Alles steht Kopf (Inside Out, 2015)

Ich kann mit dem Begriff des „Familienfilms“ in der Regel nicht so viel anfangen. Das liegt vorrangig daran, dass „Familienfilm“ heute vor allem ein Marketingbegriff ist und meistens Filme meint, die man sich mit größtmöglicher Sicherheit als Eltern mit Kindern ansehen kann: Harmloses Thema, viel Humor der meist eher oberflächlichen Art, garantiert ein Happy End; schlimmstenfalls laufen darunter so unfassbar fade Wohlfühlmonstren wie Super Buddies. Und ja: Es sind vor allem Disney-Filme, die mit diesem Label vermarktet und angepriesen werden – da hat sich ein Megaplayer der Kulturindustrie auch gleich einen Begriff unter den Nagel gerissen.

Dass ich jetzt mit Emphase Alles steht Kopf als Familienfilm empfehlen will, entbehrt also nicht einer gewissen Ironie, denn Inside Out, wie er im Original heißt, ist der neueste Film aus den Pixar-Studios, die seit einigen Jahren zum Disney-Imperium gehören. Freilich pflegt man dort noch immer die eigene Linie und hat auch noch keinen wirklich schlechten Film zustande gebracht (Cars kann ich nicht leiden, und Cars 2 fand ich doof und langweilig – Erfolge waren sie aber dennoch). Vor allem sind Pixar-Filme nie allein Kinderfilme, sondern richten sich fast immer auch an Erwachsene.

In Alles steht Kopf wird das – das hat der Film mit dem großartigen Toy Story 3 gemein – auch sehr bewusst eingesetzt: Es gibt letztlich eine sehr klare Meta-Ebene übers Erwachsenwerden, die vor allem Eltern sofort auffallen wird. Zudem funktioniert der Film, für den sich Regisseur Pete Docter und sein Film ausführlich auch mit Psycholog_innen und anderen Wissenschaftler_innen unterhalten haben, nicht nur als erstaunlich enge Beschreibung davon, wie Emotionen im menschlichen Bewusstsein (oder Nicht-So-Bewusstsein) funktionieren; der Film kann auch, wie einige Kolleg_innen meinen, genutzt werden, um Depressionen zu verstehen. Sebastian Moitzheim hat das auch in einem Video zusammenzufassen versucht:

Familienfilm ist Alles steht Kopf also in dem Sinne, dass wirklich für alle Lebensalter hier etwas zu finden ist (wer im Kino nicht wenigstens heimlich eine Träne verdrücken muss, dessen Haupt-Quartier – im Film der Ort, wo sich die fünf Emotionen Freude, Kummer, Wut, Ekel und Angst tummeln – ist vermutlich unbewohnt, öd und leer…); vor allem aber glaube ich, dass er als Familie gesehen werden sollte, weil alle – Kinder wie Erwachsene – danach Bedarf haben werden, zu reden. Über ihre Gefühle, übers Erwachsenwerden, Leben halt. Und vielleicht seht Ihr das anders, aber das ist für mich einer der besten Gründe, ins Kino zu gehen.

Worum es in Alles steht Kopf eigentlich geht und für welche Kinder der Film geeignet ist, habe ich für meine Familientipp-Kolumne auf filmstarts.de genauer aufgeschrieben.

(Fotos: Disney/Pixar)

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

    • @Kristina: Ich würde es für emotional etwas robustere Kinder so ab acht, neun Jahren als geeignet sehen; ab zehn Jahren sollten die meisten damit klar kommen. Aber natürlich musst Du das letztlich selbst wissen. ;-)

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