Macht der Erzählung

paranorman

Journalist_innen haben, das werden Sie wissen, oft die Möglichkeit, Filme vorab in speziell für sie anberaumten Kinovorstellungen zu sichten, und wenn es sich dabei um Kinderfilme handelt, dürfen sie häufig Nachwuchs mitbringen. Das ist natürlich eine schöne Möglichkeit, das Angenehme (Kinderbespaßung) mit dem Nützlichen (Filmsichtung) zu verbinden; was genau sich die PR-Abteilungen davon versprechen, ist nicht immer ganz klar. Und so verließ ich denn auch vor einiger Zeit die Pressevorführung von Wickie und die starken Männer bereits nach einer Viertelstunde mit zwei sehr aufgewühlten, mit den Tränen kämpfenden Erstklässlern. Nur unter Einsatz größerer Mengen Eiscreme war es mir möglich, die kindlichen Emotionen wieder in den Griff zu bekommen.

Die beiden hatten schlichtweg Angst. Der für Kinder ab 0 Jahren freigegebene Film beginnt mit einigen recht dramatischen Szenen (Geiselnahme, Gefangenschaft), die in dunklen Bildern und mit dräuender Musik gezeigt werden, das Ganze noch verstärkt durch den 3D-Effekt. Das ist offenbar – und ich kann das gut nachvollziehen – noch für Sechsjährige ganz schön starker Tobak.

Wie viel Angst und Schrecken können, wollen und müssen wir unseren Kindern im Kino zumuten? Darüber habe ich mir in meiner Kinderfilm-Kolumne Sitzplatzerhöhung auf kino-zeit.de ein wenig Gedanken gemacht – und freue mich über Rückmeldungen.

(Foto aus Paranorman: Universal Pictures International)

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

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