Filmfest München 2014: Das Kinderfilmfest

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Am heutigen Samstag beginnt mit der internationalen Premiere von Doktor Proktors Pupspulver das Kinderfilmfest des Filmfests München. Für eine ganze Woche gibt es dann im Gasteig (Rosenheimer Str. 5) viele tolle, zum Teil außergewöhnlich gute Kinderfilme zu sehen (hier das Programm) – bis auf zwei habe ich die meisten schon vorab sehen können und möchte sie hier kurz vorstellen. Wer die Gelegenheit hat, das Festival in München zu besuchen, sollte dies unbedingt tun! (Und der Bayerische Rundfunk hat mit der geschätzten Leiterin des Kinderfilmfests, Katrin Hoffmann, ein ausführliches Gespräch geführt, das man sich gerne anhören kann.)

kifife_logo_2014_posDas Festival beginnt heute mit der Verfilmung des übrigens sehr großartigen Kinderbuchs Doktor Proktors Pupspulver (Doktor Proktors Prompepulver; das Buch gibt es z.B. bei amazon) von Jo Nesbø, auf die ich selbst sehr gespannt bin; eine Besprechung kann ich hoffentlich schon sehr bald nachreichen (empfohlen ab 6 Jahren).

Und dann stapeln sich die sehenswerten Filme. Lola auf der Erbse (ab 6) ist eine deutsche Produktion, die weitgehend erfolgreich versucht, das Thema “Illegalität” für Sechs- bis Achtjährige einzudampfen, ohne ihm ganz seine Brisanz zu nehmen. (Besprechung folgt hier im Blog.)

Der Film Einige Tage ohne Musik (Algunos Días Sin Música; ab 8) folgt einigen argentinischen Jungen durch mehrere schulfreie Tage, die durch den plötzlichen Tod ihrer Lehrerin entstanden sind; allerdings glauben die drei, am Tod der Frau schuld zu sein. Ein Film voller ruhiger Momente und Einblicke in eine für uns zunächst fremd erscheinende Welt, in der die Jungs, ohne Aufsicht frei flottierend, sich neu orientieren und sortieren müssen.

Noch mehr Südamerika: Der Knaller, Geheimtipp und womöglich beste Film des Festivals ist Der Junge und die Welt (O Menino e o mundo; ab 8), eine zauberhafte Animationsreise ohne Worte und Dialoge, dafür mit viel Musik und abwechslungsreicher Ästhetik. Ein Juwel, Glücksfall, Zauberstern, mir gehen die Beglückungsworte aus.

Ganz anders – handlungs- und sprachgetrieben, dennoch gefühlsstark und sehr, sehr gelungen – ist die deutsche Buchverfilmung Rico, Oskar und die Tieferschatten (ab 8), in der Regisseurin Neele Leana Vollmar das Wunder vollbringt, der großartigen Buchvorlage gerecht zu werden und dennoch einen ganz und gar filmischen Film zu drehen. Läuft ab 10. Juli auch bundesweit in den Kinos an, muss man also nicht unbedingt auf dem Festival sehen.

Über den polnischen Film Das Meer sehen (Pojedeme k mori; ab 10) kann ich leider ganz und gar nichts sagen, dafür klingt Quatsch und die Nasenbärbande (ab 4) sehr vielversprechend, über ein Dorf, das als prototypisches Durchschnittsdorf ausgewählt wurde, neue Produkte vor ihrer Markteinführung zu testen.

Im Kurzfilmprogramm schließlich ist u.a. die bezaubernde kleine tschechische Animation Der kleine Coursteau (Malý Cousteau) zu sehen, aber die schönen kleinen Filme werden womöglich überschattet durch den enormen, halbstündigen, im schlechtesten Sinne pädagogischen Stinker – den einzigen Film aus dem Kinderfilmfest, den ich vorab sehen konnte und über den ich eigentlich nur Schlechtes zu sagen weiß.

Das Programm des Kinderfilmfests mit allen Zeiten und weiteren Informationen gibt es auf der Homepage des Filmfests; dort gibt es auch als PDF eine handliche Übersicht.

Und hier noch die Trailer der in München gezeigten Filme:

Doktor Proktors Pupspulver

Lola auf der Erbse

Quatsch und die Nasenbärbande

Einige Tage ohne Musik

Das Meer sehen

Der Junge und die Welt

Rico, Oskar und die Tieferschatten

(Bild: O menino e o mundo)

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

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