Schlingel – Internationales Filmfest in Chemnitz

LOGO_Schlingel

Ich wär’ jetzt gern in Chemnitz; Kollegin Sophie von filmosophie.com sitzt ab heute in der Jury des Internationalen Filmfests Schlingel, das bis kommenden Sonntag ein wirklich umfangreiches Programm zeigt, mit Kinder- und Jugendfilmen aus der ganzen Welt, einem Extrafokus auf deutsche Filme und einer Hommage/Retrospektive zu Thilo Graf Rothkirch, der den Ehrenschlingel verliehen bekommen wird.

Weil es ziemlich wild wäre, hier alle Filme vorstellen zu wollen, will ich hier ausführlich – mit Inhaltsangabe und Trailer – nur das Programm des Kinder- und Juniorfilms im Wettbewerb vorstellen; vorab seien aber die restlichen Sektionen mit Beispielen erklärt:

Im Panorama läuft – außerhalb des Wettbewerbs – so einiges Sehenswertes, u.a. auch die bereits hier besprochenen Bekas, Mister Twister und Sputnik. Schon die Qualität dieser drei ja eher zufällig ausgewählten Filme spricht aber dafür, dass die ganze Sektion, die sich an Kinder und Jugendliche richtet, spannende Erlebnisse bereithält.

Im Jugendfilm-Wettbewerb sind Filme ab etwa 14 Jahren versammelt, der Blickpunkt Deutschland ist, wie der Name sagt, geographisch orientiert. Die Sektion stellt mit Das kleine Gespenst auch den Eröffnungsfilm (demnächst im Kino), darüber hinaus sind hier einige Produktionen zu sehen, die bereits in Deutschland zu sehen waren, wie Rubinrot (Besprechung folgt hier im Blog), Kopfüber, Das Mädchen Wadjda, Kalif Storch und Die Vampirschwestern. Vor allem von Die Schwarzen Brüder erhoffe ich mir aber einiges.

Auch schön ist schließlich die Sektion zum Animations- und Kurzfilm. Jetzt aber ausführlich zum Kinder- und Juniorfilm:

Kinderfilm (Sektion “S”)

Der Baumwollkönig (Türkei 2012, Regie: Ömer Can)

Toprak ist sechs Jahre alt. Eine Schule kann er nicht besuchen, denn seine Eltern sind arm und ziehen jeden Sommer in die Çukorava-Ebene, um dort auf den Baumwollfeldern Geld zu verdienen. Auch Toprak muss mit anpacken und dazu seine jüngere, blinde Schwester betreuen. Wie ein Vater kümmert er sich um die kleine Zeliha und will nicht, dass sie etwas von den Sorgen der Familie mitbekommt. Deshalb erzählt ihr Toprak eine Geschichte: Das Märchen vom Baumwollkönig, in dessen Land die Familie geht und ein Meer von Baumwolle erschafft, um die kranke Prinzessin zu retten.

Der Blaue Apfelbaum (Venezuela 2012, Regie: Olegario Barrera)

Drei Monate soll der elfjährige Diego bei seinem Großvater in den Anden verbringen. Drei Monate ohne Fernseher, ohne Computer und ohne Handy! Denn dort oben in den Bergen gibt es keinen Strom, kein fließendes Wasser, noch nicht einmal ein WC. Wie soll Diego das nur aushalten, zumal er seinen Großvater vor sechs Jahren das letzte Mal gesehen hat? Die ersten Tage sind für das Stadtkind die Hölle. Morgens kann Diego nicht ausschlafen, weil ihn der Esel weckt, nach dem Essen soll er abwaschen. Also isst er lieber nichts, bis eines Abends eine leckere Pasta auf dem Tisch steht…

Burattinos Rückkehr (Russland 2013, Regie: Jekaterina Michailowa)

In der Stadt hat der Schurke Baskara eine Fabrik eröffnet, wo alte, im Stich gelassene Spielsachen in abscheuliche, herzlose Monster umgeformt werden sollen. Baskara will damit die Kinder und somit die Welt verändern. Um ihrem Schicksal zu entgehen, verstecken sich die verlassenen Puppen und Plüschtiere in den Katakomben der Stadt, wo Baskaras Schergen ihnen aber immer wieder auf der Spur sind. Doch plötzlich tritt der furchtlose Burattino auf den Plan und nimmt mit seinen Freunden den Kampf gegen die bösen Kräfte auf.

Grüße von Mike! (Niederlande 2012, Regie: Maria Peters)

Viele Monate schon liegt der zehnjährige Mike im Krankenhaus. Er hat Leukämie. Nun steht Weihnachten vor der Tür und Mike kann endlich entlassen werden! Doch nicht seine Mutter holt ihn ab, sondern eine Frau vom Jugendamt. Mike soll zu Pflegeeltern, weil die Mutter alkoholkrank ist und sich nicht richtig um ihren Sohn kümmert. Obwohl Mike beweist, dass er sauber machen, regelmäßig seine Medizin schlucken und sogar für sich kochen kann, bleibt das Jugendamt hart. Nun muss sich der pfiffige Junge etwas einfallen lassen, damit er das Weihnachtsfest mit seiner Mama verbringen kann.

Holly und der Schwan (China 2012, Regie: Kong Sheng)

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter ist Holly wie verändert. Sie spricht mit niemandem mehr und verkriecht sich am liebsten im Schrank. Weder die Großeltern, noch die Lehrer können dem Kind helfen. Deshalb wird Holly von der Schule freigestellt und zieht zu ihrem Vater in ein Naturreservat, wo er das Jahr über arbeitet. Auch dort sagt sie kein einziges Wort. Bis sie eines Tages einen verletzten Schwan entdeckt und mit in die Unterkunft bringt. Snowy, wie sie ihn nennt, braucht Hilfe und so wendet sich Holly das erste Mal wieder an ihren Vater. “Was essen Schwäne?”, schreibt sie auf einen Zettel.

Karsten und Petra – beste Freunde (Norwegen 2013, Regie: Arne Lindtner Næss)

Bald wird Petra fünf. Sie ist ein fröhliches Mädchen. Morgens füttert sie ihre Tiere im Garten und geht dann mit ihrem weißen Plüschkaninchen in die Kita. Dort gibt es eine Überraschung! Ein neuer Junge ist da: Karsten. Etwas schüchtern und ängstlich ist er noch – im Gegensatz zu seinem Stofflöwen. Doch es dauert gar nicht lange, da malen Petra und Karsten zusammen und sind von nun an die besten Freunde. Auch Löwe und Kaninchen mögen sich. Alles wäre gut, wenn nur nicht ihre Freundin Sigrid plötzlich immer stänkern würde und Petra sie deshalb nicht mehr bei ihrer Geburtstagsparty dabei haben will.

Pionierehrenwort (Ich gebe Dir mein Wort) (Russland 2012, Regie: Aleksandr Karpilovsky)

Eigentlich sind Dimka und Mischka ganz normale Jungen der 1970er Jahre – sie lernen fleißig und sammeln in ihrem sibirischen Städtchen Altstoffe. Doch immer wieder geraten sie in Schwierigkeiten. Als ihre geliebte Hündin weggefangen wird, müssen sie etwas unternehmen, denn sie schwebt in Lebensgefahr. Mit ihren abenteuerlichen Aktivitäten aber geraten sie in einen argen Konflikt – mit der Schule, der Pionierorganisation und mit der hübschen Lena. Denn die beiden Jungen sollten am großen Schulfest teilnehmen und haben dafür ihr Pionierehrenwort gegeben.

Eine Ziegengeschichte mit Käse (Tschechien 2012, Regie: Jan Tománek)

Oben auf dem Berg wohnt der König. Er ist süchtig nach Käse, den ihm der Händler Kobyl immer besorgt. Am Fuße des Berges leben Honzik und Zuzanka mit ihren Eltern Kuba und Máca sowie einer Ziege. Aus deren Milch produzieren sie Käse, der bis hoch ins Schloss duftet. Gierig stiehlt ihn der König und erzählt Kobyl davon. Am nächsten Tag werden Kuba und Máca entführt. Der Teufel Luzifer habe sie geholt, heißt es, wie alle Käsemacher im Land. Also wandern Honzik und Zuzanka zur Hölle…

Die zwölf Monate (Tschechien 2012, Regie: Karel Janák)

Als Karel als reicher Mann in sein Heimatdorf zurückkehrt, wird er von den Mädchen umschwärmt. Sie alle wollen ihn heiraten, scheint er doch, eine “gute Partie” zu sein. In seiner Not verkündet Karel, dass er nur diejenige zur Frau nimmt, die ihn – mitten im Winter – mit duftenden Veilchen, saftigen Erdbeeren und einem Baum mit roten Äpfeln überrascht. Das vermag keines der Mädchen, glaubt Karel. Und dann geschieht das Wunder doch!

Juniorfilm (Sektion “M”)

Gabriel (Polen 2013, Regie: Mikołaj Haremski)

Der zwölfjährige Tomek, ein begeisterter Go-Kart-Fahrer, lebt bei den Großeltern. Seine Mutter ist vor vielen Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, der Vater seitdem verschwunden. “Ein Krimineller”, sagt der Opa über ihn und will nicht, dass Tomek zu Vaters Freund Kontakt hält. Von dem erfährt der Junge, dass er jetzt in Sandomierz wohnt. Heimlich macht sich Tomek auf die Reise in die Stadt an der Weichsel. Dabei wird er begleitet von einem seltsamen, kleinen Jungen, der sich nicht abschütteln lässt. Er heißt Gabriel und scheint hellseherische Fähigkeiten zu besitzen.

Jegors Geheimnis (Russland 2012, Regie: Alexandra Jerofejewa)

Der zwölfjährige Artjom freut sich auf die Sommerferien. Endlich kann er ohne Unterbrechungen Computer spielen und im Netz surfen. Doch nach den neuen Plänen seiner Eltern muss er für eine Woche aufs Land zu seinem leiblichen, doch nahezu unbekannten Vater. Ohne Internet zählt Artjom ungeduldig die Tage bis zu seiner Abreise. Doch zum Glück wohnt nebenan die zehnjährige Tanja. Sie führt ihn zu einem verlassenen Anwesen. Das zerfallene Gebäude ist seit Jahrhunderten von einem Geheimnis umgeben, das es auf abenteuerliche Weise zu lüften gilt.

Der König von Katoren (Niederlande, Belgien 2012, Regie: Ben Sombogaart)

Genau in der Nacht, als Stach geboren wird, stirbt der König von Katoren, ein gerechter und beim Volk beliebter Mann. Nun ist Stach 17 und noch immer gibt es keinen Nachfolger. Deshalb will er sich für dieses Amt bewerben. Sein Onkel Gervaas versucht, ihm diesen Wunsch auszureden, denn die sechs regierenden Minister sind gefährlich. Doch Stach ist von seinem Vorhaben nicht abzubringen. Drei Aufträge muss er erfüllen – Aufträge, die ihn das Leben kosten können.

Die Legende von Sarila (Kanada 2012, Regie: Nancy Florence Savard)

Im hohen Norden wird ein Volk der Inuit plötzlich von einer Hungersnot heimgesucht. Sogar die besten Jäger kommen von der Jagd mit leeren Händen zurück. Was ist nur passiert? Niemand weiß, dass sich ihr Schamane Croolik mit dunklen Mächten eingelassen hat. Zum Glück erinnert sich die weise Saya an die Legende vom Land Sarila, wo die Göttin Sedna lebt. Nur sie kann helfen. So begeben sich der Sohn des Häuptling, Poutulik, seine Verlobte Apik und der junge Markussi auf die gefährliche Reise in das hinter vielen Gletschern verborgene Land.

Die Pee-Wees (Kanada 2012, Regie: Éric Tessier)

Der zwölfjährige Janeau ist ein Supertalent im Eishockey. Früher hat ihn seine Mutter trainiert, nun – nach ihrem plötzlichen Tod – möchte er den Sport am liebsten aufgeben. Doch dann lernt Janeau an seinem neuen Wohnort die selbstbewusste Julie kennen. Sie liebt Eishockey über alles und steht bei ihrer Mannschaft im Tor. Ohne lange mit Janeau zu diskutieren, stellt sie ihn ihrem Trainer vor. Der ist begeistert von seiner Leistung und nimmt ihn im Team auf. Denn das bereitet sich gerade auf das berühmte Internationale Pee-Wee Eishockeyturnier in Québec vor und braucht jeden guten Spieler.

Verleumdung (Tschechien 2013, Regie: Petr Zahrádka)

Die 13-jährigen Jungen Matous, Tonda und Marek sind die dicksten Freunde. Und vor allem haben sie einen gemeinsamen Traum: Sie wollen unbedingt an einem Kletterkurs teilnehmen. Heimlich trainieren sie auf eigene Faust und werden dabei von ihrem Lehrer erwischt. Aus Angst um die Jungen nimmt er ihnen die Ausrüstung weg. Ihr Traum droht zu zerplatzen. Ist es Wut oder gar eiskalte Berechnung, als die Drei beschließen, ihrem Lehrer eins auszuwischen? Sie beschuldigen ihn, Tonda sexuell belästigt zu haben, und bringen damit eine Lawine ins Rollen, die sich nicht mehr stoppen lässt.

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

Ein Gedanke zu „Schlingel – Internationales Filmfest in Chemnitz“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.