Wickie und die starken Männer (2009)

wickie

Es ist natürlich starke Konkurrenz, gegen die man mit einer Realverfilmung von Wickie und die starken Männer antritt – die Animationsserie gehört zu den großen Lieblingen der heute Erwachsenen, die ihren Kindern vermutlich gerne zeigen, was ihnen damals so gefiel (die Serie ist ja leicht auf DVD erhältlich, etwa bei amazon), und so gehen auch die Kinder womöglich mit einer gewissen Erwartung an den Film heran.

So hat sich Michael Bully Herbig denn auch ein wenig auf eine sichere Basis gestützt, als er für seinen Film zunächst auf Szenen und Geschichten zurückgriff, die aus der Zeichentrickserie bekannt sind; der Film ist insofern wirklich mehr Remake als Neuverfilmung der zugrundeliegenden Kinderbücher von Runer Jonsson. Zugleich aber gelingt es Herbig, hier eine durchaus eigenständige Geschichte zu erzählen, die auch auf Spielfilmlänge nicht bemüht gedehnt wirkt.

Gleichwohl ist die Dramaturgie gelegentlich ein wenig gedehnt, denn immer wieder zeigt sich doch die Neigung Herbigs, der hier gemeinsam mit Alfons Biedermann auch fürs Drehbuch verantwortlich zeichnete, immer wieder (die Bullyparade lässt grüßen) kurze Sketchmomente in die Handlung einzubauen. Da ist der seltsame Berichterstatter des „Spanischen Depeschendienstes“ mit seinem Sprachfehler, den Herbig selbst gibt, eigentlich eher noch ein netter Einfall; er verschwindet meist hinter den Kulissen und kommt dann plötzlich in durchaus absurden Momenten hervor, um die Beteiligten etwas genauer zu befragen.

Die Kinder spielen sehenswert, aber nicht herausragend; vor allem von Jonas Hämmerle als Wickie wird ja auch eine Menge verlangt, und dem ist er noch nicht vollends gewachsen; aber das fällt vor allem den kindlichen Zuschauern meist nicht auf. Und als komplexe Charakterstudie ist der Streifen ja nun auch nicht angelegt. Stattdessen kommt eine dem Geist und der Form der Vorlage (die Ähnlichkeit der Schauspieler zu ihren gezeichneten Cousins ist bemerkenswert) erstaunlich nahe Neuauflage, die gute Unterhaltung liefert, wenn sie vermutlich auch nie den nostalgischen Wert der Trickfilmserie erreichen kann; dafür ist sie dann doch zu sehr Nachahmer, zu wenig originell.

Wickie und die starken Männer, Deutschland 2009. Regie: Michael Bully Herbig. 87 Minuten, FSK 0. (amazon: DVD, Blu-ray)

(Foto: Constantin)

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

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