Kalif Storch (2012)

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Pepperl muss als Strafarbeit den Dachboden seines Großvaters aufräumen, statt dieser Arbeit widmet er sich aber lieber dem Studium der geheimnisvollen Schätze, die da herumliegen. Gerade als sein Freund Kasperl ihn zum Fußballspielen abholen will, stößt er auf ein Buch, das anscheinend Zaubersprüche enthält; und ehe die beiden recht wissen, wie ihnen geschieht, reisen sie auf einem fliegenden Teppich gen Afrika.

Kalif Storch braucht eine ganze Weile und eine große geographische Ungenauigkeit (samt nicht unproblematischer kultureller Stereotype), um seine beiden Hauptfiguren an den Schauplatz der eigentlichen Handlung zu verfrachten, die sich an Wilhelm Hauffs gleichnamigem Märchen orientiert: Drei böse Zauberer wollen den Kalifen von Bagdad mit einem Trick dazu bringen, sich in ein Tier zu verwandeln, damit ihr Anführer seine Position einnehmen kann. Pepperl und Kasperl werden zufällig Zeuge davon, wie die drei ihre Pläne schmieden und wollen den Kalif warnen, werden aber selbst in Frosch und Storch verwandelt.

Schon die ersten Momente des Films von Albert Maly-Motta und Paul Stutenbäumer machen deutlich, dass man es hier mit abgefilmtem Marionettentheater in Art und Tradition der „Augsburger Puppenkiste“ zu tun hat (gezeigt wird eine Inszenierung des Marionettentheaters Bad Tölz), und auch wenn die Perspektive gelegentlich wechselt, so bleibt doch das Konzept der Guckkastenbühne hier nahezu durchgehend erhalten. Das muss aber ja keineswegs etwas Schlechtes sein, denn die Filmemacher hatten es sich explizit zur Aufgabe gemacht, „kindgerechtes“ Kino zu machen: Langsam, zurückhaltend und in langen Einstellungen erzählt. Besonders wird der Film freilich damit beworben, dass er in „kindgerechtem 3D“ produziert worden sei, das nicht nur auf die schnellen Bewegungen un Schnitte vieler 3D-Filme verzichte, sondern auch technisch berücksichtige, dass etwa die Augen kleiner Kinder noch enger beieinander lägen als bei Erwachsenen, weshalb die herkömmliche 3D-Technologie eigentlich für Kinder nicht geeignet sei.

Ob dies so stimmt, kann ich leider nicht beurteilen; Gerold Marks von digitaleleinwand.de, Spezialist für das Thema 3D-Film, bestätigte mir gegenüber jedoch, dass er selbst keine wissenschaftliche Studie kenne, die sich mit dieser Frage gründlich beschäftige, auch wenn das Thema in Fachkreisen in letzter Zeit verstärkt diskutiert worden sei. Und ich stimme ihm zu, dass es auf alle Fälle erfreulich ist, dass sich hier jemand mit diesen Fragen beschäftigt hat.

Nicht wirklich überzeugt bin ich gleichwohl vom Ergebnis. Dabei geht es mir weniger um das 3D, das ich aus terminlichen Gründen leider nicht sehen konnte – ich habe den Film nur als 2D-Fassung von DVD gesehen. Die Inszenierung allerdings ist leider nicht anders als konventionell zu nennen, letztlich ist das kaum mehr als abgefilmte Guckkastenbühne, zum einen gibt es die jedoch z.B. bei der Augsburger Puppenkiste deutlich origineller und spritziger, zum anderen liefert der Film nur wenig Gründe, warum man sich das nicht besser im Theater selbst ansehen sollte.

Familien ohne Wurzeln in Bayern bzw. Süddeutschland werden zudem eine deutliche Sprachbarriere wahrnehmen, denn Pepperl und Kasperl spielen anfangs nicht nur vor Münchner Kulisse, sie sprechen auch so – und damit für Nicht-Einheimische, Kinder zumal, womöglich nahezu unverständlich.

Das alles ist doppelt bedauerlich; denn das Projekt Kalif Storch ist in seinem Ansatz eigentlich eines, dem man Erfolg und Wiederholung wünschen würde. Viele der aktuellen Kinderfilme verfolgen das Prinzip des Lauter, Schneller, Mehr, und ohne das grundsätzlich schlecht finden zu wollen, fehlt es doch an guten Filmen, die sich auf Langsamkeit und Behutsamkeit konzentrieren. Für das Projekt Puppenschau war aber offenbar Kalif Storch ein erster Versuchsballon; vielleicht sehen wir da bald noch weitere, etwas mutigere Versuche, die sich mehr mit den Möglichkeiten des Mediums Film auszuprobieren trauen und dennoch den Grundideen des Projektes treu bleiben.

Kalif Storch, Deutschland 2012. Regie: Albert Maly-Motta, Paul Stutenbäumer. 63 Minuten, FSK 0. Kinostart: 28. Februar 2013.

Fotos: Electronic Cinematography Company Stutenbäumer KG

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