Mullewapp – Das große Kinoabenteuer der Freunde (2008)

Mullewapp

Johnny Mauser hat kein Glück auf den Bühnen der großen Stadt. Als er bei einem Vorsprechen vor die Tür gesetzt wird, weil er für die Hauptrolle als Pirat schlichtweg zu klein geraten ist, macht er sich trübsinnig auf den Weg und landet bei seinen Wanderungen auf dem Hof Mullewapp. Da leben der dicke Waldemar, Franz von Hahn nebst diversen anderen Tieren und dem Schäfchen Wolke ein ziemlich sorgenfreies, obgleich auf die Grenzen des Hofes begrenztes Leben. Johnny präsentiert sich den neuen Bekannten als weltgewandter Held, und so wird gleich sein Typ gefragt, als eines Tages Wolke entführt wird. Zusammen mit dem mißtrauischen Hahn und dem gemütlichen Waldemar machen die drei sich auf den Weg, das Schaf zu retten.

Dass aus Helme Heines beliebten Freunde-Geschichten (einige davon gibt es in diesem wohlfeilen Band versammelt), die ja schon für reichlich Merchandise, Spielzeug und Printprodukte gut waren, irgendwann auch ein Film werden würde, war vermutlich abzusehen. Und auch, dass auf dem Weg vom schmalen Bilderbuch zu etwas über einer Stunde Film natürlich die ursprünglich doch mit nur wenigen erzählerischen Pinselstrichen charakterisierten Figuren mehr Substanz bekommen müßten, ist dafür schon zwingend.

Mullewapp – Das große Kinoabenteuer der Freunde nimmt den erzählerisch größten Anlauf, indem es die Geschichte erzählt, wie die drei Freunde sich überhaupt erst fanden und verpackt dies in eine veritable Abenteuerstory, die mit Spannung und Action nicht geizt, ohne das je über ein sehr kindgerechtes Niveau hinauszutreiben. (Empfindsamen Sechsjährigen mag dennoch die eine oder andere Szene zu viel sein: Immerhin wird ein Wolf hier sehr deutlich bedrohlich, ein Schaf wird entführt, und auch sonst fehlt es nicht an – stets temporären – Bedrohungen und Trennungen.) Am Anfang holpern Erzählung und Figuren noch ein wenig, bis die Geschichte dann mit dem Aufbruch der drei Tiere ihr Ziel schärfer ins Auge fasst und dadurch spürbar fokussierter und konzentrierter wird.

Der Zeichenstil des Films ist insgesamt flächiger und etwas platter als in den Buchillustrationen von Heine, was anfangs irritieren mag und nie ganz in Vergessenheit gerät; den Figuren schadet es letztlich nicht. Und die Sprecher – für die Hauptfiguren Johnny, Waldemar und Franz sind das Benno Fürmann, Joachim Król und Christoph Maria Herbst – machen ihre Sache ganz wunderbar. Ein sehr schöner Film, der seine Freundschafts-Botschaft recht unaufdringlich verpackt, Slapstick, soziale Konflikte und Action schön im Wechsel miteinander unterbringt und in keine der tiefen Ich-vermarkte-ein-Erfolgsmodell-Fallen stürzt, die sich vor ihm hätten auftun können.

Bei Zweitausendeins gibt es den Film in einer recht schönen Ausgabe der Edition Deutscher Film, die handelsübliche DVD ist noch etwas günstiger (amazon). Eine kurze Besprechung gibt es auch auf kinofenster.de, wo sich auch noch pädagogisches Begleitmaterial zum Film herunterladen lässt.

Mullewapp – Das große Kinoabenteuer der Freunde, Deutschland 2008. Regie: Tony Loeser und Jesper Møller. 77 Minuten, FSK 0.

Autor: Rochus Wolff

Filmkritiker seit 2004. Vater seit etwas später. (Homepage)

2 Gedanken zu „Mullewapp – Das große Kinoabenteuer der Freunde (2008)“

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