Kauwboy – Kleiner Vogel, großes Glück (2012)

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Der zehnjährige Jojo (Rick Lens) lebt allein mit seinem Vater Ronald (Loek Peters) in einem kleinen niederländischen Ort auf dem Land; die Mutter ist fort. Jojo ist viel allein zu Hause, während der Vater sein Geld als Wachmann verdient. Dann hört der Junge die Musik seiner Mutter, abends und nachts sieht man ihn auch mit ihr telefonieren, davon erzählen, wie glücklich und entspannt sein Vater sei, auch wenn wir zugleich sehen, dass dem nicht so ist; als bereite er die Rückkehr der Mutter vor. Im gleichen Geiste bereitet er eine Geburtstagsfeier für sie vor, der sich der Vater aus unerfindlichen Gründen entgegenstellt.

Jojos Leben beginnt sich dann zu ändern, als er eine junge Dohle aufsammelt, die aus dem Nest gefallen war, und sich mit Yenthe (Susan Radder) anfreundet, die neu in seinen Wasserball-Verein gekommen ist. Aber das Verhalten aller Figuren scheint in diesem Film seltsam dunkel und unverständlich zu sein; bis nach ziemlich genau einer Stunde jemand eine Wahrheit ausspricht, die sonst niemand zu sagen wagt. Dann wird Kauwboy schlagartig auch rückblickend klar und blendend und tieftraurig.

Regisseur Boudewijn Koole konzentriert sich in seinem kleinen Familiendrama, einem überraschenden Spielfilmdebüt und einer Meditation über Tod, Verlust und Weiterleben, ganz auf die Personen, vor allem die Kinder; er bleibt dicht an Jojo und seiner Wahrnehmung der Welt (und auch an deren Grenzen). Das wechselt von Momenten großer Freiheit, in denen Erwachsene stets abwesend sind, durch die Begrenzungen des Zuhauses und seiner Versuche, damit umzugehen; von Szenen, in denen die Kamera entfesselt dem Flug der Dohle folgt, zu völlig statischen Einstellungen.

Jojos Vater erscheint zunächst als geradezu verstörend distanziert, gewinnt jedoch im Verlauf des Films und vor allem an seinem Wendepunkt deutlich an Tiefe und Komplexität; die Schwierigkeiten, die Vater und Sohn miteinander haben, und deren Gründe man ob des eigentlich unproblematischen Wesens von Jojo zunächst ganz dem Vater zuschieben will, bekommen dann einen ganz neuen Schimmer.

Das einzig Störende an Kauwboy ist tatsächlich der Schluss, der ein wenig zu versöhnlich-hoffnungsfroh geraten ist, als dass man ihn aus dem Film heraus unbedingt überzeugend finden würde. Man mag dem Film das allerdings verzeihen, weil er sich vorher keinen Moment für Vereinfachung und Gefühlsduselei interessiert hat. Und weil er sich explizit auch an die Altersgenoss_innen von Jojo richtet, ist es doch recht tröstlich, aus dem Dunkel wieder entlassen zu werden ins Licht am Ende des Tunnels.

Kauwboy – Kleiner Vogel, großes Glück, Niederlande 2012. Regie: Boudewijn Koole. 81 Minuten, FSK 6. (Amazon-Links: DVD, Blu-ray)

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