Rochus, da hast Du fast auch unsere Fernsehgewohnheiten (Mädchen 6, Junge 4 1/2, Mama, Papa) beschrieben. Außer:

Wir haben einen riesigen Röhrenfernseher im Wohnzimmer, der etwas verloren in einer Ecke steht und nur für die Sendung mit der Maus (SmdM) und das Videogucken genutzt wird. Und Papas Formel1-Übertragungen alle 2 Wochen. Normalerweise dürfen die Kinder nicht einfach so fernsehen, der Fernseher ist unter der Woche nur an, um im Videotext des RBB die Wettervorhersage zu lesen.

Kein Privatfernsehen, die Werbung macht einen blöde, das meine ich genauso, wie ich es schreibe.

Am Freitagabend übernachtet immer (seit ca. 6 Monaten) eine Kindergartenfreundin der Tochter bei uns, da schauen die Kinder immer eine DVD (Kinderfilme natürlich), ein ganzer Film, wobei ich bei meinen Kindern nie das Gefühl habe, dass sie überfordert sind. Das Gastkind dagegen ist oft nicht mehr ganz so aufnahmefähig, aber so prima erzogen, dass es sich manchmal mittendrin leise bettfertig macht und schlafen geht. Nach dem Film gehen alle ohne Diskussion ins Bett.

Am Sonntag gibt es die SdmM, wobei der Fernseher nur dafür eingeschaltet wird.

An anderen KiTa-freien Tagen darf eigentlich immer ein Film geguckt werden, morgens zwischen den Frühstücken, denn die Kinder sind oft schon um 6 wach und snacken etwas Kleines, bevor wir alle zusammen gegen 8.30 essen, so wie sie es sonst auch in der KiTa tun.

Und wenn sie krank sind, dürfen sie einen Film gucken, dann auch jeden Tag, denn ganz ehrlich, ich bin arbeite selbständig von daheim aus und bei kranken Kindern kann ich nicht alle Arbeit abends/nachts nachholen, da brauche ich auch mal 90 Minuten Ruhe für den Mailverkehr.

Wir haben außerdem noch einen Sonderfall: “Atmen”. Da die beiden immer mal wieder Atemwegsbeschwerden haben, nutzen wir bedarfsweise einen Inhalator. Wer die Dinger kennt, weiß, dass man da gern 20 Minuten vor einem dem Gerät sitzt und sich zu Tode langweilt. Praktischerweise sollen die Anwendungen vor dem Schlafengehen und/oder morgens durchgeführt werden, also haben die Kleinen als Belohnung für’s Durchhalten eine Serie zu laufen. Dann kann man also gut sagen: “Ihr dürft jetzt eine Folge “Yakari” gucken während ihr “atmet” (anfangs waren sie noch zu klein, im “inhalieren” zu verstehen), danach geht’s ins Bett.” Das klappt super und motiviert sie.

Insgesamt kommen wir damit schon auf einen ganz beträchtlichen Medienkonsum von 3 1/2 bis 5h in der Woche, in Krankheitsfällen mehr, aber für die Kinder ist immer klar, dass der Fernseher nicht einfach so läuft, dass keine Werbung geschaut wird und dass wir darüber reden, was sie gesehen haben. Zugegeben, ich schaue die Filme (die ich kenne, teils aus meiner Kindheit) meist nicht mit an, sondern höre im Hintergrund, was los ist, aber bei der Beschreibung der Handlung wird schnell deutlich, wie viel die Kinder verstanden haben und wie gut sie Handlungsbögen nachvollziehen und wiedergeben können.

Die Kinder sind sehr sensibel, wenn es um Darstellung von Gewalt und Ungerechtigkeit und Grusel, auch “kindgerecht” in vermeintlich geeigneten Filmen geht, daher informiere ich mich vor Kinobesuchen, die etwa zweimonatlich stattfinden, soweit wie möglich über die Filme.

Ich empfinde das Fernsehen der Großeltern während unserer Besuche immer als Beleidigung, sie sind abgelenkt und alle glotzen blöd aufs Gerät, es ist laut und läuft sogar beim Essen. Der Papa und ich sind auch so aufgewachsen, mit der Dauerglotzerei. Daher unsere bewusste Entscheidung dagegen, ohne deshalb gleich das Medium ganz auszusperren.

Zur Alltagstauglichkeit: Lange Filme gehen nur an freien Tagen, Stückeln ist doof, auch weil die Kinder einen Film schon als Gesamtwerk verstehen, sonst ist in der Woche eigentlich nirgendwo Zeit für Fernsehen/Filme, außer eben wie oben beschrieben beim Inhalieren. Und die paar Kurzfilme, die wir haben (Pixar-Kurzfilme als Sammlung), ansonsten heruntergeladene oder gestreamte Filme aus dem Netz/Youtube, gern auch mal eine Doku über Planierraupen o.Ä., gibt es nur, wenn wir Leerlauf haben, weil etwa der Besuch oder Papa abends sich verspäten.

Da kommen dann Hörspiele und CDs ins Spiel, die sich die Kinder gern anmachen, dann sitzen sie mit ihren Malsachen davor und versuchen, das Gehörte zu bebildern. Oder sie singen und tanzen mit. Oder sie lauschen und kennen dann halbe Märchen auswendig, samt den sonst selten verwendeten Wörtern.

Wir lieben Filme, und das völlige Selbstvergessen, das natürlich und besonders die Kinder angesichts eines schönen Filmes erleben, ist nicht per se schlecht, im Gegenteil. Durch den kontrollierten und konzentrierten Genuss ist auch jeder Film für die Kinder etwas Besonderes, selbst wenn sie die DVD bereits zum 15. Mal gucken, weil sie auch immer wieder Neues bemerken.