Filmfest München: Nellys Abenteuer (2016)

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Eins darf man schon mal sagen: Dass ihnen die Tochter wegläuft, das haben diese Eltern sich redlich verdient. Denn wer kommt schon bitte auf die Idee, einem 13-jährigen Kind zu verschweigen, dass man zwar in den Sommerferien nach Rumänien fährt, dann aber dort auch gleich bleiben wird, weil der Vater anschließend dort arbeiten wird? Kein Wunder also, dass das Kind ob dieser Nachricht rebelliert („Wie krass ist das denn? Ich zieh doch nicht in dieses Scheißland!“) und in die Nacht, ins fremde Land hinein abhaut. Und ab da gehen die Dinge ja erst so richtig schief.

kifife_logo_2016_600px Nelly Klabund (Flora Li Thiemann) ist schon vorher gelegentlich zickig, aber das ist dem Alter angemessen: „Viel zu nass draußen, ich bin ja kein Fisch.“ Die Eltern (Julia Richter und Kai Lentrodt) nerven eh – Mama ist zu viel daheim, Papa baut Windkraftanlagen, das scheint ihm die Lösung vieler Probleme zu sein, im täglichen Leben ist er jedoch gelegentlich ein wenig ungelenk. Im Urlaub geht es also irgendwo in den Osten, Transsilvanien ist nicht weit, und da ist es nicht nur fremd, sondern auch nicht unbedingt subtil abstoßend: Die Pastete ist mit Schweinehirn gemacht, der Schnaps selbstgebrannt und eine Taube kackt auf Nellys Jacke.

Nellys Abenteuer von Dominik Wessely hat gestern das Kinderfilmfest des Filmfest München eröffnet. Meine ausführliche Kritik findet sich im Festivalblog von kino-zeit.de.

Nellys Abenteuer, Deutschland/Rumänien 2016. Regie: Dominik Wessely, 97 Min. FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren. Kinostart: 13. Oktober 2016. (Auf dem Filmfest München.)

(Fotos: Filmfest München)

Die langen großen Ferien (2015)

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Die Fragen beginnen spätestens mit der Einschulung: „Papa, wer war eigentlich Hitler?“ Es muss noch nicht einmal auf dem Lehrplan stehen, die Kinder reden ja auch untereinander, sie hören rechts und links zu, sehen Titelblätter von Zeitschriften und Werbung für seltsame Dokumentationen auf Netflix oder n-tv. Da türmt sich schnell ein Berg an schwierig zu behandelnden Themen auf. Was dabei am besten hilft: Geschichten! Die französische Animationsserie Die langen großen Ferien etwa erzählt in zehn halbstündigen Episoden von den Erlebnissen einer Gruppe französischer Kinder zwischen 1939 und 1945.

Fern von den politischen Zentren (und auf gewisse Weise doch mitten im Weltgeschehen) sollen die Geschwister Colette und Ernest in einem kleinen Dorf in der Normandie eigentlich nur die Sommerferien bei ihren Großeltern verbringen – aber die Mutter wird krank und so bleiben die zwei jungen Pariser eben auf dem Bauernhof: Colette (deren erwachsenes Ich die Geschichte rückblickend erzählt) wird im Dorf eingeschult. Schnell finden die Geschwister neue Freunde und ihre Bande, die „Robinsons“, richtet sich in einem verfallenen Haus im Wald einen geheimen Unterschlupf ein.

Warum Die langen großen Ferien eine so wunderbare Fernsehserie ist, lehrreich und nie belehrend, habe ich in meinem Familientipp für filmstarts.de genauer aufgeschrieben.

Nachtrag: Das ZDF hat schönes Begleitmaterial für Eltern und Lehrer zur Serie zusammengestellt. Ich persönlich würde die Serie für Kinder ab 8 Jahren empfehlen; es gibt keine direkten Szenen von Gewalt und Grausamkeiten, aber das Thema führt natürlich zwangsläufig zu Gesprächen, die für Kinder auch emotional schwierig sein können.

(Fotos: polyband)

Gayby Baby (2015)

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Das ist kein Kinderfilm, aber es ist ein Film über Kinder, vielleicht sogar noch ein wenig mehr über Elternschaft. Es ist dann eigentlich erst in zweiter Reihe ein Dokumentarfilm über ein Thema, das mich seit Jahren immer auch etwas umtreibt, und das mich nach den letzten Tagen eher mehr beschäftigt als vorher.

Es gibt immer noch absurde Vorstellungen davon, wie es Kindern in „Regenbogenfamilien“ ergehe, also mit lesbischen oder schwulen Eltern – oder generell mit Bezugspersonen, die nicht dem heterosexuellen Mainstream angehören. Man kann da auch mit den Forschungen kommen, die feststellen, dass Kinder homosexueller Eltern nicht weniger glücklich, gesund und (schreckliches Wort) „normal“ sind als andere, dass Homosexuelle (als gäbe es daran ernsthafte Zweifel) ihren Kindern ein ebenso gutes, sicheres, liebendes Zuhause geben können wie Heterosexuelle… es wird bei den meisten, die es nicht sehen wollen, wenig bringen.

Weshalb ein Film wie Gayby Baby, der am 23. Juni in die Kinos kommt, so wichtig ist: Weil er es einfach zeigt. Das ist keine Studie, das ist kein Werbefilm, das ist auch nicht immer alles eitel Sonnenschein. Es ist aber gefülltes Leben voll Liebe. Und en détail habe ich das für kino-zeit.de auch noch einmal aufgeschrieben.

(Fotos: Rise and Shine Cinema)

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