Kurzfilm zum Wochenende: Isabelle au bois dormant (2007)

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Der Titel – in den Titelkarten auch Englisch als Sleeping Betty angegeben – ist nicht gut übersetzbar (Vorschläge gerne in die Kommentare), weil das zugrunde liegende Märchen, das auf Charles Perraults “La belle au bois dormant” zurückgeht, natürlich bei uns als “Dornröschen” bekannt ist. Da lässt sich hier nur schwer eine passende Analogie im Titel bilden.

Isabelle jedenfalls schläft, und nichts und niemand scheint, zur Verzweiflung von Königin und König, sie wecken zu können. Ein Arzt muss her! Oder ein rettender Prinz! Claude Cloutier schmeißt Märchenmotive wild mit der technischen Gegenwart zusammen, kombiniert Zerstörung, wie sie nur Cartoon kann, mit einer fast schon dadaistischen Spielfreude, da passiert lauter Quatsch, aber es stecken halt auch schon mal Beile in Köpfen, ohne das jemand Schaden nimmt. Eine große kurze Freude (via).

Schönes Wochenende!

Kurzfilm zum Wochenende: Fundbüro (2014)

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Womöglich muss man erst einmal erklären, was eigentlich ein Fundbüro ist. Und dann wird einiges zu besprechen sein, was sonst so vor sich geht in diesem bezaubernden kleinen Kurzfilm von Åsa Lucander, in dem kein Wort gesprochen und doch so viel gesagt wird. (Gefunden bei shortfil.ms.)

Schönes Wochenende!

Findet Dorie (2016)

FINDING DORY

Schon wieder eine Rettungsaktion quer durch den Ozean? Schaut man nur auf die sich sanft wellende Oberfläche, wirkt der neueste Pixar-Streich Findet Dorie im ersten Moment wie ein bloßer Aufguss seines Vorgängers Findet Nemo. Einfach den Sidekick zur Hauptfigur gemacht, ein paar Actionsequenzen mehr eingebaut und fertig ist das Erfolgs-Sequel.

Aber ganz so einfach haben es sich Regisseur Andrew Stanton und seine Teammitglieder dann zum Glück doch nicht gemacht. Indem Dorie, die Palettendoktorfisch-Dame mit einem beispiellos-schlechten Gedächtnis, zur Hauptfigur wird, bekommt auch das zentrale Thema des ersten Films ganz neue Facetten. Hier wie dort geht es um Familie, Freunde und Zusammengehörigkeit: Außer Marlin und Nemo hat Dorie ja niemanden, nur eine große Sehnsucht, von der sie nicht weiß, woher sie stammt. Als nun überraschend Erinnerungen an ihre Kindheit in ihr hochkommen, macht sie sich deshalb Schwanz über Kopf auf den Weg, um ihre eigenen Eltern wiederzufinden.

Es braucht dann eine ganze Reihe glücklicher Zufälle, um die Fischdame auch nur in die Nähe ihres Heimatsortes am anderen Ende des Ozeans zu bringen, aber bei Pixar ist das Universum gnädig – und liefert ihr zudem mit dem sehr knarzigen, immer schlecht gelaunten Hank eine der witzigsten Figuren der jüngeren Kinogeschichte.

Weiterlesen: Meine vollständige Empfehlung gibt es in der heutigen Ausgabe meiner alle 14 Tage erscheinenden Familientipp-Kolumne auf filmstarts.de.

(Fotos: Disney)

Kurzfilm zum Wochenende: Du machst mir Angst (2016)

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Ein kurzes, vierminütiges Drama auf dem Zahnarztstuhl. Der russische Text des Liedes im Hintergrund lautet sinngemäß, so die junge Regisseurin Xiya Lan: “Das macht mir Angst. Ich habe Angst. Kann ich gehen? Das ist gefährlich hier.” Letztlich: Eine etwas überdrehte Meditation darüber, dass Angst zuallererst in unserem Kopf stattfindet und oft genug mehr mit Erwartungen und Vorurteilen zu tun hat als mit der realen Welt direkt vor unseren Augen. (via)

Schönes Wochenende!

Schlingel 2016: Hunt for the Wilderpeople (2016)

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Ricky (Julian Dennison) ist nicht gerade das genügsame, nette Waisenkind von nebenan. Der aufmüpfige Kerl, gerade so ein Teenager und offensichtlich durch viele Pflegefamilien in der Stadt durchgereicht, landet nun auf einmal in der neuseeländischen Einöde bei Bella (Rima Te Wiata) und ihrem knurrigen Mann Hec (Sam Neill). Gleich in der ersten Nacht will er natürlich abhauen, aber Bella versteht es, im Wortsinn, ihn immer wieder einzufangen und gibt ihm das Gefühl, willkommen zu sein. Dann stirbt sie überraschend, Ricky schlägt sich mit seinem Hund Tupac (ein Geschenk der Pflegemutter) in die Wälder, um ihren letzten Wunsch zu erfüllen, Hec folgt ihm widerwillig – und weil einiges schief- und vielleicht auch gutgeht, verschwinden die beiden für lange Zeit, während die Außenwelt vermutet, der knorrige Alte habe den Jungen entführt und ihm womöglich etwas angetan… und da ist von Hunt for the Wilderpeople noch nicht einmal ein Drittel Zeit vergangen, und ich fragte mich: Was soll denn jetzt, bitteschön, noch kommen?

schlingel_logo_schraeg_219 Aber es kommt noch etwas, reichlich sogar, und in gelegentlich wunderbar wirren Wendungen. Der Film, der da herauskommt, ist kein Kinderfilm im klassischen Sinne, deshalb ist er womöglich hier im Blog ein wenig fehl am Platze, eher ein Coming-of-Age-Film für Jugendliche, aber genau genommen fängt das Übel natürlich schon damit an, dass der Film damit einer Kategorie zugeschoben wird. Taika Waititis einzigartiges Stück Kino zeichnet sich aber gerade dadurch aus, dass es solchen Zuordnungen immer an der rechten Stelle entschlüpft. Waititi spielt mit zahllosen Mitteln, Szenen und Ideen, die sich auch in anderen Filmen finden, aber Hunt for the Wilderpeople ist dann eben doch nicht so, sondern genau so nicht.

Seine Figurenkonstellation erinnert in gewisser Weise an eine Mischung aus dem Pixar-Film Oben und der Actionkomödie Big Game, hat aber mit beiden nicht viel gemein außer gewissen Äußerlichkeiten der Landschaft und Teilen der Paardynamik. Fürs Coming-of-Age-Drama fehlt dem Film der klare Entwicklungsbogen, für ein Gesellschaftsportrait die Ernsthaftigkeit, für eine Medienkritik (obwohl das reichlich drinsteckt) die Konsequenz.

Der Film ist in Kapitel unterteilt, was man als erzählerischen Verweis auf seine Vorlage verstehen kann, Barry Crumps Roman Wild Pork and Watercress. Oder man liest es als Rückgriff auf eine Strukturierung, die insbesondere Quentin Tarantino im Kino wieder populär gemacht hat. Oder oder oder…

Waititi (der hier auch einen kurzen, bizarren Auftritt als Priester hat: „He’s tricky like that, Jesus.“) hat vorher 5 Zimmer Küche Sarg gemacht, ein bezaubernd seltsames, ebenfalls sehr abseitig-komisches Vampir-Mockumentary, dass man zum Brüllen lustig finden konnte, aber nicht musste. Und so ähnlich ist es auch hier, nur dass der Humor noch subtiler ist, charmanter, weniger offensichtlich. Zwischendrin ist Hunt for the Wilderpeople äußerst derb, dann hat er ruhige, gar poetische Momente – wenn Ricky seine Haikus vorliest, die man ihm im Anti-Aggressionstraining zu schreiben beigebracht hat, wenn die Kamera über die weiten Landschaften, Wälder und Berge schweift. Er ist bizarr, gelegentlich blutig, ernsthaft, äußerst albern und dann in feinen Momenten völlig unkitschig einfühlsam, tieftraurig und immer sehr menschlich.

Denn zentral in der ganzen Geschichte ist die Beziehung zwischen diesen beiden sehr unterschiedlichen Figuren, die nolens volens zusammenhängen und sich dann irgendwie doch recht erträglich finden – zwei Einzelgänger, die nicht so recht in die Gesellschaft passen und jemanden brauchen, der sie so nimmt, wie sie sind. Logischerweise tragen den Film also vor allem Dennison und Neill, aber das ist es eben nicht allein: Rima Te Wiatas kurzer Auftritt hallt durch den ganzen Film hindurch emotional nach, sie ist der Kitt, der die beiden Männer, alt und jung, überhaupt erst zusammenbringt. Und dann definiert sich dieser erstaunliche Film immer wieder neu über kleine Nebenfiguren, mit denen die beiden Protagonisten zusammentreffen, eigentlich so ähnlich wie damals bei Into the Wild, der ja auch… naja, ein paar oberflächliche Ähnlichkeiten hatte.

Man sagt das in dieser Form ja nicht so oft, aber einer der besten, außergewöhnlichsten Filme in diesem Jahr kommt aus Neuseeland. Hoffentlich findet er hier auch einen mutigen Verleih, der ihn regulär ins Kino bringt.

Hunt for the Wilderpeople. Neuseeland 2016, 93 Min. Regie: Taika Waititi. Empfohlen ab 13 Jahren.

Läuft ab dem 26. September auf dem Schlingel-Filmfestival in Chemnitz.

(Foto: Schlingel-Filmfestival)

Kurzfilm zum Wochenende: Papa (2014)

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Papa ist ein Erfinder und womöglich etwas anders als andere Eltern. Weil seine Tochter darüber nicht immer glücklich ist, sucht er nach einer Lösung… Der Kurzfilm von Natalie Labarre wurde auf zahlreichen Festivals gezeigt und schon mehrfach ausgezeichnet. (via)

Schönes Wochenende!