie T.I.M., aber Rolf van Eijks Kinderfilm bringt so viel Melancholie und Traurigkeit mit, so viel Schweigen und Gewicht, dass es nicht unangemessen scheint.

Der elfjährige Tibor lebt nach dem Tod seiner Mutter allein mit seinem Vater in einer Welt, die sehr an den sozialen Wohnungsbau unserer Gegenwart erinnert aber ins Extrem verdichtet ist: Die Häuser sind grau und hoch, kein Grün ist zu sehen. Die Leute lassen sich ihre Einkäufe und vieles mehr von Robotern hinterhertragen – keine eleganten, designten Figuren à la I, Robot, sondern ungelenke Dinger, die große Röhrenbildschirme als Gesicht haben, mehr IBM als Mac.

Hier weiterlesen: Die vollständige Besprechung zu T.I.M. ist auf kino-zeit.de erschienen.

T.I.M. (T.I.M. – The Incredible Machine), Dänemark/Niederlande 2014. Regie: Rolf van Eijk, 80 Min. FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren.

(Fotos: Filmfest München)

Filmfest München 2015: Das Schicksal von Zyl (2014)

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Spieleverfilmungen. So richtig ist das als obskure Subeinheit der Kinematographie natürlich erst mit den Computerspielen aufgekommen, als Versuch, den visuellen Effekt etwa von Lara Croft auf die Leinwand zu bringen – die Sollbruchstelle des Scheiterns war schon immer eingebaut, weil man natürlich weder bei Tomb Raider noch bei (au weia!) Doom! ins Spiel mit einsteigen konnte: Es fehlt die Interaktion.

kffmuc-2015-schwarz Als eher obskur durfte deshalb dann auch der Versuch gelten, “Schiffe versenken” in Filmform zu gießen; Battleship entfernte sich dann sicherheitshalber auch ganz von kariertem Papier. Überhaupt – auch Pixels hat ja schon die Kinos erobert – versucht man sich eher am Metafilm über Computerspiele. Und im Grunde schlägt Das Schicksal von Zyl in eine ähnliche Kerbe, nur ist das Spiel, auf das sich der Film bezieht, auch schon fiktional.

Die vollständige Besprechung zu Das Schicksal von Zyl ist auf kino-zeit.de erschienen. Hier weiterlesen!

Das Schicksal von Zyl (The Games Maker), Kanada/Italien/Argentinien 2014. Regie: Juan Pablo Buscarini, 111 Min. Bisher ohne FSK-Freigabe, empfohlen ab 8 Jahren.

(Foto: Filmfest München)

Noch mehr Anima für Kids (2015)

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Die ersten Filme, die ich meinen Kindern gezeigt habe, waren sehr kurz – und das war natürlich kein Zufall. Kurzfilme gehören auch zu den schönsten ersten Kinoerfahrungen, die die beiden gemacht haben – aber das ist schon ein selteneres Glück: In der Stadt, in der wir damals wohnten, gab es ein Kino, das einmal im Monat ein Potpourri von Kurzfilmen zeigte – speziell auf junge Besucher abgestimmt, aber für die Eltern oft nicht weniger lohnenswert. Kurzfilme sind vor allem für Kinder im Vorschul- und Kindergartenalter perfekt, denn sie verlangen nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, während sie zugleich ihre Geschichte in der Regel auf das Wesentliche beschränken. Mit anderen Worten: Kinder können dem Geschehen auch wirklich folgen und den Film genießen, ohne von seiner Macht oder Länge erschlagen zu werden.

Außerdem eignen sich Kurzfilme eben auch sehr gut fürs Zwischendurchschauen – zum Beispiel als kleines Betthupferl. Und dann ist es noch nicht mal schlimm, wenn der häufige Ruf nach einer Wiederholung ertönt, denn dafür ist dann meist auch noch Zeit. Eltern sollten also eigentlich täglich ein Loblied auf den kindgerechten Kurzfilm singen. Das Problem ist natürlich, dass gute Kurzfilme für Kinder gar nicht so leicht zu bekommen sind. In diese Lücke springt nun aber zum Glück das DOK Leipzig: Das internationale Festival für Dokumentar- und Animationsfilm bringt mit Noch mehr Anima für Kids bereits seine (nach der DVD Anima für Kids von vor zwei Jahren) zweite kleine Sammlung kindgerecht kurzer Animationsfilme heraus – neun Filme aus den vergangenen zehn Jahren, die sich im Grunde schon Dreijährige ansehen können und bei denen sich auch Erwachsene nicht langweilen werden.

Meine DVD-Empfehlung ist vergangene Woche auf filmstarts.de erschienen. Hier in Gänze nachlesen!

(Foto: absolut Medien)

Minions (2015)

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Wenn Sie ein Kind im Alter so zwischen fünf und elf Jahren haben, dass wenigstens ein wenig offen für popkulturelle Einflüsse ein, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass Sie diesen Filmtipp hier eigentlich nicht benötigen. Denn es ist anzunehmen, dass Ihr Kind jetzt manchmal diesen leicht verklärten Gesichtsausdruck bekommt und leise „Ooo-bah, Papaya!“ flüstert, oder begeistert und ohne äußeren Anlass „Banana!“ ruft. Schuld sind diese gelben, pillenförmigen Wesen, die „Minions“, die jetzt überall auf Plakaten, Handtüchern und in U-Bahn-Stationen zu sehen sind. Mit Kindern wissen Sie das wahrscheinlich alles schon.

Die Minions haben jetzt also ihren eigenen Film, nachdem sie vorher in Ich – Einfach Unverbesserlich und dessen Fortsetzung als Schergen des freundlichen Bösewichts Gru Chaos verbreiten und ihre geliebten Bananen verspeisen durften. Minions ist das Prequel zu diesen beiden Filmen und klärt einmal quer durch Evolution und Menschheitsgeschichte, wo die nicht alternden, quasi unsterblichen Minions herkommen, die immer auf der Suche nach dem größten, gemeinsten Bösewicht sind, dem (oder der) sie dienen können – bis drei von ihnen, Dave, Stuart und Bob, im London von 1968 fündig werden und für Scarlet Overkill die britische Königskrone stehlen sollen.

Meine vollständige Empfehlung findet sich auf filmstarts.de in meinem “FILMSTARTS-Familientipp zum Wochenende”!

Minions, USA 2015. Regie: Pierre Coffin und Kyle Balda, 91 Min. FSK 0, (von mir) empfohlen ab 7 Jahren (es gibt ein paar etwas gruselige und spannende Szenen). Kinostart: 2. Juli 2015.

(Foto: Universal)

Filmfest München: X + Y (2014)

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Seit Rain Man ist Autismus ja eine feste Stereotype im popkulturellen Gedächtnis – und damit ist eine Vorstellung verbreitet, die womöglich eher schädlich als sinnvoll ist. Einer der Protagonisten in Morgan Matthews’ Dokumentarfilm Beautiful young minds (2007) bemerkt dazu recht trocken am Anfang des Films, die Vorstellungen von Autismus hätten sich in den letzten dreißig Jahren doch recht deutlich verändert, aber alle dächten immer noch an diesen einen Film…

kffmuc-2015-schwarz Beautiful young minds begleitet eine Gruppe junger Briten auf ihrem Weg durch diverse Trainingscamps bis zur Mathematik-Olympiade, einem internationalen Wettbewerb für mathematisch hochbegabte Schülerinnen und Schüler. Seine Erfahrungen dort haben Matthews offenbar so beeindruckt, dass er auf der Grundlage dieses Materials nun X + Y gedreht hat, einen Spielfilm, von dem es im Abspann heißt, er sei von Matthews’ Dokumentarfilm “inspiriert” worden; de facto finden sich ganze Dialogzeilen wörtlich in X + Y wieder, und die Figuren der Erzählung sind sichtbar – dramaturgische Zuspitzungen inklusive – den Jugendlichen aus dem Dokumentarfilm nachempfunden.

Die vollständige Kritik zu X + Y gibt es im Festivalblog von kino-zeit.de!

X + Y, Großbritannien 2014. Regie: Morgan Matthews, 111 Min. Bisher ohne FSK-Freigabe, empfohlen ab 10 Jahren.

Filmfest München: Das Lied des Meeres / Song of the Sea (2014)

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Es beginnt mit einer Geschichte, die die Mutter ihrem kleinen, vierjährigen Sohn erzählen wird – eine Sage, die dann später wieder aufgenommen, zu neuem, eigenen Leben wird, wenn längst klar geworden ist, dass die Mutter Teil der Welt dieser Geschichten, die Realität also nicht so arm an Magie und Wundern ist, wie allgemein befürchtet. Und zu diesem Zeitpunkt hat dann Regisseur Tomm Moore auch schon seinen eigenen Zauber gesponnen, hat mit Bildern, Worten und Musik (Liedern vor allem!) Das Lied des Meeres zu beglückendem Leben erweckt. Ein helles Licht am Firmament des Animationsfilm, das aus der Entfernung ein wenig so aussieht, als sei es niedlich-freundliches Kinderkino.

kffmuc-2015-schwarz Natürlich ist das auch ein toller, ach was: umwerfender Film für Kinder, wahrscheinlich mehr noch als Moores vorheriger Animationsfilm Brendan und das Geheimnis von Kells, der ähnlich auf alten Mythen und Sagen aufbaut, aber in vielen Momenten wesentlich düsterer, auch furchteinflößender ist. In Das Lied des Meeres geht es um vieles: um Liebe, Verlust und Loslassen, um Trauer und Hoffnung, und spannend ist das alles obendrein.

Meine Empfehlung für das Filmfest München! Die ausführliche Besprechung gibt es auf kino-zeit.de.

Das Lied des Meeres (Song of the Sea), Irland 2014. Regie: Tomm Moore, 86 Min. Bisher ohne FSK-Freigabe, empfohlen ab 6 Jahren. Am 27. Juni und 2. Juli auf dem Filmfest München zu sehen.

(Fotos: Filmfest München)