1. Advent: Geschenkempfehlungen für Weihnachten

Der Dezember hat begonnen, die erste Kerze brennt – wer sich noch keine Gedanken über Geschenke gemacht hat, fängt jetzt vermutlich an. Für alle, die gerne Kinderfilme verschenken wollen, habe ich für alle Altersstufen von fünf bis zwölf jeweils einen Film ausgewählt, der in den letzten zwölf Monaten auf DVD bzw. Blu-ray erschienen ist. Das sind nicht unbedingt die allerbesten Kinderfilme des Jahres (obwohl, meiner Meinung nach eigentlich schon), aber jedenfalls eine Auswahl verdammt guter Filme.

Zum 2. Advent kommen dann noch ein paar weitere Vorschläge nebst ein paar Klassikern. Wer mag, findet natürlich weitere Ideen in meiner “ewigen” Filmtipp-Liste mit wirklich hervorragenden Filmen oder in der Liste von Kinderfilmen mit starken Mädchenfiguren, die ich vergangenes Jahr zusammengestellt hatte.

Filme zum Fest, best of 2017:

Molly Monster (ab 5)

Molly lebt mit ihren Eltern im Monsterland. Als sich ein neues Geschwisterchen ankündigt, bricht in der Familie freudiger Trubel aus: Das Ei wird Vater Popocatepetel auf der weit entfernten Eier-Insel ausbrüten. Molly soll mit ihren Onkel Alfredo und Santiago zuhause zurückbleiben. Doch als die Onkel gerade mal nicht aufpassen, begibt sich die mutige Monsterin auf eigene Faust zusammen mit Edison auf die Reise.

Die kleine Monsterdame mit dem starken Willen schafft den Übergang von der sehr kleinen Form (Sandmännchen et al.) mit Bravour; Molly Monster – Der Kinofilm (meine ausführliche Kritik) ist ein wirklich zauberhafter, phantasievoller, auch widerspenstiger Kinderfilm für sehr junge Filmfans. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Trolls (ab 6)

Poppy ist die Tochter des Königs der Trolle. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als böse Nachbarn einige Trolle entführen. Mit anderen Trollen macht sie sich auf die gefährliche Reise; Poppys Lebensfreude wird auf die Probe gestellt, und ausgerechnet der pessimistische Branch muss das Glück zurückbringen.

Ich dachte echt, Trolls wird so ein fades Beispiel dafür, wie aus Geldgier und einem uralten Spielzeug ein schrecklich plastikhafter Film entsteht – und musste mich dann sehr überraschen lassen. Trolls ist nicht nur flott erzählt, sondern weder emotional flach noch in seiner Handlung glatt und ohne Widerstände (ich habe das hier schon einmal ausführlicher aufgeschrieben). Und die Lieder, die machen wirklich Spaß. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Vaiana (ab 7)

Vaiana, die von Geburt an eine besondere Verbindung zum Meer in sich trägt macht sich mit dem legendären Halbgott Maui auf die Suche nach einer sagenumwobenen Insel. Auf ihrer faszinierenden Entdeckungsreise erleben sie sagenhafte Abenteuer, ergründen traumhafte Unterwasserwelten und erwecken alte Traditionen zu unerwartet neuem Leben…

Vaiana muss man eigentlich gar nicht weiter vorstellen – es war der Disney-Film (und -Hit) des vergangenen Weihnachtsfests – wahnsinnig unterhaltsam, wirklich spannend und lustig. Aber eben auch gar nicht so wenig ambivalent in seinem politischen Subtext. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Auf Augenhöhe (ab 8)

Der zehnjährige Michi lebt in einem Kinderheim. Eines Tages entdeckt er zufällig einen Brief seiner verstorbenen Mutter an einen gewissen Tom. Michi ist sich sicher: Dieser Unbekannte muss sein Vater sein! Doch die Überraschung ist groß, als er feststellt: Tom ist kleinwüchsig! Tom ist genauso geschockt von seiner unverhofften Vaterschaft. Als sich die beiden schließlich doch auf Augenhöhe begegnen, bringt ein unerwartetes Ereignis noch einmal alles durcheinander…

Eine Seltenheit im deutschen Kinderfilm: Ein Drama, das es sich erlaubt, witzig und traurig zugleich zu sein, das mit den Themen Kleinwüchsigkeit, Ausgrenzung und Elternschaft hantiert, ohne in flache Stereotype abzurutschen. Auf Augenhöhe (hier meine ausführliche Besprechung) wurde von der Initiative “Der besondere Kinderfilm” gefördert und ist der mit Abstand beste der drei Filme, die aus diesem Projekt bisher entstanden sind. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Mein Leben als Zucchini (ab 9)

Zucchini – so lautet der Spitzname eines neunjährigen Jungen, der nach dem Tod seiner Mutter ins Kinderheim muss. Dort wächst er fortan mit anderen Kindern auf und sucht seinen Platz in der Gesellschaft sucht. Das Zusammenleben ist nicht immer einfach, denn auch der freche Simon, die besorgte Béatrice, die schüchterne Alice, der etwas zerzauste Jujube und der verträumte Ahmed haben bereits viel erlebt.

Das ist vermutlich der schönste, berührendste, wunderbarste Animationsfilm des Jahres. Eine überschaubar große Geschichte, in der sich trotzdem Welten bewegen, in der der neunjährige Icare (genannt Zucchini) zuerst zur Vollwaise wird und dann ein neues Zuhause findet, vielleicht sogar ein wenig Glück… in traditioneller Animation wird das gezeigt, durch Figuren mit großen, ausdrucksstarken Augen. Selten waren Knetfiguren so lebendig. (Hier eine noch ausführlichere Lobpreisung.) Auch und gerade für Erwachsene ein Film, an dem man nicht vorbeigehen sollte. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Die rote Schildkröte (ab 10)

Ein Schiffbrüchiger strandet auf einer einsamen Insel. Er baut sich ein Floss, um von der Insel fortzukommen, wird jedoch jedes Mal von einer roten Schildkröte, die sein Holzgefährt zerstört, daran gehindert. Als die Schildkröte eines Tages an Land kommt, versucht der Mann, sie zu überwältigen, so dass seine Flucht endlich gelingen möge. Doch dann geschieht Eigenartiges…

Es fällt kein Wort: Die rote Schildkröte kommt praktisch ohne gesprochene Sprache aus. Die Geschichte von einem Schiffbrüchigen, der sich mit einer roten Schildkröte misst, und aus der Auseinandersetzung wird dann etwas ganz anderes – das ist wie eine große Parabel über das Leben und jedenfalls beglückend schön animiert. Für geduldigere Geister ab 10 Jahren eine Riesenbereicherung. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (ab 11)

Der Autor und Zauberzoologe Newt Scamander, dessen phantastische Abenteuer 70 Jahre vor Harry Potters erstem Hogwarts-Lehrjahr in New York beginnen, hat einen Koffer voller magischer Kreaturen dabei – darf sie aber eigentlich gar nicht mit sich herumtragen…

Harry Potter-Fans kennen den Film vermutlich eh schon; die Abenteuer von Newt Scamander in New York fungieren ja gewissermaßen als Vorgeschichte zu den Büchern (und Filmen) über den jungen Zauberlehrling. Der Film Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind mit seinem etwas ungelenken Titel funktioniert wunderbar als magischer Abenteuerfilm (siehe meine ausführliche Kritik), sondern zeichnet sich nicht zuletzt durch seinen Protagonisten aus, der – hurra! – so gar nicht dem Bild typischer Kinohelden entspricht. Und auch nicht den Bildern klassischer Männlichkeit. Er ist eher zart, sanftmütig, schüchtern und zurückhaltend. Eine große Freude! (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

Kubo – Der tapfere Samurai (ab 12)

Im Japan vor unserer Zeit: Der junge Kubo lebt in einer Stadt am Meer und kümmert sich um seine Mutter, seit sein Vater verstorben ist. Er lebt ein bescheidenes Dasein als Geschichtenerzähler; doch als er versehentlich einen Geist aus seiner Vergangenheit beschwört, stürmt dieser voller Zorn auf die Erde hinab, um eine uralte Blutrache zu vollstrecken.

Kubo ist im Vergleich zu Newt Scamander schon geradezu robust; allerdings muss der Junge eben auch erst noch lernen, dass Kampf nicht immer die beste Lösung ist. Der Film (aus den Laika-Studios, die z.B. auch für die Boxtrolls verantwortlich waren) ist gruselig und aufregend und spannend und berührend und zart und gelegentlich beängstigend; aber immer lebendig. Ein tolles Abenteuer, dessen phantasievolle Animationen eine Welt voller Zauberei entstehen lassen. (Jetzt bei amazon.de bestellen; Trailer)

(Wer sich für meine Weihnachtsempfehlungen der vergangenen Jahre interessiert, findet sie hier im Blog für 2016, 2015, 2014 und 2013.)

(Fotos: Polyband, Filmfest München, Warner Bros., Disney, Wild Bunch/Central, UIP, 20th Century Fox)

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

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