Mehr Freiheit, mehr Ruhe, zum Donnerdrummel!

Ich neige über Weihnachten und zum Jahreswechsel zur Nachdenklichkeit. Das ist gewiss nichts, was mich besonders aus der großen Masse heraushebt, auch wenn die Gedanken – die sich gerne in Vorsätzen für das neue Jahr und schmalzigen Filmabenden äußern – vermutlich sehr häufig in Geschäftigkeit ertränkt werden. Jedenfalls hat es bei mir, glaube ich wenigstens, nicht einmal besonders viel mit den konkreten Feiertagen zu tun, die begangen werden, sondern eher damit, dass ich endlich einmal Zeit habe, Gedanken überhaupt ein wenig im Gehirn hin- und herschaukeln zu lassen.

Eltern wissen, vielleicht noch genauer als andere Menschen, wovon ich rede. Vielleicht ist es aber natürlich auch die Jahreszeit: Man kann einfach weniger unternehmen, ist durch Sturm oder Schnee vielleicht sogar im Heimischen gefangen. So wie die Mattis-Räuber in Ronja Räubertochter, den wir heuer zwischen den Jahren mit den Kindern angesehen haben. Als der Winter einbricht und die Wolfsklamm, der Weg zur Burg, nicht mehr passierbar ist, fragte das jüngere Kind: Und was machen sie dann die ganze Zeit?

Zur Antwort sieht man sie in der nächsten Szene essen, tanzen und (nicht immer ganz perfekt) singen, aufs Beste unsere Antwort untermalend: Sie müssen sich halt unterhalten. Ronja Räubertochter ist ein beglückender Film, und diese Sichtung mit Kindern war eine sehr erhellende Erinnerung daran, was ihn so besonders macht und von vielen anderen Kinderfilmen überdeutlich absetzt.

Was das genau ist, habe ich in meiner Kolumne für kino-zeit.de genauer aufgeschrieben.

(Foto: Jugendfilm)

Sequelitis und Mutlosigkeit: Eine Art Rückblick auf den deutschen Kinderfilm 2017

Das ist noch nicht meine Top/Flop-Liste, aber am Jahresende habe ich mir für kino-zeit.de darüber Gedanken gemacht, was sich im deutschen Kinderfilm 2017 so getan hat. Und man könnte, mit Blick auf Conni & Co 2 – Das Geheimnis des T-Rex, einigermaßen erleichtert sagen: Na, Gott sei Dank, es war dann doch nicht alles so schlimm wie dieser Film. Natürlich ist das einerseits richtig, andererseits beleuchtet Conni & Co 2 schon einige der Probleme, die man im Kinderfilm hierzulande (und nicht nur dort, aber das ist eine andere Geschichte) immer wieder beobachten kann.

Namentlich: Sequelitis, grassierende Literaturverfilmungen und eine generelle Mutlosigkeit, mal etwas anders zu machen als 08/15. Bitte lesen Sie hier meine unterhaltsame Hintereinanderreihung von Flüchen über den deutschen Kinderfilm 2017.

(Das Bedauerliche: Der Text schließt auf gewisse Art nahtlos an mein Geheul von April 2016 an.)

(Foto: Warner Bros. Entertainment)

Goldene Zeiten im Animationsfilm

Vielleicht war es der Moment, als die Gruppe Waisenkinder beim Winterausflug plötzlich stehenblieb. Alle blickten der Mutter nach, die mit ihrem Kind spricht, und in ihren großen Augen spiegelt sich Sehnsucht und Traurigkeit und Verzweiflung und Hoffnung. Vielleicht war es das aufregende Erlebnis, als sich Kubos Origami-Papierchen, von seiner Musik getrieben, zu Figuren falten und eine Geschichte ausagieren, vom tapferen Kämpfer und gefährlichen Monstren.

Diese zwei Szenen aus Mein Leben als Zucchini und Kubo – Der tapfere Samurai gehören zu den größten Augenblicken im Animationskino der vergangenen Monate. Und die beiden Filme stehen exemplarisch für die Pole, zwischen denen Animationsfilme pulsieren könne: Der eine ein ruhiges Drama, so melancholisch und ernsthaft wie lebensbejahend, der andere ein actionreiches Abenteuer mit phantastischen Figuren, Magie und Schwertkämpfen. Beide erzählen in wunderschönen, poetischen Bildern komplexe Geschichten mit Stop-Motion-Animation auf dem Stand der Zeit.

Ich durfte am Sonntag das zehnte Türchen des diesjährigen Adventskalenders auf kino-zeit.de befüllen und habe dafür ein Loblied auf den Animationsfilm im frühen 21. Jahrhundert geschrieben.

(Foto: Polyband)

Mehr Albernheit! Nicht nur im Kinderfilm

Albernheit widersetzt sich den (vor allem: gesellschaftlichen) Erwartungen, indem sie sich weigert, Verhaltensregeln und Respektspersonen besonders ernst zu nehmen. Und wenn man ein wenig darüber nachdenkt, so ist gezielte Albernheit, so begeisternd sie auch sein mag, im Film zunächst einmal nicht besonders häufig. Denn Albernheit hat keinen besonders guten Ruf – schon historisch nicht. Während Horaz sie dem Vernehmen nach zumindest „im rechten Moment“ (um den sich Albernheiten eigentlich nicht scheren sollten) „köstlich“ fand, gilt sie heute meist als „kindisch“, jedenfalls oberflächlich und wenig erudiert.

Für meine jüngste Kolumne auf kino-zeit.de habe ich mir angeschaut, warum Albernheit im Kino einen so schlechten Ruf hat – und habe am Beispiel von Filmen wie Captain Underpants, Quatsch und die Nasenbärbande eine Lanze dafür gebrochen, auch mal für “Erwachsene” etwas mehr Albernheit zu wagen.

(Foto: 20th Century Fox/Dreamworks)

Kolumne: Über Whitewashing und Liliane Susewind

Liliane Susewind wird verfilmt – im deutschen Kinderkino eigentlich eine Nachricht, die mehr als leichtes Kopfnicken verursachen sollte, schließlich werden hier alle erfolgreichen Kinderbuchreihen verfilmt, die nicht bei drei auf den Bäumen sind. Für hochgezogene Augenbrauen darf allerdings sorgen, dass eine Hauptrolle, die im Buch als Schwarz beschrieben wird, nun mit einem weißen Schauspieler besetzt wurde. Die Details und Diskussionen habe ich in meiner Kolumne auf kino-zeit.de aufgeschrieben.

Interessant ist vielleicht noch, dass zwei meiner Fragen an die Produktionsfirma Dreamtool Entertainment nicht direkt beantwortet wurden:

      “Wurde im Rahmen des Castings speziell nach einem schwarzen Darsteller für die Rolle gesucht?” – Hier drückte sich Produzent Felix Zackor um eine klare Aussage und schreibt nur: “Beim Casting wurde nach den besten Kindern im richtigen Alter gesucht.”
      “Wie steht Dreamtool Entertainment zu dem Vorwurf, Kommentare und kritische Anmerkungen auf der Facebook-Seite des Untrernehmens seien gelöscht, die entsprechenden Nutzer geblockt worden?” – Auf diesen (dokumentierten) Vorwurf geht Zackor gar nicht ein, sondern antwortet mit Schönwetterformulierungen: “Zu Fragen hat Dreamtool Entertainment bei Facebook schnell, sachlich und ausführlich Stellung genommen und das Thema dann in vielen persönlichen Gesprächen mit unterschiedlichen Beteiligten vertieft. Für uns ist Feedback stets wertvoll, denn die filmische Arbeit – wie auch die Arbeit von Buchautoren – lebt vom respektvollen Diskurs mit Lesern und Kino-Fans.”

Naja.

Look away! Sieh nicht hin!

Ich schließe jetzt mal eine Wette ab: Eine Reihe betrüblicher Ereignisse wird meinem ältesten Kind sehr, sehr gefallen.

Das ist ein gewisses Wagnis. Obgleich es sich in abenteuerlichem Tempo durch Bücher fräst, kennt das Kind die Buchvorlage von Lemony Snicket (bürgerlich: Daniel Handler) nicht, so dass seine Meinung hieraus nicht vorherzusagen ist; und genauso wenig sind meine Vorhersagen bezüglich des sehr wählerischen kindlichen Geschmacks wirklich zuverlässig. Ich – Einfach Unverbesserlich 2 mochte das Kind natürlich (klar, so witzig wie Teil 1, aber nicht so doof wie Die Minions), aber bei Herrscher der Zeit lag ich voll daneben. Da war wohl meine eigene Seherfahrung vor dreißig Jahren Vater des Gedankens.

Aber: Das Kind liebt Philip Ardagh. Spezifischer: Es liebt Herr Urxl und das Glitzerdings, “Rauschebart” Ardaghs fundamental bizarre (und von Harry Rowohlt, lasst uns seine Erinnerung preisen, so präzise wie komisch übersetzte) Geschichte über ein kleines Dorf und den seltsamen, stark riechenden Außenseiter Herr Urxl.

Warum die Netflix-Serie Eine Reihe betrüblicher Ereignisse gut für Kinder ist – und jedenfalls weder so unterkomplex noch so behütend-langweilig wie sonst im Kinderfernsehen und -film üblich, habe ich für meine Kolumne auf kino-zeit.de genauer aufgeschrieben.

(Fotos: Netflix)