Alfie, der kleine Werwolf (2011)

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Als kleines Baby wurde Alfie seinen Eltern einfach vor die Tür gelegt – die adoptierten das Kind, das ihnen da zur Pflege angedient wurde, und bereiten jetzt seinen Geburtstag vor, den Alfie wird sieben Jahre alt. Pünktlich um Mitternacht aber, draußen scheint der Vollmond, geschieht etwas Seltsames – dem hellblonden Jungen wächst ein weißes Fell, spitze Ohren und eine sehr sensible Nase. Alfie ist ein Werwolf, aber so werden seine Adoptiveltern ihn doch nie akzeptieren? Nur sein Bruder Timmie ist begeistert – endlich ein richtiges Monster in der Familie!

Alfie, der kleine Werwolf ist, wenn man so will, eine Art Kindervariation auf Teen Wolf, in dem seinerzeit Michael J. Fox sich eines Nachts wölfisch verwandelt fand – und wie in dem jüngst als Fernsehserie modernisierten Teenagerfilm damals, mehr Coming-of-Age-Komödie als Monsterfilm, so wird auch hier dem Werwolf das eigentlich Schreckliche seines Daseins genommen. Sogar mehr noch: Harmloser als dieses überdimensionierte Plüschtier (denn so sieht Alfie als Werwolf aus) kann man schier nicht sein, sieht man von ein paar Ausflügen in den Hühnerstall der Nachbarin ab. Aber das Blut, das dabei fließt, bleibt weitgehend offscreen.

Man kann oder möchte das beklagen; zumal mir persönlich, als großem Freund des anspruchsvollen Horrorfilms, hier natürlich all die Ambivalenzen fehlen, die gerade der Werwolfsfigur innewohnen; und auch Kinder können womöglich schon etwas mehr Gruseligkeit ertragen, als sie Alfie, der kleine Werwolf zu bieten bereit ist. Andererseits hat Regisseur Joram Lürsen offenbar sein Zielpublikum von Grundschulkindern ab etwa sieben Jahren fest im Blick: Und so ist der Film eben, und das ist ja auch nicht schlecht, weitgehend bedrohungsfrei. Für Erwachsene bedeutet das leider auch, das sich die wirklichen Überraschungen in Grenzen halten und die Auflösung, nach viel Hin und Her, ein wenig zu einfach und emotional gerät, um völlig zu überzeugen.

Auch sind die sparsam eingesetzten Spezialeffekte eher etwas schwach auf der Brust. Dafür spielt der Film fiel und erfolgreich mit Motiven aus „Peter und der Wolf“, das an Alfies und Timmies Schule zur musikalischen Aufführung kommen soll, und entwickelt daraus einiges komisches Potential. Vor allem aber funktioniert Alfie, der kleine Werwolf als Betrachtung übers Anderssein, über den Zwang zur Anpassung und der Angst vor Ablehnung; und das sind für Grundschüler_innen womöglich die entscheidenderen Themen. Das beginnt schon erfreulich mit den etwas eigentümlichen Eltern, einem Vater, von dem man nicht so genau weiß, was er eigentlich den ganzen Tag macht. Während die Mutter im Büro arbeitet, näht er, kocht und macht daheim alles, wenn ihm danach ist (und das ist oft) auch schon einmal im Kleid oder im Badeanzug seiner Frau.

Alfie, der kleine Werwolf (Dolfje Weerwolfje), Belgien/Niederlande 2011. Regie: Joram Lürsen. 91 Minuten, FSK: noch unbekannt. Kinostart 17.10.2013.

Auf dem Schlingel Filmfestival haben sich auch Kinderkritiker zum Film geäußert:

(Fotos: Barnsteiner-Film/Schlingel Filmfestival)

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Weiße Tiere und wilde Fragen für die Sommerferien | Herzdamengeschichten

  2. Warum muss Kindern das Gruseln eigentlich überhaupt nahe gebracht werden? Die Realität der Erwachsenenwelt mit Kriegen und Morden ist später gruselig genug. Gruseln ist etwas für Menschen, die abgestumpft sind und keinen rechten Zugang mehr zu ihren Gefühlen haben. Gruselfilme dienen der Anpassung, Erregung durch Angst, weg von Liebe, Lust und Glück, hin zur Angst. Angst macht manupulierbar.

    Wir haben unseren Sohn von Gruselfilmen fern gehalten, bis er erwachsen wurde. Es gab eine einzige Situation bei Freunden und einer unverantwortlichen Mutter, der Horror hat lange nachgewirkt in Alpträumen. Horrorfilme interessieren ihn nicht die Bohne, bis heute.

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