Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (2008)

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Ich muss gestehen, dass ich mich eigentlich außerstande sehe, einem Film wie Ponyo – Das große Abenteuer am Meer, überhaupt den Filmen von Hayao Miyazaki, angemessen gegenüber zu treten. Das liegt an ihrer bezaubernden Fremdheit, an der Nonchalance, mit der sie Vorstellungen und Mythen, die mir fremd erscheinen, integrieren und in Bilder verfassen; an der traumgleichen Ästhetik, die Moderne und Magie verbindet, zugleich aber beide in einer festen Einheit mit der Natur betrachtet.

Zugleich sind das beängstigende Geschichten: Ponyo gibt keine Sicherheit auf ein Happy End wie die disneyfizierten europäischen Märchen; genauso wenig aber enthält es die herbe Grausamkeit, die deren Originalfassungen noch transportieren konnten. Der kleine Sōsuke lebt mit seinen Eltern in einem etwas abseits gelegenen Haus an einer Steilküste; der Vater ist meist auf einem Schiff unterwegs. Eines Tages findet er einen (etwas seltsam aussehenden) Goldfisch am Ufer und nimmt ihn mit zu sich nach Hause.

Dieser Fisch, der sich bald Ponyo nennt, ist aber keineswegs eigentlich ein Fisch, sondern Kind eines Menschen und einer Meeresgöttin – sein Wunsch, ein Menschenkind zu sein wie Sōsuke, ein Mädchen zu werden, setzt aber Naturkräfte in Bewegung, die niemand mehr recht kontrollieren kann. Bald naht ein Sturm und droht, das ganze Land zu überschwemmen.

Schon diese Umschreibung scheint mir den Film nicht zu treffen, geschieht doch in Ponyo so viel mehr – Ponyos Flucht aus dem U-Boot(?) seines androgynen Vaters; dieser sammelt eine merkwürdige Essenz, damit die Natur sich gegen die Verschmutzung durch die Menschen besser zur Wehr setzen könne; Ponyos zahllose kleinere Schwestern; die alten Damen im Altenheim, in dem Sōsukes Mutter arbeitet; die Menschen, die sich nach der Überschwemmung in Booten sammeln und gegenseitig helfen.

Es sind alles Ereignisse, die für die Handlung oberflächlich keine Bedeutung zu haben scheinen, die aber doch den Gesamtton des Filmes erzeugen, eine Haltung gegenüber dem Leben und der Natur, die dieses kleine Meisterwerk erst vollständig macht. Die Geschichte voller Gestaltwandler, Naturkräfte und Magie, dieses Kaleidoskop der unerwarteten Entwicklungen enthält zugleich alle Marker der modernen Welt: Kindergarten, Altersheim, eine Werft, die moderne Arbeitswelt, die den Vater aufs Schiff zwingt.

Und nur in ihrer Gesamtheit ergibt sich daraus ein ganzes Bild, eine Ahnung von einem Leben in Harmonie mit anderen und der Natur, auch von Offenheit gegenüber dem Nicht-Alltäglichen. Und immer noch habe ich das Gefühl, ungenügend vor dem Film kapitulieren zu müssen — und würde mich deshalb freuen über alles, was Ihr darüber denkt.

Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (Gake no ue no Ponyo), Japan 2008. Regie: Hayao Miyazaki. 101 Minuten, FSK 0 (empfohlen ab 6 Jahren). (amazon: DVD, Blu-ray)

(Foto: Universum Film)

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Rochus, genauso geht es mir auch – meine Kinder lieben Ponyo und all die anderen japanischen Trickfilme (Totoro!!) heiß und innig. Wir sind immer erstaunt, wie wenige Familien die Studio-Ghibli-Filme kennen …

  2. Ich finde bei Myasaki immer toll, so auch in Ponyo, dass die Kinder sich immer ihrem Alter entsprechend verhalten. Die sind halt 4 oder 7 oder so. “Soske, wach auf, Soske.” ist hier schon fast zum geflügelten Wort geworden.
    Aber eigentlich spielen immer die Naturkräfte und die Bildgewaltigkeit so ineinander übergehen.
    Hier in Marburg haben wir das Glück demnächst zwei Wochen lang alle Ghibli-Filme im Kino zu schauen. Das wird ein Fest.

  3. Pingback: Starke Mädchen: Eine Liste Mit Kinderfilmen | Kinderfilmblog

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