Von Kindern und Monstern

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Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war, als ich mit meinen Eltern und Geschwistern Tanz der Vampire gesehen habe. Wir waren jedenfalls noch nicht alle alt genug, denn der Familiensage nach konnte zumindest eines der Kinder anschließend monatelang nicht allein auf Toilette gehen. Zu eindrücklich waren die Vampire doch gewesen, auch zu bedrohlich – und der Humor dahinter war für unsere Kinderaugen noch nicht so recht zu erkennen.

Graf von Krolock, sein Sohn und ihre Abendgesellschaft prägten damit auf lange Jahre, wie ich mir Vampire vorstellte; immerhin waren das konkretere Bilder als die Ideen von mordenden Mumien, die sich im zarten Alter von neun Jahren nach Hören eines Gruselhörspiels in meinem Kopf festgesetzt hatten.

Das war es dann damals auch schon. Mit weniger Fernsehprogrammen und ohne Videorekorder waren mir seinerzeit auch Programme wie Die Munsters verschlossen, sie waren schlichtweg unbekannt. Vielleicht haben die Kinder von heute es da ein wenig besser, weil man für sie eine sanfte Heranführung an die Monstren gewissermaßen handverlesen zusammenstellen kann. Beziehungsweise: Das machen sie schon selbst, wenn sich die Eltern nicht kümmern.

Meine womöglich geringfügig unsortierten Gedanken zu Monster-Kinderfilmen oder Kinder-Monsterfilmen habe ich für meine Kinderfilmkolumne „Sitzplatzerhöhung“ auf kino-zeit.de aufgeschrieben.

(Foto: Disney)

Das Dschungelbuch (2016)

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Ich bin ja ein Remake-Skeptiker: Warum muss es ein modernes Update geben von Filmen, die einfach, wie sie sind, ganz wunderbar sind? Vor allem Disney aber durchschreitet gerade seine große Sammlung alter Animationsfilme und sucht sich heraus, was man daraus als Realfilm neu auflegen könnte: Aschenputtel/Cinderella war nur der Anfang. (Und Maleficent ein eleganter Schritt zur Seite.)

Nun also Das Dschungelbuch. Wobei „Realfilm“ hier natürlich und womöglich der falsche Begriff ist. Denn, das gleich vorweg, der eigentliche Wert und die eigentliche Sensation in diesem Film steckt darin, dass hier die computergenerierte Welt die „reale“ Welt praktisch völlig ersetzt, und das schließt explizit alle nicht-menschlichen Lebewesen ein. Das ist natürlich irgendwie notwendig – ein „realer“ Panther ließe sich nie zu einem Verhalten bringen, wie es Bagheera hier zeigt – und irgendwie womöglich noch nicht ganz perfekt. Aber die Lebewesen in Jon Favreaus Neuverfilmung sind alle so quasi-lebendig, so weit wieder aus dem „Uncanny Valley“ der Animation herausgetreten auf die Seite des realen Bildes, dass der Begriff des „Realfilms“ hier ebenso wenig zu greifen scheint wie der des „Animationsfilm“.

Das Dschungelbuch bewohnt den Punkt einer filmischen Zeitenwende. Allein dafür ist er schon sehenswert, zumal er die computergenerierte Welt nicht allein als Basis für wilde Effekte und 3D-Spielchen nutzt. Und der Darsteller von Mowgli, der junge Neel Sethi, zeigt eine für ein Kind seines Alters umso beeindruckendere Leistung, hat er doch mehr oder minder die ganze Zeit vor Bluescreen bzw. in blauer Umwelt mit kleinen Hilfsmitteln gespielt (einen Eindruck davon vermittelt dieses Video).

Dass Sethi zugleich – in Statur wie Bewegungen – an Mowgli aus dem animierten Dschungelbuch von 1967 erinnert, schadet dem Film sicher nicht. Allerdings orientiert sich Favreau stärker am ursprünglichen Quellmaterial, den Erzählungen von Rudyard Kipling. Das ist, wenn man die Bücher nicht kennt, auch als filmische Erfahrung nicht schlecht, weil zwar viele bekannte Szenen gezeigt werden, diese aber nicht immer ausgehen wie erwartet. Es fehlen bis auf eines die bekannten Lieder weitgehend, werden oft nur durch kleine musikalische Andeutungen anzitiert. Insgesamt ist das eine Herangehensweise die zeigt, dass Favreau mit dem Vorgängerfilm respektvoll umgehen, ihn aber keinesfalls kopieren wollte.

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Und so muss man auch sagen: Das neue Dschungelbuch ist alles andere als ein Kinderfilm. Denn hier gibt es zahlreiche, sehr realistische Schreckmomente, es geht zwar nicht unbedingt explizit blutig und grausam zu, aber die dramatischen Momente sind doch stellenweise sehr intensiv, der Realismus der unechten Bilder macht die Bedrohungen und Verfolgungsjagden darüber hinaus auch noch ein ganzes Stück direkter. Ich würde ja sagen: Das ist nichts für ganz junge Zuschauer, wahrscheinlich geeignet frühestens ab 10 Jahren, für einigermaßen sensible Gemüter nicht unter 12.

Die Zuschauer werden dann überschüttet mit wirklich ausufernden, überbordenden, wunderbaren Bildern. Die Geschichte allerdings zeigt, da sie in eine quasi-reale Welt gezogen wurde, doch einige Schwächen. Das liegt nicht an Sethi und auch nicht daran, dass die Tiere bewusst nicht vermenschlicht wurden, sondern verhältnismäßig ausdrucksarme Gesichtszüge ausweisen. Sondern schlichtweg darin, dass die Konfrontation zwischen Shere Khan und den anderen Tieren sowie Mowgli dann eben doch nicht den Stoff für ein hochkomplexes Drama liefert, sondern für eine einfache Abenteuergeschichte. Das ist nie langweilig, aber eben auch nicht mehr als Unterhaltung auf hohem Grafikniveau – und über die „erwachseneren“ Bilder eine Zeitreise zurück, nach der man sich umso mehr zurücksehnt zu Wolfgang Reitherman Animationsabenteuer (das in Deutschland übrigens so heißgeliebt ist wie kaum irgendwo sonst auf der Welt – was, und das ist wirklich ein eigentümliches, einzigartiges Stück Filmgeschichte, wohl auch an der ganz besonderen Synchronisationsfassung liegt. Aber das ist eine andere Geschichte und wird anderswo erzählt).

Das Dschungelbuch (The Jungle Book), USA 2016. Regie: Jon Favreau, 106 Min. FSK 6, empfohlen ab 12 Jahren. Kinostart: 14. April 2016.

(Fotos: Disney)

Zafir – Der schwarze Hengst (2003)

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Es wäre ein Irrtum zu glauben, in Pferdeabenteuern ginge es meist hauptsächlich um Tiere. Natürlich kann Tierliebe ein zentraler Punkt des Films sein – etwa wenn ein Pferd vor dem Verkauf an einen niederträchtigen Züchter oder sogar vor dem Abdecker bewahrt werden soll. Aber dahinter werden in aller Regel auch noch universellere Themen verhandelt: Probleme in der Familie, die erste Liebe, das Erwachsenwerden – was jugendliche Herzen eben bewegt. Bei Zafir – Der schwarze Hengst (amazon) ist das nicht anders: Die zwölfjährige Anna (Rose Marie Hermannsen) verbringt viel Zeit auf dem Reiterhof und nimmt sogar an Turnieren teil. Am liebsten würde sie auf dem Hengst Zafir reiten, aber das Tier gilt als aufbrausend und unberechenbar. Annas große Schwester ist sogar bei einem Unfall mit Zafir ums Leben gekommen – auch deshalb soll er nun verkauft werden. Doch dann taucht auf einmal das Flüchtlingskind Sharbat (Katrine Schnoor) auf, das immer wieder aus seinem Heim abhaut, um bei den Pferden sein zu können. Dabei scheint Sharbat ein ganz besonderes Gespür für die Tiere zu besitzen, denn von ihm lässt sich Zafir problemlos betreuen.

Warum der dänische Film aus dem Jahr 2003 auch heute noch als kindergerechte Betrachtung zum Thema Flüchtlinge taugt, habe ich in meinem Familientipp zum Wochenende auf filmstarts.de beschrieben.

(Fotos: MFA+)

Verlosung: Die Melodie des Meeres

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Ich freue mich ja immer sehr, wenn ich einen Film wirklich aus vollstem Herzen und vollem Hirn lobpreisen und empfehlen kann. Denn auch wenn man Kritiker_innen gerne nachsagt, dass sie am liebsten Verrisse schrieben, hält uns doch eigentlich die heiße Liebe zum Kino lebendig. Und Die Melodie des Meeres, Song of the Sea, der vorvergangenes Jahr auf dem Filmfest München erstmals in Deutschland zu sehen war, ist ein Film, der mit seinen oft kühl-blauen, erdigen Bildern diese Liebe so richtig heiß entfacht. Tomm Moores Meisterwerk einen Kinderfilm zu nennen, ist nicht ungerecht, aber eine Beschränkung: Er ist ein Glück für alle.

Aber genug des Jauchzens. Nach einem leider eher kleinen (und von mir ursprünglich für unmöglich gehaltenen) Gastspiel in deutschen Kinos erscheint Die Melodie des Meeres nun am 23. Mai auch auf DVD und Blu-ray, auf dass wir alle ihn daheim noch einmal genießen können.

melodie-des-meeres melodie-des-meeres-bd Mit der freundlichen Unterstützung von KSM kann ich hier im Blog den Film einmal auf DVD und einmal auf Blu-ray verlosen.

Um an der Verlosung teilzunehmen, müßt Ihr nur hier im Formular Eure Daten eingeben und eine Frage beantworten. Die Verlosung läuft bis einschließlich 23. Mai 2016. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Nur eine Teilnahme pro Haushalt!
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STADA und die Initative „Alles Gute“ [Werbung]

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Was weißt Du über Deine Gesundheit, was weißt Du über Krankheiten und Medikamente? Der STADA Gesundheitsreport 2015 wirft einen Blick auf das Gesundheitswissen in Deutschland.

In meinem Umfeld bekommen viele Leute, die etwa so alt sind wie ich, jetzt ihre ersten Kinder. Das ist manchmal schon ein wenig seltsam, weil ich mich eigentlich nicht unbedingt als „erfahrener“ Vater fühle und dann aber merke, dass ich in manchen Dingen doch schon etwas mehr Ruhe, gelegentlich gar Gelassenheit mitbringe. (Außer bei Geschwisterstreitereien, wird man da je gelassen?) Etwa, wenn die Kinder mal krank sind – das ist ja meistens glücklicherweise nichts, worüber man sich viele Sorgen machen müsste.

Mein Alter – der klassische Zeitpunkt für eine Midlife-Crisis – ist aber für viele (auch für mich) eben auch ein Zeitraum, in dem sich die meisten erstmals auch über ihre eigene Gesundheit Gedanken machen – und machen müssen, weil so um die vierzig bei vielen dann doch die ersten Zipperlein auftreten, die man nicht mehr ignorieren kann. Und bei den ersten Problemen ist man da womöglich erst einmal recht unentspannt.

Wie man damit umgeht – ob gelassen oder nicht –, hat für mich viel damit zu tun, wie viel Wissen oder Erfahrung man mit diesen Krankheiten mitbringt. Dabei gibt es meiner Meinung nach gerade in Sachen Gesundheit und Medizin so einige Dinge, die man wissen müsste. Die „Alles Gute“-Initiative von STADA nimmt sich dieser Fragen an und will zunächst einmal herausfinden, wie den eigentlich das Wissen über Gesundheitsfragen in der deutschen Bevölkerung ist.

Um auszuprobieren, wie Dein eigener Wissensstand ist, kannst du gleich mal das kleine Quiz ausprobieren, das einige der Fragen aus dem Gesundheitsreport wieder aufnimmt – schneidest du besser ab als der Durchschnitt? (Ich war mit 11 von 15 richtigen Fragen ein „Gesundheitsprofi“ – aber nach drei Semestern Humanmedizin in grauer Vorzeit sollte das eigentlich besser sein… ;-) )

Wahrscheinlich wundert es niemanden, dass der STADA Gesundheitsreport 2015 ergeben hat, dass in der Regel Frauen besser über gesundheitliche Themen informiert sind als Männer – und sich auch mehr dafür interessieren. Johannes Wimmer, vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der von STADA als Experte befragt wurde, glaubt deshalb: „Frauen werden zu Recht als ‚Gesundheitsministerin der Familie‘ bezeichnet.“ Was natürlich nicht heißt, dass vor allem Väter keine Ahnung haben – aber es ist ja kein untypischer Effekt der klassischen Geschlechterrollen, dass Männer sich im Durchschnitt weniger um ihre Gesundheit kümmern als Frauen.

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Im Detail sind dann aber doch ziemlich spannende Ergebnisse dabei, was en detail das Gesundheitswissen in Deutschland angeht:

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Was mich allerdings immer wieder perplex zurücklässt, ist die Ahnungslosigkeit vieler Menschen zum Thema Antibiotika – zumal die Frage der zunehmenden Resistenzen ja auch in den Medien immer stärker zur Sprache kam. Nur gut die Hälfte der Befragten wusste, dass Antibiotika ausschließlich gegen Bakterien wirksam sind.

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Nun ist das insofern vielleicht nachvollziehbar, weil vielen Menschen die Unterschiede zwischen Viren, Bakterien und anderen Krankheitsauslösern wahrscheinlich nicht wirklich klar sind – und in der Tat muss man dafür natürlich etwas mehr als nur ein Grundverständnis von Biologie mitbringen. Umso wichtiger erscheint es mir, bei Antibiotika immer wieder darauf zu pochen, dass man sie nicht einfach so einnehmen darf – aber sie eben bei weitem auch nicht bei jeder Erkrankung notwendig sind. Unser Kinderarzt ist da ein Musterbeispiel an Klarheit: In den allermeisten Fällen gibt es selbstverständlich keine Antibiotika – aber wenn sie nötig sind, besteht er auch darauf, dass sie bis zum Ende genommen werden. Nur so kann schließlich einigermaßen ausgeschlossen werden, dass sich resistente Erreger bilden und vermehren.

Wie seht Ihr dieses Thema?

Habt Ihr das Gesundheits-Quiz der „Alles Gute“-Initiative gemacht? Welches Ergebnis habt Ihr erzielt? Habt Ihr dabei etwas Neues gelernt, dass Euch eigentlich wichtig ist?

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Rico, Oskar und der Diebstahlstein (2016)

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Mit Rico, Oskar und der Diebstahlstein gehen die Abenteuer der beiden Jungs in die dritte (und letzte) Runde – vor zwei Jahren hatten die beiden im Kino ihren fulminanten Einstand. Für filmstarts.de habe ich aufgeschrieben, warum ich den Film von Neele Leana Vollmar nur wärmstens empfehlen kann, aber hier sind noch ein paar Gründe:

  • Weil hier (wie schon im Buch) ein Schwulenpaar ganz selbstverständlich vorkommt. Niemand findet das seltsam oder thematisiert ihre Homosexualität, niemand hat Angst oder glaubt, sie seien pädophil.
  • Weil sich hier Freunde streiten und wieder vertragen. Weil sie über ihre Gefühle mal sprechen, mal nicht.
  • Weil es Unsicherheit gibt und Traurigkeit.
  • Weil sich die Jungs am FKK-Strand ausziehen (zur besseren Tarnung, wie Rico völlig klar konstatiert) und dann sichtbar und ohne Klamauk zwischen Nonchalance und Scham schwanken, ganz wie es Kindern in diesem Alter angemessen ist.
  • Weil man hier nicht unbedingt stark sein muss und auch schon einmal Mist bauen kann. Weil daraus nicht gleich ein den Film entscheidendes Drama konstruiert wird.
  • Weil hier Intelligenz nicht alles ist und Stärke schonmal gar nicht.
  • Weil hier die meisten Menschen erst einmal guten Willens, aber eben auch nicht vollkommen sind. So wie das im Leben oft genug auch der Fall ist.
  • Weil ich die alten Bundesbahn-Waggons so lange schon nicht mehr im realen Leben gesehen habe.
  • Weil ich jetzt nicht mehr „Bernstein“ sagen kann, ohne an Durchfall zu denken.
  • Weil der Film Hoffnung für’s deutsche Kinderkino macht. Trotz allem.
  • Weil wir noch mehr Filme brauchen, in denen Gehörlose ganz nebenbei und unproblematisch in die Handlung und ins Leben integriert werden.
  • Weil Kinder im „echten Leben“ eben auch all das sind: Schlau und dumm, mutig und ängstlich, stark und schwach, frech und freundlich.
  • Weil der Film (wie schon seine Vorgänger) „Stars“ in kleinen Cameo-Rollen platziert, ohne großen Bohei darum zu machen.
  • Weil sich hier geradezu surreale Momente elegant in eine quasi-realistische Handlung einbetten. Und damit zeigen, was Kino kann, ganz ohne Superhelden und große Spezialeffekte.
  • Weil wir immer wieder eine Dosis Ostsee für die Sehnsucht brauchen, und eine Ahnung von Sommer gerade wirklich sehr dringend.
  • Weil Neele Leana Vollmar nach zwei großen Filmerfolgen jetzt hoffentlich weiter gutes Kino machen darf.
  • Weil hier die Kinder klar im Zentrum stehen, ihre Gefühle, Gedanken und Sorgen – und Eltern deshalb mal Nebensache, mal absolut wichtiger Teil des Ganzen sind.

Ab sofort im Kino.

Rico, Oskar und der Diebstahlstein, Deutschland 2016. Regie: Neele Leana Vollmar, 94 Min. Kinostart: 28. April 2016. FSK 0. (Empfehlung: ab 8 Jahren)

(Fotos: 20th Century Fox)

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