Michel-Festival: Mister Twister (2012)

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Morgen, am 27. September 2013, beginnt das Michel Kinder- und Jugendfilmfestival in Hamburg. Hier im Blog bespreche ich eine Handvoll der Filme, die ich vorab sehen konnte. Bisher schon besprochen: Sputnik und Kopfüber.

Darf Lernen, darf Schule eigentlich Spaß machen? Das ist eine Diskussion, die sich immer noch beharrlich hält – und auch wenn die Verteidiger_innen harter, autoritärer Lehrstile stiller und weniger zahlreich geworden sind, es gibt sie ja noch. Und man kann das ebenso trocken und humorlos diskutieren, wie Schule dann fad wäre, oder man macht daraus eine spritzige Komödie wie Mister Twister.

Herr Kees ist eigentlich schüchtern. Sehr, sehr schüchtern; er traut sich nicht einmal, die junge Frau anzusprechen, die ihm fast täglich im Park begegnet und die selbst nicht abgeneigt erscheint, aber ihr großer Hund zieht sie immer wieder fort. Dieser Mann also, selbst noch Lehrer in der Ausbildung, tritt als Schwangerschaftsvertretung in der 2b an, der wildesten Klasse der Schule. Von diesen Kindern hat keines Spass an Schule, am wenigsten vielleicht Tobias (Felix Osinga), dessen Mutter nach dem Tod von Tobias’ Vater ihr Bett eigentlich nicht mehr verlässt.

Und weil Herr Kees (Willem Voogd) erst einmal nicht recht weiß, was er mit diesen wilden Kindern anfangen soll, nimmt er ihre Anregungen auf – und macht Schule zum Spiel, sucht erste Anzeichen des Frühlings auf Entdeckungstour im Park. Der Schuldirektorin gefällt sein Stil jedoch gar nicht – und als sich ein Schulinspektor ankündigt, droht der junge Lehrer seinen Posten auch schon wieder zu verlieren.

Mister Twister ist so natürlich ein Film über Zurichtung, über Disziplinierung und Freiheit, über Glück und Pflicht, auch und vor allem über die Grenzen, die Gesellschaft vor allem in der Pädagogik setzt: Wie viel Distanz soll der Lehrer haben, muss es nach dem Buch geben? Oder tatsächlich ganz einfach: Darf Schule Spass machen?

Barbara Brederos Film – nach Motiven der niederländischen Kinderbuchreihe von Mirjam Oldenhave – ist ein Märchen von einer besseren Schule und einer besseren Welt, eine Art Club der toten Dichter für die Grundschule. Aber der Film ist eben immer nur einen kleinen Schritt von unserer eigenen Welt entfernt – manchmal der Schritt, den man mit etwas gutem Willen und etwas Liebe machen würde.

Dazu kommt, dass der Film mit großartig gelöst agierenden Kinderschauspielern besetzt ist, und auch die Erwachsenen durch die Bank überzeugen; allein die Direktorin erfüllt hauptsächlich die Figur der Antagonistin, aber selbst diese Karikatur hat noch einen Hauch Lebendigkeit. Ein wunderbarer Film, stellenweise traurig und ohne Scheuklappen vor dem Leben und trotzdem Freude versprühend bis in den Abspann hinein. Eine Fortsetzung ist bereits abgedreht.

Mister Twister (Mees Kees), Niederlande 2012, 81 Min. Regie: Barbara Bredero. FSK n/a. Empfohlen ab 6 Jahren. (Termine auf dem Michel Kinder- und Jugendfilmfestival)

(Foto: Michel Kinder- und Jugendfilmfestival)

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Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

3 Gedanken zu „Michel-Festival: Mister Twister (2012)“

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