Aschenbrödel und der gestiefelte Kater (2013)

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Der kleine Paul zieht mit seiner Familie – Bruder und Eltern – aus der Pampa nach Berlin; das französische Restaurant des Vaters hat nicht recht eingeschlagen. Das klapprige französische Auto bleibt schließlich vor der Berliner Institution „Clärchens Ballhaus“ stehen, die für die Aufnahmen als besonders heruntergekommen herausgeputzt wurde. Aber Paul fehlt vor allem sein Baumhaus und seine Märchenwelt – und in die entführt sein Vater ihn und seinen Bruder, bevor er über den Umzug allzu traurig werden kann.

Die Märchenwelt, das ist das Innere der Berliner „Märchenhütte“, und der Großteil der sehr kindtauglichen 60 Minuten von Aschenbrödel und der gestiefelte Kater besteht aus einer Aufführung der beiden im Titel genannten Märchen durch vier Schauspieler_innen des Theaters. Das ist natürlich nicht einfach frontal abgefilmt; fast wie als Gegenbewegung wirkt das Ergebnis gelegentlich ein wenig zu schnell geschnitten, wenn die Kamera zwischen Nahaufnahmen der Darsteller_innen, größeren Perspektiven auf die Bühne und Blicken ins Publikum (vor allem auf Paul (Ezra Finzi)) hin- und herwechselt.

Der Clou des Films freilich ist sein Versuch, das Publikum aktiv mit einzubeziehen; das unterscheidet ihn auch von anderen Versuchen, speziell „kindgerechtes“ Kino zu machen, wie zuletzt bei Kalif Storch. Zu diesem Zweck führt anfangs ein Plüschbär namens Miki in den Film ein, der dann später immer wieder am unteren Bildrand erscheint, wenn die Beteiligung der Kinder gefragt ist: mit Klatschen, Rufen, Singen und Tanzen.

Das funktionierte auf der Premiere am vergangenen Sonntag überraschend gut; aber es ist doch deutlich, dass dieses „Mitmachkino“ eine sehr enge Alterszielgruppe hat (von ca. vier bis acht Jahren), in der es wirklich gut funktioniert. Ältere Kinder dürften weitgehend schon zu sehr an das Stillsitzen im Kino gewöhnt sein oder die Beteiligung womöglich auch schon als peinlich empfinden. Kleinere hingegen gehen gerne mit, und das lag bei der Premiere sicher nicht nur am hohen Blutzuckerspiegel des Publikums, der durch kostenloses Popcorn, Softdrinks und eine Backaktion gefördert wurde.

Aufregendes Kinderkino ist das nicht; dafür sind Inszenierung und Drehbuch zu konventionell, wenngleich durchweg solide und vor allem – völlig zurecht – auf die Möglichkeiten des Theaters vertrauend. Denn erst in der Märchenhütte wird das Interesse der jungen Zuschauer_innen geweckt werden, die Rahmenhandlung ist eher seltsam und offenbar bemüht um die Theatervorstellung herumgestrickt.

Insofern ist das eine schöne Gelegenheit, um vor allem mit Vier- und Fünfjährigen ins Kino zu gehen; in Berlin wird man womöglich besser daran tun, direkt das Theater aufzusuchen. Wenn dieses dadurch ein wenig mehr Zulauf erhält, dann ist das ja auch schon eine gute Sache.

Aschenbrödel und der gestiefelte Kater, Deutschland 2013. Regie: Torsten Künstler. 60 Minuten, FSK 0. Kinostart: 21. November 2013.

(Fotos: Mitmachkino)

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

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