Look away! Sieh nicht hin!

Ich schließe jetzt mal eine Wette ab: Eine Reihe betrüblicher Ereignisse wird meinem ältesten Kind sehr, sehr gefallen.

Das ist ein gewisses Wagnis. Obgleich es sich in abenteuerlichem Tempo durch Bücher fräst, kennt das Kind die Buchvorlage von Lemony Snicket (bürgerlich: Daniel Handler) nicht, so dass seine Meinung hieraus nicht vorherzusagen ist; und genauso wenig sind meine Vorhersagen bezüglich des sehr wählerischen kindlichen Geschmacks wirklich zuverlässig. Ich – Einfach Unverbesserlich 2 mochte das Kind natürlich (klar, so witzig wie Teil 1, aber nicht so doof wie Die Minions), aber bei Herrscher der Zeit lag ich voll daneben. Da war wohl meine eigene Seherfahrung vor dreißig Jahren Vater des Gedankens.

Aber: Das Kind liebt Philip Ardagh. Spezifischer: Es liebt Herr Urxl und das Glitzerdings, “Rauschebart” Ardaghs fundamental bizarre (und von Harry Rowohlt, lasst uns seine Erinnerung preisen, so präzise wie komisch übersetzte) Geschichte über ein kleines Dorf und den seltsamen, stark riechenden Außenseiter Herr Urxl.

Warum die Netflix-Serie Eine Reihe betrüblicher Ereignisse gut für Kinder ist – und jedenfalls weder so unterkomplex noch so behütend-langweilig wie sonst im Kinderfernsehen und -film üblich, habe ich für meine Kolumne auf kino-zeit.de genauer aufgeschrieben.

(Fotos: Netflix)

Weihnachten 2016: Ein paar TV-Vorschläge

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Es gibt ja so einige Film, die sich fest mit Weihnachten verbunden haben, und natürlich sind sie alle auch dieses Jahr dann und wann und manchmal mehrfach (und manche eigentlich andauernd) über die Feiertage zu sehen: Sissi, Der kleine Lord und Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ebenso wie Die Weihnachtsgans Auguste und Ist das Leben nicht schön? Von den unendlich vielen, meist unerträglichen Märchenverfilmungen zu schweigen.

Ich habe mal ein wenig übers Fernsehprogramm der nächsten Tage geschaut und ein paar Vorschläge zusammengetragen – manche sind auch eher für den Videorecorder geeignet (halb fünf, seit Ihr noch ganz bei Sinnen, ZDF und SAT.1?). KIKA macht es zur schönen Weihnachtstradition, die drei großartigen Knerten-Filme zu zeigen, und auch sonst sind ein paar übliche Verdächtige dabei… besondere Empfehlungen habe ich mit einem Sternchen 1478400241_star_gold markiert.

Vielleicht habt Ihr noch andere Vorschläge?

23. Dezember
19.30 KIKA – Die Legende vom Weihnachtsstern

24. Dezember
09.20 ZDF – 1478400241_star_gold Der Grüffelo
13.15 ZDF – Michel in der Suppenschüssel
14.45 RTL II – Das letzte Einhorn
17.40 Disney Channel – Bernard & Bianca – Die Mäusepolizei

25. Dezember
08.10 RTL II – Das letzte Einhorn
17.45 RTL II – Die Goonies
18.45 Disney Channel – Aristocats

26. Dezember
04.30 SAT.1 – Mimzy – Meine Freundin aus der Zukunft
04.35 ZDF – Der Grinch
09.50 RTL II – Die Goonies
20.15 RTL 1478400241_star_gold Die Eiskönigin (unser Podcast dazu)

27. Dezember
09.50 RTL 1478400241_star_gold Die Eiskönigin (unser Podcast dazu)

28. Dezember
10.00 KIKA – Ritter Trenk
15.00 KIKA – 1478400241_star_gold Mein Freund Knerten

29. Dezember
13.00 WDR – Der wunderbare Wiplala
15.00 KIKA – Knerten in der Klemme

30. Dezember
08.20 WDR – 1478400241_star_gold Der wunderbare Wiplala
15.00 KIKA – Knerten traut sich

31. Dezember
13.50 KIKA – 1478400241_star_gold Antboy – Der Biss der Ameise

1. Januar
20.15 Disney Channel – 1478400241_star_gold Mary Poppins

6. Januar
20.15 SAT.1 – 1478400241_star_gold Rico, Oskar und die Tieferschatten

(Foto: polyband)

Die langen großen Ferien (2015)

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Die Fragen beginnen spätestens mit der Einschulung: „Papa, wer war eigentlich Hitler?“ Es muss noch nicht einmal auf dem Lehrplan stehen, die Kinder reden ja auch untereinander, sie hören rechts und links zu, sehen Titelblätter von Zeitschriften und Werbung für seltsame Dokumentationen auf Netflix oder n-tv. Da türmt sich schnell ein Berg an schwierig zu behandelnden Themen auf. Was dabei am besten hilft: Geschichten! Die französische Animationsserie Die langen großen Ferien etwa erzählt in zehn halbstündigen Episoden von den Erlebnissen einer Gruppe französischer Kinder zwischen 1939 und 1945.

Fern von den politischen Zentren (und auf gewisse Weise doch mitten im Weltgeschehen) sollen die Geschwister Colette und Ernest in einem kleinen Dorf in der Normandie eigentlich nur die Sommerferien bei ihren Großeltern verbringen – aber die Mutter wird krank und so bleiben die zwei jungen Pariser eben auf dem Bauernhof: Colette (deren erwachsenes Ich die Geschichte rückblickend erzählt) wird im Dorf eingeschult. Schnell finden die Geschwister neue Freunde und ihre Bande, die „Robinsons“, richtet sich in einem verfallenen Haus im Wald einen geheimen Unterschlupf ein.

Warum Die langen großen Ferien eine so wunderbare Fernsehserie ist, lehrreich und nie belehrend, habe ich in meinem Familientipp für filmstarts.de genauer aufgeschrieben.

Nachtrag: Das ZDF hat schönes Begleitmaterial für Eltern und Lehrer zur Serie zusammengestellt. Ich persönlich würde die Serie für Kinder ab 8 Jahren empfehlen; es gibt keine direkten Szenen von Gewalt und Grausamkeiten, aber das Thema führt natürlich zwangsläufig zu Gesprächen, die für Kinder auch emotional schwierig sein können.

(Fotos: polyband)

Trudes Tier (2015)

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Trudes Tier ist sauer. Die letzte Gurke will einfach nicht aus dem Glas raus, und dann, und dann… passiert noch mehr – und wenn das Tier wütend wird, muss es Dinge mit seiner Spucke festkleben: den Stuhl an die Wand, den Besen, den Blumentopf, eben einfach alles, was so rumsteht. Das hält und geht gar nicht mehr ab! Jedenfalls bis die Wut verraucht ist.

Das Tier ist groß, mit schwarzgrauem Fell und etwas zottelig. Es kommt von irgendwo her, wo man Dinge eben anders macht, aber von wo und warum, daran kann es sich nicht erinnern – und so lange darf es erst mal in Trudes Wohnung bleiben, auf den Kissen im Wohnzimmer.

Von diesem merkwürdigen, Dinge festklebenden Wesen erzählt die Serie Trudes Tier, deren Episoden seit April 2014 immer mal wieder in der Sendung mit der Maus zu sehen sind – und neun Folgen gibt es jetzt erstmals endlich auch auf DVD. Das ist ein Glück. Denn Trudes Tier gehört zum Charmantesten, was das deutsche Animationsschaffen in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat.

Warum diese kleine Trickserie mich so bezaubert hat, habe ich für meinen Familienfilmtipp auf filmstarts.de aufgeschrieben.

(Foto: Universum Film)

Filmische Weihnachten mit Kindern: Was läuft im TV?

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Muss der Fernseher an Weihnachten laufen? Natürlich nicht. Aber wenn er schon angemacht wird, dann darf es wenigstens auch etwas Besonderes sein, und immerhin das fällt an den Feiertagen relativ leicht, weil wenigstens mal schöne Filme gezeigt werden. Nicht nur, versteht sich, weshalb ich kurz versucht habe, das Programm der kommenden Tage zu sichten und ein paar besondere Highlights herauszuheben.

Das ist eher kurz gehalten und auf wenige Filme beschränkt, erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf sonst irgendwas. Weitere Empfehlungen gerne in die Kommentare. Klassische (wie Drei Haselnüsse für Aschenbrödel) und weniger klassische (Arthur Weihnachtsmann, siehe Bild oben, und Mitten in der Winternacht) Weihnachtsfilme habe ich diesmal in meiner Kolumne auf kino-zeit.de inkl. Sendeterminen vorgestellt und diskutiert, bitte also hier nachlesen.

24.12.2015/Heilig Abend

  • Michel in der Suppenschüssel (ZDF 13.25-15.00 Uhr): Klassische Lindgren-Verfilmung.
  • Tom und Hacke (BR 13.25-14.55 Uhr): Kinderkrimi aus der bayerischen Provinz in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Stark dialektlastig, aber spannend und gut gemacht.

25.12.2015/1. Weihnachtsfeiertag

  • Bernhard und Bianca – die Mäusepolizei (Disney Channel 9.45-11.05 Uhr): Einer der Disney-Klassiker, die gerne mal unter den Tisch fallen.
  • Das Geheimnis der Murmel-Gang (ARD 10.25-11.55 Uhr): Spanischer Abenteuerfilm.
  • Leon und die magischen Worte (KI.KA 12.05-13.15 Uhr): Kleines Abenteuerdrama um Phantasie und Lesenlernen. Bezaubernd.

26.12.2015/2. Weihnachtsfeiertag

  • Ratatouille (RTL 8.35-10.35 Uhr): Einer der schönsten Pixar-Filme. Macht Appetit.
  • Die Legende vom Weihnachtsstern (ZDF, 9.25-10.37 Uhr): Modernes Märchen aus Skandinavien.
  • Der wunderbare Wiplala (ARD 10.25-11.55 Uhr): Verfilmung des Kinderbuchs von Annie M.G. Schmidt.
  • Horton hört ein Hu! (RTL 12.40-13.55 Uhr): Verfilmung nach Dr. Seuss – wirr und verrückt und sehr, sehr komisch.
  • Ernest & Célestine (KI.KA 19.25-20.35 Uhr): Einer der schönsten Animationsfilme der vergangenen Jahre.

Anschließend

  • Das Dschungelbuch (27.12., RTL 20.15-21.45 Uhr): Muss ich den wirklich vorstellen? Man sollte es mal mit Gemütlichkeit versuchen!
  • Mein Freund Knerten/Knerten in der Klemme/Knerten traut sich (KIKA, vom 28.-30.12. jeweils 12.10-13.20 Uhr): Ein Junge und sein sprechender Zweig. Klingt doof, ist aber super.

(Foto: Sony Pictures)

Es war einmal… das Leben (1986)

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Ich zeige meinen Kindern am liebsten Filme und Serien, die ich selbst früher gerne geschaut habe – manchmal ist die Erinnerung sehr konkret, in anderen Fällen eher vage und sehnsüchtig. So war es auch bei Es war einmal… das Leben, einer Serie, von der ich wahrscheinlich nur wenige Folgen tatsächlich als Kind gesehen habe, denn gerade in diesem Fall ist es nicht ganz einfach, sich präzise zu erinnern: Immerhin war es das Prinzip der Sendereihe Es war einmal…, die immer selben Protagonisten Maestro, Pierre, Psi und wie sie alle heißen in unterschiedlichen Erscheinungsformen auftauchen zu lassen – sei es als historische Personen in Es war einmal… der Mensch oder wie hier eben als Bestandteile des menschlichen Körpers.

Der Anfang des Textes ist womöglich ein wenig hyperbolisch zugespitzt, aber im Grunde habe ich mich ja schon früher hier zu einer gewissen Nostalgie-Affinität bekannt. Die frisch erschienene DVD-Box von Es war einmal… das Leben ist nun in der Tat eine echte Empfehlung und geradezu eine Garantie dafür, dass man in ausführliche Gespräche über Zellen und Körperflüssigkeiten verwickelt wird. Gloriös!

Meine vollstände Lobpreisung der Serie findet Ihr bei filmstarts.de in meiner 14-täglichen Kolumne mit Familienfilmtipps.

(Fotos: Studio Hamburg Enterprises)