Kauwboy – Kleiner Vogel, großes Glück (2012)

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Der zehnjährige Jojo (Rick Lens) lebt allein mit seinem Vater Ronald (Loek Peters) in einem kleinen niederländischen Ort auf dem Land; die Mutter ist fort. Jojo ist viel allein zu Hause, während der Vater sein Geld als Wachmann verdient. Dann hört der Junge die Musik seiner Mutter, abends und nachts sieht man ihn auch mit ihr telefonieren, davon erzählen, wie glücklich und entspannt sein Vater sei, auch wenn wir zugleich sehen, dass dem nicht so ist; als bereite er die Rückkehr der Mutter vor. Im gleichen Geiste bereitet er eine Geburtstagsfeier für sie vor, der sich der Vater aus unerfindlichen Gründen entgegenstellt.

Jojos Leben beginnt sich dann zu ändern, als er eine junge Dohle aufsammelt, die aus dem Nest gefallen war, und sich mit Yenthe (Susan Radder) anfreundet, die neu in seinen Wasserball-Verein gekommen ist. Aber das Verhalten aller Figuren scheint in diesem Film seltsam dunkel und unverständlich zu sein; bis nach ziemlich genau einer Stunde jemand eine Wahrheit ausspricht, die sonst niemand zu sagen wagt. Dann wird Kauwboy schlagartig auch rückblickend klar und blendend und tieftraurig. „Kauwboy – Kleiner Vogel, großes Glück (2012)“ weiterlesen

Im Schreckenstal der Prinzessinnenakademie

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So ein Schulspind ist toll, da ist alles drin, was man braucht. Gerade eben noch wurde Blair von einer Mitschülerin wegen ihrer von zuhause mitgebrachten Kleidung gehänselt, schon eröffnen sich ihr die Möglichkeiten, die dieser kleine Schrank bietet: Alles was eine Schülerin der Prinzessinnenakademie braucht. Bücher, Stifte, Schminkutensilien, die neueste Glitzertaschenkollektion, und dann schließlich auch Bürsten, Schuhe, Parfum und so weiter und so fort. Willkommen in der Welt von Barbie.

Es war ein Selbstversuch: Ist es wirklich so schlimm, sich vier Filme lang in rosa und pink zu wälzen? Würde da überhaupt alles rosa und pink sein, oder sind das alles Vorurteile? (Es sind Vorurteile. Barbie kennt auch noch andere Farben, so lange es Pastelltöne sind.)

Meine neue Kinderfilm-Kolumne Sitzplatzerhöhung ist auf kino-zeit.de erschienen. Hier bitte weiterlesen!

Foto: Mattel

Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig (2005-2009)

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Eines Tages dachte Tom an ein leckeres Erdbeermarmeladebrot mit Honig.

Bei uns läuft der Fernseher de facto … gar nicht. Genau genommen haben wir nicht einmal so ein richtiges Fernsehgerät, und was als solches fungieren kann, ist zugleich mein Zweitmonitor und jedenfalls nichts, was im Alltag als Fernseher sichtbar wäre. (Das Gerät steht außerdem und auch deshalb im Arbeitszimmer.) Nachrichten gibt’s, Mediathek und Livestream sei Dank, meist vom Laptop. Aber ich schweife ab.

Jedenfalls mag das erklären, warum mir ein solches Kleinod wie Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig bisher entgehen konnte, das doch auf dem Sender Kika einen durchaus regelmäßigen Sendeplatz zu haben scheint – für eine Sendung mit insgesamt gerade einmal 52 Folgen, jede einzelne gerade fünf Minuten lang, ist das kein schlechtes Schicksal. „Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig (2005-2009)“ weiterlesen

Feuerwehrmann Sam (2008-)

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Feuerwehrmann Sam arbeitet in einer kleinen Feuerwache in einem kleinen walisischen Dorf nahe der Küste, in dem wirklich alles sehr generisch ist; damit die Tage nicht gänzlich ereignislos dahingehen, gibt es z.B. den rothaarigen Norman Price, der gerne allerlei Dinge anstellt, die dann unwillkürlich oder wegen Unachtsamkeit in mittelschweren Katastrophen münden, welche wiederum Feuerwehr oder nahe Bergwacht stets zu begrenzen wissen, bevor es wirklich irgendwem weh tut. Ansonsten noch Teil des Theaters: Normans Mutter, die den lokalen Supermarkt betreibt und die Karikatur einer britischen Hausfrau sein soll, sowie Normans Freundin Mandy, deren Mutter auch noch die lokale Ersthelferin und Krankenschwester ist. Und noch einige Nebenfiguren mehr.

Den derzeit erhältlichen (amazon) relativ neuen Folgen gingen schon einige Staffeln voraus, wie sich im sehr ausführlichen englischsprachigen Wikipedia-Artikel nachlesen lässt; und wenn man die Folgen in der Originalfassung ansieht, gewinnen sie in der Tat durch den Akzent und die Sprechweise der Figuren noch ein wenig Charme. Vor allem aber erfährt man dort, dass der (vor allem feuerpräventive) didaktische Ansatz der Serie schon immer dazu gehörte. (Wer je in Großbritannien gelebt hat, erinnert sich vielleicht an Feuerzeuge, auf denen vor Brandgefahr gewarnt wird.) „Feuerwehrmann Sam (2008-)“ weiterlesen

Die Goonies (1985)

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In der Rücksicht erscheint es mir so, als seien Die Goonies schon immer Teil meiner Kindheit gewesen sein. Aber die Geschichte weiß eine einfache Antwort darauf: der Film kam erst 1985 heraus, so dass ich ihn erst gesehen haben kann, als ich das Alter von zwölf Jahren auch erreicht hatte, dass man haben muss, um den Film legal sehen zu dürfen.

Wie die Fügung es will, war das auch das Jahr, in dem ich meinen Heimcomputer bekam, einen Commodore 64, und das Spiel „Die Goonies“ ist eine jener Vergnügungen, die mir von damals immer noch sehr in lebendiger Erinnerung geblieben ist. – Hier kann man jemandem dabei zusehen, der es ganz durchspielt: „Die Goonies (1985)“ weiterlesen

Der kleine Rabe Socke (2012)

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Der kleine Rabe Socke ist, wie soll man das sagen: Kein Kind von Traurigkeit? Nicht eben der nachdenkliche Typ? Ach, machen wir kein großes Federlesen drum: er ist frech, vorlaut, von sich selbst eingenommen und gelegentlich schlicht und ergreifend rücksichtslos. Er lügt und schummelt und nutzt auch schon mal seine Freunde schamlos aus, wenn er das brauchen kann. Nur richtig bösartig, das ist er eben eigentlich nicht, er hat auch Angst, vor allem vor dem Alleinsein, nur eingestehen kann er das weder sich selbst noch seinen Freunden so richtig. Und damit ist er: eine ganz und gar großartig ambivalente Figur, sicher in höchstem Maße zur Identifikation geeignet, denn wie sollte ein Rabe mit gestreifter Socke noch näher an unseren eigenen Schwächen sein?

Für den bezaubernden Animationsfilm Der kleine Rabe Socke durchlebt Socke nun ein besonderes Abenteuer: Weil er ein wenig zu forsch dabei vorgeht, sich aus dem Staudamm oberhalb der Siedlung im Wald Holz für seine eigenen Zwecke zu rupfen, bringt Socke alle in Gefahr. Der Staudamm droht zu bersten, und da können nur die Biber noch helfen. Die aber wohnen außerhalb des Waldes, wo noch keiner von Sockes Freunden war; mit Tricks und Mühen überredet er Wolle und Eddi, mit ihm zu kommen – aber auch dann ist es noch nicht ganz einfach, die Biber auch nur zu finden. Zumal Socke sich mit seinen Lügengeschichten irgendwann furchtbar selbst im Wege steht. Derweil sind daheim ihre Freunde sehr damit beschäftigt, die Schäden am Staudamm vor Mutter Dachs geheimzuhalten… „Der kleine Rabe Socke (2012)“ weiterlesen