Lieblingsfilme (5): Martin Beck

cars

Ich habe verschiedene Autor_innen, Blogger_innen und Filmkritiker_innen gebeten, mir kurze Antworten auf zwei Fragen zu schicken: Welches ist Dein liebster Kinderfilm? Und welchen Film sieht Dein Kind (oder sehen Deine Kinder) am liebsten? Heute antwortet Martin Beck, Herausgeber von reihesieben.de.

Welches ist dein liebster Kinderfilm?

Der liebste Kinderfilm ist gleichzeitig der erste Film, an den ich mich bewusst erinnern kann – eine wahrscheinlich nicht ganz ungewöhnliche Kombination, die in diesem Fall allerdings nicht nur nostalgischer Rahmen ist, sondern auch noch einen wirklich guten Film serviert, der mich damals vollkommen aufgewühlt und zerflennt zurückgelassen hat: Die Brüder Löwenherz, die Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Astrid Lindgren.

Meine Güte, mit sechs Jahren auf den Tod zu treffen. Und dazu noch die innige Freundschaft der Brüder Jonathan und Karl. Und natürlich der Drache Katla – der einfach nur grauenhaft schlecht „getrickst“ ist, aber ja sowieso nur in der dritten Reihe sitzt. Denn ganz vorne standen für mich immer die innige Verbindung der Brüder und vor allem das traumhaft schöne Kirschblütental, in dem Karl endlich all die Sachen tun kann, die ihm vor seinem Tod verwehrt blieben.

Vor ein paar Jahren urlaubte ich mit meiner Familie in Schweden, wo wir unter anderem in Vimmerby waren und Astrid Lindgrens Värld besucht haben. Während Sohnemann Tim bei Pippis (täglich stattfindendem) Geburtstag das erste Stück Torte verputzte, ging ich zu dem etwas abgelegenen kleinen Areal, wo das Kirschblütental verewigt ist. Gleich neben mir stand dort ein schwedisches Paar, das sich sichtlich ergriffen erstmal auf eine Bank setzen musste. Und auch ich war von einer Minute auf die nächste gebügelter Matsch, völlig ohne Vorwarnung. Was doch ein mit Plastikblüten ausgestatteter Kirschbaum für wilde Emotionen auslösen kann…

Und welchen Film sieht Dein Sohn am liebsten?

Sohn Nummer zwei ist noch so klein, dass er sich am liebsten Mamas Brust ansieht, doch Sohn Nummer eins, der Pippi-Torten-Verdrücker, hat eine klare Vorliebe für Cars – meines Wissens der einzige Pixar-Film, der ein eigenes Merchandise-Imperium sein eigen nennt… das dann auch über Socken, ein T-Shirt und eine Kappe die Saat der Begeisterung legen konnte. Tim hat den Film das erste Mal kurz nach seinem vierten Geburtstag gesehen und kam lange nicht über die ersten 20 Minuten hinaus, bis McQueen aus dem Laster purzelt.

Ganz am Anfang von Cars findet ja ein Autorennen statt, das für Vierjährige eigentlich viel zu schnell und Krach ist, doch genauso natürlich wie zwei Kannen Kaffee wirkt. Tim saß dabei auf dem Sofa, hielt sich die Ohren zu (eher eine Auszeichnung, als ein Problem) und stierte mit aufgerissenen Augen auf die rauchenden Reifen. Absoluter Höhepunkt dabei ist natürlich der Reifenplatzer, der bereits unzählige Male wiederholt wurde und immer noch synonym für den Film steht: Der coole, funkelnde Lightning McQueen rauscht im Kreis herum und macht kurz vor dem Ziel *peng*. Am besten gleich mal das Fahrrad kontrollieren. „Wenn ich ganz, GANZ schnell den Berg hinunterfahre, macht dann mein Reifen auch *peng*?“

Für viele ist Cars ja einer der schwächeren Pixar-Filme, doch die dabei angewandten Maßstäbe sind kleinen Kindern natürlich völlig Schnuppe. In Häppchen à 15 Minuten haben wir den Film schon drei Mal gesehen, und Tim schnallt inzwischen auch die komplette Geschichte. Cars ist einfach genau das, was sich vierjährige Jungs unter „cool“ vorstellen. Und einen absoluten Brüllergag hat der Film ja auch, wenn nämlich Hook die Traktoren erschreckt und die dabei reihenweise umfallen. Lautes Gelächter erfüllt das Wohnzimmer, egal wie oft die Szene schon gesehen wurde. Und da Hook inzwischen auch als Spielzeugauto anwesend ist, kann das alles sogar nachgespielt werden. Mit Papa. Der mindestens genauso gerne Traktoren umschmeißt wie der Sohnemann.

martin_krokodilMartin Beck ist freier Journalist und Übersetzer. Des weiteren leitet er reihesieben.de, wo ein guter Teil von Filmen bestritten wird, auf die seine beiden Söhne (4 & 0 Jahre) noch ziemlich lange keinen Bock haben dürfen. Außerdem hat er Angst vor Krokodilen.

(Fotos: Disney/Pixar, privat)

Autor: Martin Beck

Martin Beck ist freier Journalist und Übersetzer. Des weiteren leitet er reihesieben.de, wo ein guter Teil von Filmen bestritten wird, auf die seine beiden Söhne noch ziemlich lange keinen Bock haben dürfen.

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