KUKI präsentiert: Ernesto (2011)

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Am Sonntag geht es los! Das 9. Internationale Kinder- und Jugendkurzfilmfestival Berlin öffnet seine Türen mit der Eröffnung um 14 Uhr für eine ganze Woche voller Kurzfilme für klein und sehr klein, die für groß aber keineswegs uninteressant oder langweilig sind. Im Gegenteil! Es gibt jede Menge Kleinode zu entdecken. Als Medienpartner des Festivals zeige ich hier im Blog noch bis kommende Woche freitags einen Kurzfilm, der in den vergangenen Jahren auf dem KUKI lief.

ku9_rgb_de_logo1_bunt-transparent Vor drei Jahren lief dort Ernesto von Corinne Ladeinde, eine witzige kleine Meditation übers Dazugehören und Gruppenzwang – Ernesto hat nämlich als einziges Kind noch alle Milchzähne. Und die wollen auch irgendwie nicht raus. Stattdessen wollen sie… singen.

Schönes Wochenende! (Geht zum KUKI!)

KUKI 2016: Programme, Filme, Festival

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Am Sonntag beginnt in Berlin zum neunten Mal das KUKI, das Internationale Kinder- und Jugendkurzfilmfestival – eine Rarität unter den Festivals. Denn dem KUKI kann man sich, und das heißt insbesondere auch: die eigenen Kinder, mit großem Vertrauen und ohne Angst ganz und gar überlassen. Und das nicht, weil die Filme so harmlos wären, dass man keine Herausforderung fürchten müsste, ganz im Gegenteil. Aber was hier für unterschiedliche Altersgruppen ausgewählt wurde, das möchte man sich nicht nur gerne ansehen, es ist auch wirklich anspruchsvolles, spannendes Kurzkino.

ku9_rgb_de_logo1_bunt-transparent Ich lobpreise das Festival hier nicht etwa deshalb, weil dieses Blog hier in diesem Jahr als Medienpartner auftauchen darf; sondern ich habe mich auf diese Partnerschaft (deren Kern der Austausch von Arbeit und Nettigkeiten ist) im Vertrauen auf die Qualität der Filme eingelassen. Und von allen Filmen, die ich vorab habe sehen können, fand ich dann auch nur einen einzigen wirklich, pardon, fad.

Aber wer das überprüfen mag: Die Vorstellungen des Festivals (nach Altersgruppen gestaffelte Programme mit jeweils mehreren Kurzfilmen) finden bis auf wenige Ausnahmen im Filmtheater am Friedrichshain statt – eine praktische Übersicht nach Tagen gibt es hier. Der Eintrittspreis beträgt im FaF je Programmreihe sehr wohlfeile 3 Euro pro Person. Alle Filme werden in Originalsprache gezeigt, die nicht deutschsprachigen Kinderprogramme werden dabei von professionellen Sprechern live während des Films auf Deutsch eingesprochen. Die Jugendprogramme haben deutsche Untertitel, die Sprachprogramme für Jugendliche (in Englisch, Französisch und Spanisch) laufen im Original mit originalsprachigen Untertiteln.

Und für einen genaueren Einblick hier noch Anmerkungen zu einigen der Filme (in jedem Programm laufen noch wesentlich mehr Kurzfilme), jeweils nach Altersgruppen/Programmreihen sortiert:

Programm für Kitakinder (ab 4 Jahren)

Hier sind naturgemäß eher sehr kurze, klare Filme anzutreffen – gerne mit Tieren. Und gerne Animationsfilme. Diese beiden Beispiele vereinen das, was gute (Klein-)Kinderkurzfilme ausmacht: eine einfache Geschichte, auf ihren Kern reduziert und sofort verständlich, und mit klarer Animation in Bewegung versetzt.

Im deutschen Beitrag Bat Time (Regie: Elena Walf) sucht eine Fledermaus verzweifelt nach Spielgefährten – aber nachts, wenn sie wach ist, schlafen alle Tiere… Natalia Chernysheva, die vor einigen Jahren mit dem wunderbaren Kurzfilm Schneeflocke schon auf dem KUKI zu Gast war, zeigt in diesem Jahr Pautinka über die seltsame Freundschaft einer alten Dame mit einer Spinne.

Filme ab 6 Jahren

Über den sehr großartigen Chika, die Hündin im Ghetto von Sandra Schießl hatte ich schon vor ein paar Wochen in meiner Kolumne über den Holocaust im Kinderfilm kurz etwas geschrieben und mich im Podcast mit der KUKI-Leiterin auch darüber unterhalten.

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Der Kurzfilm bricht mit sehr einfachen Mitteln ein sehr schweres Thema auf die Kinderperspektive herunter – und lässt dabei die eigentlichen Schrecken nicht außen vor, nur gerade so weit außer Sichtweite, dass man es spürt, als Erwachsener auch sieht. Die Verfolgung greift als Motiv bis in die zur Animation verwendeten Materialien ein – ein kleines Meisterwerk und Lehrstück zugleich.

Viel leichter kommt dagegen in dieser Sektion Le dragon et la musique daher, ein Schweizer Film über, nun ja, einen Drachen und die Musik. Aber ganz so einfach ist es auch wieder nicht, weil es eben auch um Konformismus geht, vielleicht sogar Militarismus, um’s eigene Herz und natürlich die Frage, ob man vor Drachen eigentlich Angst haben muss.

Filme ab 8 Jahren

In dieser Sektion wird auch noch einmal Pautinka gezeigt – der geht für fast jedes Alter -, aber auch schon anspruchsvollere, auch längere Kost wie z.B. Mindenki (Sing) von Kristof Deak aus Ungarn. Das ist schon ein kleiner Spielfilm im vertrauten Milieu einer Schule: Zsofi ist neu und möchte gern im Chor mitsingen, der sich gerade auf einen Wettbewerb vorbereitet. Das läuft allerdings anders, als sie es erwartet hat.

Filme ab 10 Jahren

Sehr ambivalente Gefühle hat bei mir Operation Commando von Jan Czarlewski hervorgerufen – und auch bei meinen Kindern. Zwei Brüder fahren gemeinsam in ein Camp, am ersten Tag werden sie gleich in zwei unterschiedliche Teams aufgeteilt, die sich gegenseitig einen Schatz abluchsen sollen – was macht das mit den Geschwistern, die ohne einander eigentlich nicht können? Der Film zeigt Gruppendynamiken und Konflikte, ohne das wirklich aufzulösen und sorgt damit garantiert für Diskussionen – und das ist dann ja wieder, ganz unambivalent, erstmal eine gute Sache.

Dagegen kommt Minoule zunächst scheinbar harmlos daher. Eine Katze will an den Vogel im Käfig heran und klettert und klettert an Häusern herum. Eine tolle Mischanimation aus Zeichentrick und Realfilm, mit Musik unterlegt und Twist am Schluss. Mit vielleicht einem Hauch tierischer Grausamkeit darin.

Umweltprogramm für Kinder ab 8 Jahren

Abschied ist der einzige Film, mit dem ich nicht wirklich etwas anfangen konnte, vielleicht weil er sein Thema – das Verschwinden einzelner Tierarten, Ausrottung, abnehmende Vielfalt – zwar sehr schön mit dem Bild eines vielstimmigen Orchesters illustriert, das dann aber ohne Ecken, Kanten oder Abweichungen einfach nur durchdekliniert. Schöne Idee, wird aber schnell langweilig.

Was man dagegen viel zu wenig sieht: Dokumentarfilme für Kinder. Frank Feustle begleitet in Lotumi und der rote Tanz zwei Jungs, die unbedingt Krieger werden wollen und dafür erst einmal mit den erwachsenen Männern Tiere hüten müssen – kriegerisch ist daran wenig, gelernt wird viel und gewachsen vor allem innerlich. Ein erfrischend nüchterner, freundlicher Blick auf eine Welt, die unserer vielleicht nur geographisch wirklich fern ist.

Und für solche Blicke, kurz, fokussiert und prägnant ist das KUKI immer wieder gut.

(Fotos: KUKI)

Podcast: Über Kurzfilme im Allgemeinen, das KUKI-Festival im Besonderen

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Nachdem ich vor einiger Zeit mich in meinem allgemeinen Filmblog mal am podcasten versucht hatte (ich sehe gerade – das ist über fünf Jahre her!) und vor einiger Zeit bei Kontroversum zu Besuch war, habe ich nun im Gespräch mit Christian vom Second Unit-Podcast nochmal richtig Blut geleckt.

ku9_rgb_de_logo1_bunt-transparent Und habe deshalb dieser Tage mein Aufnahmegerät zum Büro des KUKI-Festivals getragen, um mit der künstlerischen Leiterin Monica Koshka-Stein über das Kinderkurzfilm-Festival zu sprechen, über Kurzfilme für Kinder allgemein, den KUKI-Kurzfilm Chika die Hünding im Ghetto (Bild oben) und vieles mehr.

Hier könnt Ihr Euch das Gespräch anhören.

Das Kinderfilmblog ist Medienpartner des KUKI-Festivals.

(Foto: KUKI-Festival)

Kinderfilmpodcast #001: Interview mit Monica Koshka-Stein vom KUKI-Festival

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Mein erster Podcast-Versuch fürs Kinderfilmblog! Und natürlich verspreche ich mich schon in den ersten zehn Sprechsekunden. Und technische Probleme hatte ich auch, meine Güte!

ku9_rgb_de_logo1_bunt-transparent Was toll ist: meine Gesprächspartnerin. Monica Koshka-Stein (oben (ach!) rechts im Bild) ist künstlerische Leiterin des KUKI-Festivals, das am 13. November in Berlin startet. Wir haben uns über das Festival unterhalten, darüber, wie das KUKI Filme findet und auswählt, was Kurzfilme so können und sollen – und noch so einiges mehr.

Worüber wir gesprochen haben/”Shownotes”:

avatar Rochus Wolff Paypal.me Icon Amazon Wishlist Icon
avatar Monica Koshka-Stein
Feed Enclosure
Podcast Feed: Kinderfilmpodcast (mp3) MP3 Audio
Podcast Feed: Kinderfilmpodcast () MPEG-4 AAC Audio
Podcast Feed: Kinderfilmpodcast (ogg) Ogg Vorbis Audio
Intro- und Outro-Musik: Urbana-Metronica (wooh-yeah mix) by spinningmerkaba (c) copyright 2011 Licensed under a Creative Commons Attribution (3.0) license. Ft: Morusque, Jeris, CSoul, Alex Beroza

(Foto: KUKI)

KUKI präsentiert: Der Maulwurf am Meer (2012)

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Am 13. November beginnt das diesjährige, bereits neunte Internationale Kinder- und Jugendkurzfilmfestival Berlin (KUKI). In Vorbereitung auf das und Zusammenarbeit mit dem Festival zeige ich in den kommenden Wochen als “Kurzfilm zum Wochenende” jeweils einen Film, der in einem der vergangenen Jahre bereits auf dem KUKI gelaufen ist. Wen das nicht überzeugt, dass das Festival allein schon wegen der Qualität der dafür ausgewählten Filme einen Besuch wert ist, dem/der ist nicht zu helfen. ;-)

ku9_rgb_de_logo1_bunt-transparent Wir beginnen diese Woche mit Krot na more von Anna Kadykova. Eine kleine, schweigsame und zugleich sehr sprechende Animation über einen Maulwurf, den die Sehnsucht nach dem Meer packt und vor Ort womöglich feststellt, dass er nicht allein der Versuchung durch schöne Werbung erlegen ist… Macht glücklich und channelt in seinen besten Momenten nicht zuletzt musikalisch Die Ferien des Monsieur Hulot. Der Kurzfilm lief 2013 auf dem KUKI-Festival im Programm für Kinder ab vier Jahre.

Schönes Wochenende!

Michel-Kinderfilmfest: Adama (2015)

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Helles Licht, Brauntöne, Grün, blaues Wasser: Adamas Welt ist voller Farbe. Der 12jährige lebt mit seinen Eltern und seinem großen Bruder Samba ein anscheinend weitgehend sorgenfreies Leben in einem Dorf irgendwo in Westafrika. Geschützt liegt der Ort auf einer Tiefebene, rundherum steile Felswände, dahinter die Welt der Winde: Die Außenwelt, vor der die Älteren im Dorf warnen. Von dort kommt Unglück und Versuchung.

michel-logo Samba will sich damit nicht zufriedengeben. Er sucht die Weite, ist ihrem Ruf längst erlegen, als die Feier zu seiner Initiation unterbrochen wird, weil der Dorfälteste eine Möwe als schlechtes Omen versteht. Noch in der gleichen Nacht bricht er auf, zu einem fremden Volk als Krieger will er dazustoßen – seinen Sold in Goldstücken, den er vorab bekommen hat, lässt er für seine Familie da.

Das Dorf ist am nächsten Morgen in Aufruhr und gibt den aufsässigen jungen Mann verloren. Adama erträgt das nicht: Er greift sich Sambas Gold und läuft ihm hinterher – durch die Wüste zu einer Küstenstadt, in ein riesiges Schiff hinein (dem seinen hinterherfahrend), nach Paris, an die Front…

Wir schreiben das Jahr 1916, die Geschichte von Adama und Samba ist eine fiktionale Variation auf die gern vergessenen Schicksale der „Force noire“ bzw. „Tirailleurs sénégalais“. Frankreich rekrutierte – mehr oder minder freiwillig – in seinen schwarzafrikanischen Kolonien Kämpfer für seine Armeen, die im ersten (und später auch zweiten) Weltkrieg an der Seite französischer Soldaten kämpften.

Adamas Reise führt vom Licht und den offenen, sonnigen Himmeln Afrikas hin zu den wolkenverhangenen Tagen und Nächten in Frankreich, hin zu den zunehmend düsteren, dunklen Schützengräben von Verdun. Regisseur Simon Rouby nimmt sich in seinem ersten Langfilm dabei so einige historische Freiheiten (bis hin zur insgesamt völlig unwahrscheinlichen Erzählung über Adama selbst, die eine Coming-of-Age-Geschichte als Mysteriendrama und Abenteuerfilm erzählt), aber neben seiner eigentlichen Erzählung fungiert der Film erfolgreich als historisches Denkmal.

Die Filmbilder haben stellenweise die Qualität von Ölgemälden – das bewirkt die Produktionsweise der Animationsbilder. Die Figuren wurden zuerst von Hand modelliert und dann als 3D-Modelle per Computer animiert, während die Hintergrundbilder in 2D gemalt wurden. So stechen die Figuren deutlich heraus, wirken aber, als seien sie mit ständig wechselnden Pinselstrichen gemalt, manchmal gar, als seien sie immer neu aus changierendem Lehm geformt. Immer sind sie dicht an der Erde, nie ganz scharf bis ins letzte Detail konturiert: Unvollständig, werdend.

Es gibt viel Ungerechtigkeiten und auch einige Gewalt in diesem Film; am Ende steht eine Auflösung, die wunderbare Rettung sein könnte oder Tod, unendliches Glück oder Wahnvorstellung der Todgeweihten. Man weiß es nicht. Abdu, der Narr, geleitet Adama und Samba, endlich wieder vereint, dorthin; und dieser Narr, von Anfang an unschuldig und wirr, klar und wahnsinnig, erdet alles, was in Adama geschieht. Er warnt vor den falschen Götzen, vor Gier und Irrtum: „Ihr werdet alle ins Feuer geworfen. Rettet diejenigen, die nicht vergessen haben, woher sie kommen.“

Retten, und: gegen das Vergessen anrennen.

Adama. Frankreich 2015. Regie: Simon Rouby. 82 Minuten, empfohlen ab 12 Jahren.

(Fotos: Ocean Films)