Look away! Sieh nicht hin!

Ich schließe jetzt mal eine Wette ab: Eine Reihe betrüblicher Ereignisse wird meinem ältesten Kind sehr, sehr gefallen.

Das ist ein gewisses Wagnis. Obgleich es sich in abenteuerlichem Tempo durch Bücher fräst, kennt das Kind die Buchvorlage von Lemony Snicket (bürgerlich: Daniel Handler) nicht, so dass seine Meinung hieraus nicht vorherzusagen ist; und genauso wenig sind meine Vorhersagen bezüglich des sehr wählerischen kindlichen Geschmacks wirklich zuverlässig. Ich – Einfach Unverbesserlich 2 mochte das Kind natürlich (klar, so witzig wie Teil 1, aber nicht so doof wie Die Minions), aber bei Herrscher der Zeit lag ich voll daneben. Da war wohl meine eigene Seherfahrung vor dreißig Jahren Vater des Gedankens.

Aber: Das Kind liebt Philip Ardagh. Spezifischer: Es liebt Herr Urxl und das Glitzerdings, “Rauschebart” Ardaghs fundamental bizarre (und von Harry Rowohlt, lasst uns seine Erinnerung preisen, so präzise wie komisch übersetzte) Geschichte über ein kleines Dorf und den seltsamen, stark riechenden Außenseiter Herr Urxl.

Warum die Netflix-Serie Eine Reihe betrüblicher Ereignisse gut für Kinder ist – und jedenfalls weder so unterkomplex noch so behütend-langweilig wie sonst im Kinderfernsehen und -film üblich, habe ich für meine Kolumne auf kino-zeit.de genauer aufgeschrieben.

(Fotos: Netflix)

Die drei besten Kinderfilme aller Zeiten

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Das ist natürlich ein hyperbolischer Titel, der so auch nicht stimmt; aber wenn man Abschied nimmt von etwas (wie ich vergangene Woche nach zwei Jahren von meiner Kolumne “Familientipp zum Wochenende” auf filmstarts.de), dann darf man schonmal etwas dramatisieren. Und es schadet natürlich auch nicht, zu diesem Anlass auch noch drei Filme anzupreisen, die vorher in der Kolumne noch keinen Platz gefunden hatten, aber eindeutig angepriesen und empfohlen werden sollten. Tipps halt.

Ach, und die Jahreszeit passt ja auch. Oder, wie es Herr Buddenbohm schrieb:

Da ist es, wenn man die Empfehlungen auch als Geschenkvorschläge verstehen möchte, vielleicht keineswegs zufällig, dass von den drei Filme, die ich auf filmstarts.de vorstelle, zwei sich auch schon unter meinen (hoffentlich und anscheinend recht zeitlosen) vorweihnachtlichen Geschenkvorschlägen, die ich vor drei Jahren hier zusammengestellt hatte.

Der einzige, der damals noch fehlte, war Horton hört ein Hu, den ich wahrscheinlich schlichtweg noch nicht kannte, sondern erst irgendwann im Lauf der letzten zwei Jahre oder so gesehen habe. Was für ein großartiger Film! Irgendwie natürlich ein recht gewöhnlicher Animationsfilm aus dem Computer, aber er atmet doch, durch alle Modernisierungen hindurch, sehr den Geist von Dr. Seuss, auf dessen Erzählung Horton hears a Who das Ganze beruht. Und wenn man nur minimal an der Oberfläche dessen kratzt, was der Film so über die nur vermeintlich schlichte Handlung (voll tauglich für Kinder ab 5 Jahren) an Bedeutungen trägt und um sich schleudert, dann sieht man auch sofort, wie politisch der Film letztlich ist.

Das gilt natürlich gleichermaßen für Ernest et Célestine, den ich hier schon wiederholt gepriesen und gelobt habe, man kann das auch eigentlich nicht genug tun. Vordergründig wieder sehr einfach: Ernest, Bär, und Célestine, Maus, freunden sich an. Das darf aber eigentlich nicht sein, weil Bären und Mäuse nicht nur in strenger Trennung voneinander, sondern auch in großer Angst voreinander leben. Und so wird aus einer Zufallsbekanntschaft (mehr aus Notwendigkeit zunächst denn aus Zuneigung) ganz schnell sozialer Sprengstoff, der auch reichlich Action auf die Leinwand bringt – allerdings in zurückhaltenden, sanften Zeichnungen. Ein Glück und ein Kleinod des europäischen Animationskinos (ab 6 Jahren).

Zum Abschluss dann noch ein Film für die etwas älteren Kinder: Flottes Actionkino mit Sequenzen, bei dem sich die Fingernägel vor den Zähnen in Acht nehmen sollten. Kletter-Ida ist hierzulande leider ziemlich unbekannt, aber ganz und gar zu Unrecht. Ohne großen Schnickschnack und ohne wilde Effekte geht es hier ums Ganze: Ida und ihre zwei Freunde müssen eine Bank ausrauben, damit sie die Operation für Idas schwerkranken Vater bezahlen können. Nur leider müssen sie am Abend des Bankraubs auf Idas kleinen Babybruder aufpassen… Es geht rasant zu, witzig und ein bisschen romantisch, alles sehr dänisch-direkt, nie peinlich und, na klar, mit Happy End. Hach! (Empfohlen ab 8 Jahren.)

So. Und wem das alles noch nicht genug Vorschläge sind: hier gibt es noch mehr, die besten Kinderfilme überhaupt (bestimmt)!

(Foto: Ascot Elite)

Der Gigant aus dem All (1999)

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Ein 15 Meter hoher Roboter stürzt aus dem All ins Meer, nicht weit entfernt von der amerikanischen Küste! Es sind die 1950er Jahre, Sputnik umkreist noch die Erde und im überall im Westen herrscht Angst vor der kommunistischen Sowjetunion. Der neunjährige Einzelgänger Hogarth trifft durch Zufall auf den gigantischen Blechmann, der sich als fühlendes, sanftes Metallwesen entpuppt. Hogarth bringt ihm nicht nur das Sprechen bei, sondern auch, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Das geht so lange gut, bis die US-Regierung in ihrer Kommunisten-Paranoia ein riesiges Militärarsenal gegen den Gigant aus dem All aufmarschieren lässt…

Regisseur Brad Bird hat erzählt, dass er bei seinem ersten Animationsfilm Der Gigant aus dem All damals alles anders machen wollte, als es in Hollywood und speziell bei Disney üblich war: keine Prinzessinnen, kein Gesang, ein bedachteres Tempo, ernsthafte Themen. Dabei kam dem Filmemacher damals zu Gute, dass man bei Warner eh nicht so recht wusste, was man mit dem Projekt eigentlich anfangen soll.

Was daraus für ein wunderbarer Film entstand, hatte ich für meinen letzten Familientipp auf filmstarts.de ausführlich aufgeschrieben.

Der Gigant aus dem All (The Iron Giant), USA 1999. Regie: Brad Bird, 86 Minuten, FSK 6. Kinostart 16.12.1999. Empfohlen ab 8 Jahren.

(Fotos: Warner)

Findet Dorie (2016)

FINDING DORY

Schon wieder eine Rettungsaktion quer durch den Ozean? Schaut man nur auf die sich sanft wellende Oberfläche, wirkt der neueste Pixar-Streich Findet Dorie im ersten Moment wie ein bloßer Aufguss seines Vorgängers Findet Nemo. Einfach den Sidekick zur Hauptfigur gemacht, ein paar Actionsequenzen mehr eingebaut und fertig ist das Erfolgs-Sequel.

Aber ganz so einfach haben es sich Regisseur Andrew Stanton und seine Teammitglieder dann zum Glück doch nicht gemacht. Indem Dorie, die Palettendoktorfisch-Dame mit einem beispiellos-schlechten Gedächtnis, zur Hauptfigur wird, bekommt auch das zentrale Thema des ersten Films ganz neue Facetten. Hier wie dort geht es um Familie, Freunde und Zusammengehörigkeit: Außer Marlin und Nemo hat Dorie ja niemanden, nur eine große Sehnsucht, von der sie nicht weiß, woher sie stammt. Als nun überraschend Erinnerungen an ihre Kindheit in ihr hochkommen, macht sie sich deshalb Schwanz über Kopf auf den Weg, um ihre eigenen Eltern wiederzufinden.

Es braucht dann eine ganze Reihe glücklicher Zufälle, um die Fischdame auch nur in die Nähe ihres Heimatsortes am anderen Ende des Ozeans zu bringen, aber bei Pixar ist das Universum gnädig – und liefert ihr zudem mit dem sehr knarzigen, immer schlecht gelaunten Hank eine der witzigsten Figuren der jüngeren Kinogeschichte.

Weiterlesen: Meine vollständige Empfehlung gibt es in der heutigen Ausgabe meiner alle 14 Tage erscheinenden Familientipp-Kolumne auf filmstarts.de.

(Fotos: Disney)

Pets (2016)

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Solche urbanen Legenden gibt es in vielen Großstädten: In der menschenleeren Kanalisation sollen sich all die verlassenen Haustiere tummeln, die einst von ihren Besitzern ausgesetzt wurden – besonders Krokodile kommen in solchen Geschichten oft vor, aber auch Spinnen, Schlangen und Kaninchen. Doch selbst wenn das alles Quatsch sein mag, taugen diese Legenden doch als perfekte Prämisse für einen Animationsfilm: In der Welt von Pets (von den Machern der Minions, die im Vorfilm Rasenmäher-Minions als Vorgartenpfleger auftreten) führen Haustiere ein geheimes Leben, sobald Herrchen und Frauchen die Wohnung verlassen.

Da legt dann der gesittete Pudel erst mal in voller Lautstärke Heavy-Metal-Musik auf, ein Kanarienvogel träumt vor dem Ventilator von wilden Flügen durch windige Canyons – nur der anhängliche Hund Max sitzt den ganzen Tag vor der Tür und wartet auf die Heimkehr seines Frauchens. Der Terrier ist also nicht gerade das abenteuerlustigste Tier, doch dann bringt seine Besitzerin eines Abends den großen, haarigen Streuner Duke mit nach Hause – und Max wird von Eifersucht übermannt.

Was Pets so unterhaltsam macht, und warum es nicht einfach Toy Story auf vier Beinen ist: meine Kolumne auf filmstarts.de.

(Foto: Universal)

BFG – Big Friendly Giant (2016)

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Ich habe Roald Dahl zuerst im Englischunterricht kennengelernt, weil unser Lehrer es genoss, uns vor den Ferien die sehr schwarzhumorigen Kurzgeschichten vorzulesen, für die der Autor in Deutschland am bekanntesten ist: Küsschen, Küsschen und wie die Bände alle heißen. Dass Dahl auch viele Kinderbücher geschrieben hat, ist mir hingegen erst viel später aufgefallen, als ich nach Büchern suchte, die ich meinen eigenen Kindern vorlesen könnte. Aber auch in diesen sehr charmanten Büchern dringt immer etwas von dem Dahlschen Schalk, seiner Freude an kleinen Gemeinheiten durch – von seinem Sprachwitz und seiner Fabulierlust ganz zu schweigen.

Sein The BFG, hierzulande als Sophiechen und der Riese nicht allzu bekannt, gehört in Großbritannien gewissermaßen zum Kinderbuchkanon. Nun hat sich Steven Spielberg des Big Friendly Giant angenommen, ein sehr amerikanischer Regisseur mit einer ganz eigenen Weise, Geschichten für Kinder zu erzählen – und das vor allem auch mit hohem technischen Aufwand. Die riesenhafte Titelfigur jedenfalls ist zwar mittels „Motion Capture“ am Computer entstanden, aber Mark Rylance verleiht ihr nicht nur ihre Mimik, sondern auch eine Seele. Aus der Kombination Dahl/Spielberg entsteht ein abenteuerlicher, lustiger, insgesamt ziemlich gelungener Film, der nur dann immer wieder kurzzeitig irritiert, wenn Dahls britisches Understatement und die pompöse Hollywood-Inszenierung allzu offensichtlich aufeinanderprallen.

Nicht ohne Angstgefühle und Grusel ist BFG – Big Friendly Giant zu haben – meine Empfehlung zum Wochenende auf filmstarts.de.

(Fotos: Constantin Film)