V8 – Du willst der Beste sein (2013)

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Ich gestehe ja bereitwillig ein, dass ich die Begeisterung vieler Menschen für Autos nicht teilen kann und mir Autorennen im Grunde nichts sagen. Dem Umstand, das Autorennfilme von Cars bis Rush so gut ankommen, ist mir also aus der Perspektive des Sujets gesehen ein gewisses Rätsel, auch wenn ich selbst meinerseits Speed Racer – den Kritiker_innen in der Regel verabscheuen – als unfassbar drolliges Bonbonspektakel recht charmant fand. Aber darum geht es hier nicht.

Sondern vielmehr um V8 – Du willst der Beste sein, einem Film, der Autorennen als legitime Beschäftigung seiner spätkindlichen, frühpubertären Protagonist_innen positioniert. In Ella und das große Rennen oder dem großartigen Kletter-Ida ist das auch so, wenngleich dort das Autorennen eher Nebenbeschäftigung ist. In V8 geht es eigentlich um nichts anderes. Naja, drumherum legt sich noch eine Geschichte von Verliebtsein und Freundschaft/Loyalität, aber ästhetisch legt es der Film ganz darauf an, von Autos, Motorenöl und Abgasen zu sprechen.

Die Story nimmt deshalb keine zentrale Rolle ein; es geht irgendwie um die „Burg“, die man sich als Olymp des Kinderrennfahrens vorstellen muss, aber sie bleibt den ganzen Film über MacGuffin: unbestimmtes Ziel, für das sich die vier Hauptfiguren zusammenraufen und gegen eine andere Gang Rennen fahren; die Eltern und Leute drumherum, das wird nach und nach deutlich, haben das früher auch gemacht, und alles spielt sich in einer kleinen Welt ab, irgendeine Stadt (vielleicht im Ruhrgebiet) um einen Fluss herum, aber sie besteht eigentlich nur aus ein paar Wohnhäusern, einer Imbissbude, leerstehenden Fabrikhallen.

Die Geschichte ist sprunghaft und bruchstückhaft erzählt; aber das Visuelle, das hier so gerne mit schnellen Schnitten und Sprüngen die Leitfunktion übernehmen möchte, liefert dann doch wenig mehr als tausendmal gesehene Massenware, in der Figuren herumstehen und unterkomplexe Sätze von sich geben, die viel bedeuten sollen, aber nichts sagen. Mythensimulation möchte ich das nennen.

Dazu passt, dass der Film von vornherein als Franchise angelegt ist, die Fortsetzung wurde schon im Abspann angekündigt. Hinter Buch und Regie steckt Joachim Masannek, Autor und Regisseur von Die wilden Kerle, und der Mann glaubt natürlich zu wissen, wie solche Serienbildung funktioniert, welche Knöpfe er drücken muss. Denn genau das passiert: Die Figuren sind alle Typen aus dem Standardarchiv moderner Jugendideale, Geschlechterrollen inklusive (die Jungs tough, aber sensibel, die Mädchen „stark“ und dennoch mit femininen Momenten; natürlich sitzen die Jungs hinterm Steuer, und das wird nur minimal besser dadurch, dass die Mädchen technisch versierter sind – und dass es bei den Antagonisten wesentlich schlimmer ist mit der Rollenverteilung).

Es ist rummsviel los auf der Leinwand, aber fad ist es doch: Wenn es davon noch Fortsetzungen geben sollte, kann diesen jemand bitte wenigstens echte Konflikte und interessante Figuren verpassen? Oder wahlweise: einen Look, der wirklich knallt.

V8 – Du willst der Beste sein, Deutschland 2013. Regie: Joachim Masannek. 106 Minuten, FSK 0. (amazon: DVD, Blu-ray, voraussichtlich ab 1. Juli 2014 erhältlich)

(Fotos: Universal)

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

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