BFG – Big Friendly Giant (2016)

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Ich habe Roald Dahl zuerst im Englischunterricht kennengelernt, weil unser Lehrer es genoss, uns vor den Ferien die sehr schwarzhumorigen Kurzgeschichten vorzulesen, für die der Autor in Deutschland am bekanntesten ist: Küsschen, Küsschen und wie die Bände alle heißen. Dass Dahl auch viele Kinderbücher geschrieben hat, ist mir hingegen erst viel später aufgefallen, als ich nach Büchern suchte, die ich meinen eigenen Kindern vorlesen könnte. Aber auch in diesen sehr charmanten Büchern dringt immer etwas von dem Dahlschen Schalk, seiner Freude an kleinen Gemeinheiten durch – von seinem Sprachwitz und seiner Fabulierlust ganz zu schweigen.

Sein The BFG, hierzulande als Sophiechen und der Riese nicht allzu bekannt, gehört in Großbritannien gewissermaßen zum Kinderbuchkanon. Nun hat sich Steven Spielberg des Big Friendly Giant angenommen, ein sehr amerikanischer Regisseur mit einer ganz eigenen Weise, Geschichten für Kinder zu erzählen – und das vor allem auch mit hohem technischen Aufwand. Die riesenhafte Titelfigur jedenfalls ist zwar mittels „Motion Capture“ am Computer entstanden, aber Mark Rylance verleiht ihr nicht nur ihre Mimik, sondern auch eine Seele. Aus der Kombination Dahl/Spielberg entsteht ein abenteuerlicher, lustiger, insgesamt ziemlich gelungener Film, der nur dann immer wieder kurzzeitig irritiert, wenn Dahls britisches Understatement und die pompöse Hollywood-Inszenierung allzu offensichtlich aufeinanderprallen.

Nicht ohne Angstgefühle und Grusel ist BFG – Big Friendly Giant zu haben – meine Empfehlung zum Wochenende auf filmstarts.de.

(Fotos: Constantin Film)

Die langen großen Ferien (2015)

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Die Fragen beginnen spätestens mit der Einschulung: „Papa, wer war eigentlich Hitler?“ Es muss noch nicht einmal auf dem Lehrplan stehen, die Kinder reden ja auch untereinander, sie hören rechts und links zu, sehen Titelblätter von Zeitschriften und Werbung für seltsame Dokumentationen auf Netflix oder n-tv. Da türmt sich schnell ein Berg an schwierig zu behandelnden Themen auf. Was dabei am besten hilft: Geschichten! Die französische Animationsserie Die langen großen Ferien etwa erzählt in zehn halbstündigen Episoden von den Erlebnissen einer Gruppe französischer Kinder zwischen 1939 und 1945.

Fern von den politischen Zentren (und auf gewisse Weise doch mitten im Weltgeschehen) sollen die Geschwister Colette und Ernest in einem kleinen Dorf in der Normandie eigentlich nur die Sommerferien bei ihren Großeltern verbringen – aber die Mutter wird krank und so bleiben die zwei jungen Pariser eben auf dem Bauernhof: Colette (deren erwachsenes Ich die Geschichte rückblickend erzählt) wird im Dorf eingeschult. Schnell finden die Geschwister neue Freunde und ihre Bande, die „Robinsons“, richtet sich in einem verfallenen Haus im Wald einen geheimen Unterschlupf ein.

Warum Die langen großen Ferien eine so wunderbare Fernsehserie ist, lehrreich und nie belehrend, habe ich in meinem Familientipp für filmstarts.de genauer aufgeschrieben.

Nachtrag: Das ZDF hat schönes Begleitmaterial für Eltern und Lehrer zur Serie zusammengestellt. Ich persönlich würde die Serie für Kinder ab 8 Jahren empfehlen; es gibt keine direkten Szenen von Gewalt und Grausamkeiten, aber das Thema führt natürlich zwangsläufig zu Gesprächen, die für Kinder auch emotional schwierig sein können.

(Fotos: polyband)

Trudes Tier (2015)

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Trudes Tier ist sauer. Die letzte Gurke will einfach nicht aus dem Glas raus, und dann, und dann… passiert noch mehr – und wenn das Tier wütend wird, muss es Dinge mit seiner Spucke festkleben: den Stuhl an die Wand, den Besen, den Blumentopf, eben einfach alles, was so rumsteht. Das hält und geht gar nicht mehr ab! Jedenfalls bis die Wut verraucht ist.

Das Tier ist groß, mit schwarzgrauem Fell und etwas zottelig. Es kommt von irgendwo her, wo man Dinge eben anders macht, aber von wo und warum, daran kann es sich nicht erinnern – und so lange darf es erst mal in Trudes Wohnung bleiben, auf den Kissen im Wohnzimmer.

Von diesem merkwürdigen, Dinge festklebenden Wesen erzählt die Serie Trudes Tier, deren Episoden seit April 2014 immer mal wieder in der Sendung mit der Maus zu sehen sind – und neun Folgen gibt es jetzt erstmals endlich auch auf DVD. Das ist ein Glück. Denn Trudes Tier gehört zum Charmantesten, was das deutsche Animationsschaffen in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat.

Warum diese kleine Trickserie mich so bezaubert hat, habe ich für meinen Familienfilmtipp auf filmstarts.de aufgeschrieben.

(Foto: Universum Film)

Heidi (2015)

Heidi (Anuk Steffen)

Selbst wer noch nie in den Bergen war, der kennt doch zumindest sie – das womöglich bekannteste Exportprodukt der Eidgenossen noch vor Kräuterbonbons: Johanna Spyris Romanheldin Heidi. Heutige Eltern sind ja nicht mehr unbedingt mit den Erzählungen der Autorin selbst aufgewachsen, sondern eher mit der Zeichentrickserie aus den 1970er Jahren (von der viele später überrascht erfuhren, dass sie trotz Alpenpanorama aus Japan stammt). Auf die Idee könnte man bei der Neuverfilmung von Alain Gsponer hingegen gar nicht kommen: Die schweizerisch-deutsche Koproduktion bemüht sich in jeder Hinsicht um Nähe zur Originalgeschichte. Das merkt man schon an der Sprache: In den Alpen wird Dialekt gesprochen, wenn auch – deutsche Kinder sollen ja eine Chance haben zu verstehen, worum es geht – kein reines Schweizerdeutsch.

Den Kern der Geschichte muss man wahrscheinlich kaum noch jemandem erzählen: Das Waisenkind Heidi (Anuk Steffen) wird zu ihrem Großvater geschickt, dem „Alpoehi“ (Bruno Ganz), der sie zunächst nur widerwillig aufnimmt. In der Freiheit des Berglebens aber blüht Heidi auf: Im Sommer zieht sie täglich mit dem Geissenpeter und den Ziegen den Berg hinauf. Aber dann holt ihre Tante Heidi wieder ab, denn das Mädchen soll nun der gelähmten Klara in Frankfurt am Main eine Gefährtin sein. So erlernt Heidi zwar das Lesen, geht dafür aber fast am Heimweh zugrunde – und erst zurück in den Schweizer Alpen wird endlich wieder alles gut… Die neue Verfilmung fasst die beiden Romane „Heidis Lehr- und Wanderjahre“ und „Heidi kann brauchen, was es gelernt hat“ in – vor allem im zweiten Teil – recht geraffter Form zusammen.

Warum ich Heidi für einen gelungenen Film fern von Heimatfilmromantik halte, habe ich für meinen Familienfilmtipp auf filmstarts.de aufgeschrieben.

(Fotos: Studiocanal)

Von Kindern und Monstern

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Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war, als ich mit meinen Eltern und Geschwistern Tanz der Vampire gesehen habe. Wir waren jedenfalls noch nicht alle alt genug, denn der Familiensage nach konnte zumindest eines der Kinder anschließend monatelang nicht allein auf Toilette gehen. Zu eindrücklich waren die Vampire doch gewesen, auch zu bedrohlich – und der Humor dahinter war für unsere Kinderaugen noch nicht so recht zu erkennen.

Graf von Krolock, sein Sohn und ihre Abendgesellschaft prägten damit auf lange Jahre, wie ich mir Vampire vorstellte; immerhin waren das konkretere Bilder als die Ideen von mordenden Mumien, die sich im zarten Alter von neun Jahren nach Hören eines Gruselhörspiels in meinem Kopf festgesetzt hatten.

Das war es dann damals auch schon. Mit weniger Fernsehprogrammen und ohne Videorekorder waren mir seinerzeit auch Programme wie Die Munsters verschlossen, sie waren schlichtweg unbekannt. Vielleicht haben die Kinder von heute es da ein wenig besser, weil man für sie eine sanfte Heranführung an die Monstren gewissermaßen handverlesen zusammenstellen kann. Beziehungsweise: Das machen sie schon selbst, wenn sich die Eltern nicht kümmern.

Meine womöglich geringfügig unsortierten Gedanken zu Monster-Kinderfilmen oder Kinder-Monsterfilmen habe ich für meine Kinderfilmkolumne “Sitzplatzerhöhung” auf kino-zeit.de aufgeschrieben.

(Foto: Disney)

Zafir – Der schwarze Hengst (2003)

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Es wäre ein Irrtum zu glauben, in Pferdeabenteuern ginge es meist hauptsächlich um Tiere. Natürlich kann Tierliebe ein zentraler Punkt des Films sein – etwa wenn ein Pferd vor dem Verkauf an einen niederträchtigen Züchter oder sogar vor dem Abdecker bewahrt werden soll. Aber dahinter werden in aller Regel auch noch universellere Themen verhandelt: Probleme in der Familie, die erste Liebe, das Erwachsenwerden – was jugendliche Herzen eben bewegt. Bei Zafir – Der schwarze Hengst (amazon) ist das nicht anders: Die zwölfjährige Anna (Rose Marie Hermannsen) verbringt viel Zeit auf dem Reiterhof und nimmt sogar an Turnieren teil. Am liebsten würde sie auf dem Hengst Zafir reiten, aber das Tier gilt als aufbrausend und unberechenbar. Annas große Schwester ist sogar bei einem Unfall mit Zafir ums Leben gekommen – auch deshalb soll er nun verkauft werden. Doch dann taucht auf einmal das Flüchtlingskind Sharbat (Katrine Schnoor) auf, das immer wieder aus seinem Heim abhaut, um bei den Pferden sein zu können. Dabei scheint Sharbat ein ganz besonderes Gespür für die Tiere zu besitzen, denn von ihm lässt sich Zafir problemlos betreuen.

Warum der dänische Film aus dem Jahr 2003 auch heute noch als kindergerechte Betrachtung zum Thema Flüchtlinge taugt, habe ich in meinem Familientipp zum Wochenende auf filmstarts.de beschrieben.

(Fotos: MFA+)