Nicht hinschauen!

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Wer neugierige Teenager sein eigen Herz und Blut nennt, der kennt vermutlich die Bettelei darum, doch unbedingt diesen Actionfilm sehen zu dürfen, der erst ab 16 Jahren freigegeben ist, oder gar jenen Horrorfilm – und der elterliche Inquisitor, der zu verbieten sich bemüßigt fühlt, ahnt doch im Grunde seines Herzens: Beim besten Freund wird der große Bruder ein etwas weiteres Herz haben – und das passende Alter für die Videothek.

Und trotzdem kommen wir Eltern ja nicht drum herum, diesen und jenen Film für unsere Kinder in bestimmtem Alter verbieten zu wollen und zu müssen. Dass das sinnvoll ist, steht außer Frage – die ersten Gedanken dazu hatte ich mir ja schon in meiner vergangenen Kolumne gemacht.

Weiterlesen: Für meine Kolumne Sitzplatzerhöhung auf kino-zeit.de habe ich mir diesmal Gedanken über Altersgrenzen und Verbote gemacht.

(Foto: Disney)

Schau, was Du willst

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Ab und an stutze ich schon einmal, weil ich merke, dass ich doch bei Filmen, die meine Kinder zu sehen bekommen, so sehr viel wählerischer bin als bei denen, die ich mir selbst zum Vergnügen ansehe. Dabei ist das nicht nur bei Filmen so – auch die Bücher, die ich ihnen vorlese, wähle ich mit Bedacht aus. Das ist natürlich nicht ungewöhnlich – wer seine Kinder nicht regelmäßig und ohne nachzudenken stundenweise vor dem Fernseher parkt, setzt sich vermutlich auch damit auseinander, was die Kinder lesen und anschauen sollen.

Aber die Frage darf erlaubt sein: Warum eigentlich? Denn ich bin da innerlich doch gespalten. In der eigenen Erinnerung sind ja oft genug jene Filmmomente besonders magisch, die nicht unbedingt von den Eltern geplant waren, sondern eher der heimlich ergatterte Film allein oder mit Freunden vorm Videorecorder. Aber noch will ich mir den Luxus nicht nehmen lassen, mir über die Freizeitgestaltung meiner Kinder Gedanken machen zu können.

Weiterlesen: Für meine Kolumne Sitzplatzerhöhung auf kino-zeit.de habe ich überlegt, warum ich mir eigentlich so viele Gedanken darüber mache, welche Filme meine Kinder sehen sollten.

(Foto: Pixar/Disney)

Herr Heuschreck und seine anthropomorphen Freunde

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Der Mensch in Tiergestalt, das Tier mit menschlichem Antlitz, Geist und Willen, sprechend noch dazu – das mag es vorher schon ein wenig gegeben haben, in Zeichnungen und Cartoons, zur Konstante unseres kulturellen Outputs ist es aber doch erst so richtig durch den Film geworden, genauer: den Animationsfilm. Und dann war es, als es endlich mal den Tonfilm gab, immer noch ein weiter Weg von Steamboat Willie zu Rango, vom ersten Auftritt von Micky Maus bis hin zu den ironischen Westernabenteuern dieses seltsamen Chamäleons.

Nimmt man diese beiden Filme in den Blick, erscheint es vielleicht ein wenig ungewöhnlich, dass anthropomorphe Tiere erst einmal automatisch dem Kinderfilm zugeordnet werden. Dabei waren – einen dezidierten “Kinderfilm” gab es ja lange gar nicht – die Trickfilme auch und vor allem für Erwachsene gedacht. Ein schönes Beispiel dafür ist Hoppity kommt zurück (früher auch als Herr Heuschreck geht in die Stadt bekannt, im Original: Mr. Bug Goes to Town), ein ästhetisch einigermaßen possierlicher Film von 1941.

Weiterlesen: Meine ganze Kinderfilm-Kolumne Sitzplatzerhöhung hier bei kino-zeit.de.

Hoppity kommt zurück ist gerade frisch in der Cartoon Classics Edition neu erschienen (amazon). (Foto: Universum Film)

Mary Poppins, Konterrevolutionärin

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Es könnte sein, dass man sich mit der Elternschaft auch eine gehörige Portion Nostalgiefühligkeit einhandelt. So wie die Soziologen und Psychologen ja auch beobachten, dass man nach Geburt eines Kindes gerne in die geschlechtsspezifisch abgeguckten Verhaltensmuster verfällt – Mutti macht allein die Kinder und den Haushalt, während Papi im Büro Überstunden schiebt –, so greift man wohl auch für Filme (und Bücher und Musik und …) auf die Erinnerungen aus der eigenen Kindheit zurück. Das ist ja nicht mal verwerflich: Was aus mir keinen schlechten Menschen gemacht hat, kann so schlimm ja nicht sein.

Wenn man sich dann den Medienkonsum der eigenen Kindheit erstmals mit dem reflektierten Bewusstsein des Erwachsenen ansieht, kann man auch schon mal die eine oder andere Überraschung erleben. Der König der Löwen? Eine brutale Rachegeschichte. Wie ja überhaupt Disney-Streifen nicht unbedingt ein Hort progressiver Gesellschafts- und Geschlechtermodelle sind oder diese Sache mit der geschichtlichen Genauigkeit immer so eng sehen. Pocahontas, I’m looking at you. Wie wäre es stattdessen mit Kult-Abenteuern? Die Goonies? Kämpft mit so einigen rassistischen Stereotypen. Und so weiter.

Meine ganze Kinderfilm-Kolumne Sitzplatzerhöhung hier bei kino-zeit.de

(Foto: Disney)

Macht der Erzählung

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Journalist_innen haben, das werden Sie wissen, oft die Möglichkeit, Filme vorab in speziell für sie anberaumten Kinovorstellungen zu sichten, und wenn es sich dabei um Kinderfilme handelt, dürfen sie häufig Nachwuchs mitbringen. Das ist natürlich eine schöne Möglichkeit, das Angenehme (Kinderbespaßung) mit dem Nützlichen (Filmsichtung) zu verbinden; was genau sich die PR-Abteilungen davon versprechen, ist nicht immer ganz klar. Und so verließ ich denn auch vor einiger Zeit die Pressevorführung von Wickie und die starken Männer bereits nach einer Viertelstunde mit zwei sehr aufgewühlten, mit den Tränen kämpfenden Erstklässlern. Nur unter Einsatz größerer Mengen Eiscreme war es mir möglich, die kindlichen Emotionen wieder in den Griff zu bekommen.

Die beiden hatten schlichtweg Angst. Der für Kinder ab 0 Jahren freigegebene Film beginnt mit einigen recht dramatischen Szenen (Geiselnahme, Gefangenschaft), die in dunklen Bildern und mit dräuender Musik gezeigt werden, das Ganze noch verstärkt durch den 3D-Effekt. Das ist offenbar – und ich kann das gut nachvollziehen – noch für Sechsjährige ganz schön starker Tobak.

Wie viel Angst und Schrecken können, wollen und müssen wir unseren Kindern im Kino zumuten? Darüber habe ich mir in meiner Kinderfilm-Kolumne Sitzplatzerhöhung auf kino-zeit.de ein wenig Gedanken gemacht – und freue mich über Rückmeldungen.

(Foto aus Paranorman: Universal Pictures International)

Im Schreckenstal der Prinzessinnenakademie

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So ein Schulspind ist toll, da ist alles drin, was man braucht. Gerade eben noch wurde Blair von einer Mitschülerin wegen ihrer von zuhause mitgebrachten Kleidung gehänselt, schon eröffnen sich ihr die Möglichkeiten, die dieser kleine Schrank bietet: Alles was eine Schülerin der Prinzessinnenakademie braucht. Bücher, Stifte, Schminkutensilien, die neueste Glitzertaschenkollektion, und dann schließlich auch Bürsten, Schuhe, Parfum und so weiter und so fort. Willkommen in der Welt von Barbie.

Es war ein Selbstversuch: Ist es wirklich so schlimm, sich vier Filme lang in rosa und pink zu wälzen? Würde da überhaupt alles rosa und pink sein, oder sind das alles Vorurteile? (Es sind Vorurteile. Barbie kennt auch noch andere Farben, so lange es Pastelltöne sind.)

Meine neue Kinderfilm-Kolumne Sitzplatzerhöhung ist auf kino-zeit.de erschienen. Hier bitte weiterlesen!

Foto: Mattel