Der kleine Rabe Socke (2012)

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Der kleine Rabe Socke ist, wie soll man das sagen: Kein Kind von Traurigkeit? Nicht eben der nachdenkliche Typ? Ach, machen wir kein großes Federlesen drum: er ist frech, vorlaut, von sich selbst eingenommen und gelegentlich schlicht und ergreifend rücksichtslos. Er lügt und schummelt und nutzt auch schon mal seine Freunde schamlos aus, wenn er das brauchen kann. Nur richtig bösartig, das ist er eben eigentlich nicht, er hat auch Angst, vor allem vor dem Alleinsein, nur eingestehen kann er das weder sich selbst noch seinen Freunden so richtig. Und damit ist er: eine ganz und gar großartig ambivalente Figur, sicher in höchstem Maße zur Identifikation geeignet, denn wie sollte ein Rabe mit gestreifter Socke noch näher an unseren eigenen Schwächen sein?

Für den bezaubernden Animationsfilm Der kleine Rabe Socke durchlebt Socke nun ein besonderes Abenteuer: Weil er ein wenig zu forsch dabei vorgeht, sich aus dem Staudamm oberhalb der Siedlung im Wald Holz für seine eigenen Zwecke zu rupfen, bringt Socke alle in Gefahr. Der Staudamm droht zu bersten, und da können nur die Biber noch helfen. Die aber wohnen außerhalb des Waldes, wo noch keiner von Sockes Freunden war; mit Tricks und Mühen überredet er Wolle und Eddi, mit ihm zu kommen – aber auch dann ist es noch nicht ganz einfach, die Biber auch nur zu finden. Zumal Socke sich mit seinen Lügengeschichten irgendwann furchtbar selbst im Wege steht. Derweil sind daheim ihre Freunde sehr damit beschäftigt, die Schäden am Staudamm vor Mutter Dachs geheimzuhalten…

Der kleine Rabe Socke hat mir aus einem ganzen Strauß von Gründen gut gefallen. Er ist wunderbar clever und kindgerecht erzählt, mit zwei Handlungssträngen, die sich nie zu weit voneinander entfernen und beide ihre eigenen, aber übersichtlichen Spannungsbögen mitbringen. Die wichtigeren Figuren sind allesamt nicht eindimensional, und Socke als Protagonist ist so vielschichtig und widersprüchlich, dass man tatsächlich nicht genau weiß, wohin die Reise gehen wird (aber keine Sorge: natürlich geht alles einem guten Ende entgegen, nur sicher anders, als Socke sich das denkt).

Darüber hinaus ist die Handlung aber nicht konfrontativ angelegt – es gibt keine Figur, deren Motive wirklich bösartig wären, es gibt also keinen Gegner, sondern nur widerstreitende, aber stets verständliche Motive. Der kleine Rabe Socke macht dadurch aus einer einfachen Geschichte eine durchaus komplexe Erzählung vom Leben in Gemeinschaft, von Rücksichtnahme und Ehrlichkeit, ohne dazu je den Schmalztopf herausholen zu müssen … okay, na gut, am Schluß ein ganz kleines Bißchen.

Hinzu kommen zwei flotte Lieder, die auch dank Jan Delay (er spricht Socke) überzeugen können, und ein ganzer Schwung toller Sprecher, darunter Anna und Katharina Thalbach. So fügt sich das alles zu einem der erfreulichsten Kinderfilme des vergangenen Jahres, ohne große Schreckensmomente (einmal wird es ein wenig gruselig), aber doch spannend und m.E. geeignet für Rabenfreundinnen und -freunde ab vier Jahren.

Der kleine Rabe Socke, Deutschland 2012. Regie: Sandor Jesse und Ute von Münchow-Pohl. 78 Minuten, FSK 0. (Amazon-Links: DVD, Blu-ray, Blu-ray 2D/3D)

(Fotos: Universum)

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