Die Sendung mit der Maus – Durch das Weltall zu den Sternen! (2015)

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Es gibt keine zweite Kindersendung im deutschen Fernsehen, die einen so ungebrochen guten Ruf hat wie Die Sendung mit der Maus – und das schließt auch die Sesamstraße ein, die ja zu Beginn hierzulande ziemlich heftig umstritten war. In vielen Familien ist der Sonntagvormittag deshalb fester Maustermin – und das vollkommen zu Recht. Es gibt kaum Kindersendungen, die so klug Unterhaltung mit Lehrreichem mischen, ohne dabei jemals belehrend oder herablassend zu wirken. Ein wichtiger Teil der Sendung mit der Maus sind natürlich auch die Sachgeschichten, die oft genug Dinge erklären, die wir Erwachsenen auch nicht wissen – wie kommen eigentlich diese dreidimensionalen Bilder in die Glasblöcke?

Zudem ist „die Maus“ ein Refugium für bezaubernde kleine Formate, die sonst im Fernsehen – vom Kino ganz zu schweigen – keinen Platz finden würden. Hier gibt es fast jede Woche eine neue Folge Shaun das Schaf zu sehen und auch Walter Moers’ flunkernder „Käpt’n Blaubär“ hat seinen festen Platz. Darüber hinaus sind immer wieder kleine Kurzfilme oder Miniserien zu sehen, darunter etwas das wunderbare Trudes Tier. Diese Formate bringt der WDR seit 2013 nun auch auf DVD heraus, thematisch jeweils nach bestimmten Oberbegriffen sortiert (etwa „Familiengeschichten“, „Sportspaß mit der Maus“). Die einzelnen Filme werden – wie in der TV-Sendung – durch kurze Spots mit Maus, Elefant und Ente verbunden, so dass jede DVD sich auch als längere Fernsehfolge zu einem bestimmten Thema ansehen lässt.

Für filmstarts.de habe ich die DVD-Reihe Die Sendung mit der Maus gepriesen, insbesondere die neue Ausgabe „Durch das Weltall zu den Sternen!“

(Fotos: Universum Film)

Die Kindheit ist zu kurz für schlechte Filme

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Im Herzen, mehr noch in den Gedanken eines Filmkritikers, bezeichnen wir ihn mal willkürlich mit den Initialen R.W., gibt es einen großen Riss, sobald er beginnt über Kinderfilme zu schreiben (und das tut er oft). Denn dieser Filmkritiker sieht einen Film, findet ihn eigentlich eher schlimm bis völlig unerträglich, und fragt sich aber doch: Ob er den Kindern nicht vielleicht gefällt, auch wenn er mir das Gekröse verkrampft? Die Kleinen lieben doch Action, sie mögen doch planlosen Slapstick, da ist alles andere doch nicht so wichtig!

Das Ergebnis dieser gewissermaßen gespaltenen Kritikerpersönlichkeit sind dann Formulierungen wie „Den kleinen Zuschauern wird der Film allerdings bestimmt dennoch gefallen“, oder: „Auch wenn Erwachsene es nur als Leid empfinden, die Kinder ziehen später bestimmt mit Jubel und Juchzen aus dem Kino aus.“

Gewiss, ich überspitze das womöglich ein wenig, aber es ist auch so: Ich hasse das. Und bin womöglich dieses Vergehens auch schon schuldig geworden, in einem Moment kritischer Nachlässigkeit und medienpädagogischen Vollversagens. Dabei könnte ich mich darüber stundenlang aufregen.

Um das mal klar zu sagen: Solche Sätze sind auf schmerzhafte Weise herablassend gegenüber Kindern, die (auch wenn sie Slapstick wirklich sehr mögen) zuweilen mit einem wesentlich präziseren und vor allem weniger verbauten Geschmacksurteil daherkommen als Erwachsene. Hinter solchem Text liegt jedoch eine große Unsicherheit darüber, welche Aufgabe die Filmkritik in Bezug auf Kinderfilme eigentlich hat – und Grund für diese Unsicherheit ist meiner Meinung nach eine gewisse Plan- und Konzeptlosigkeit darüber, was eigentlich einen guten Kinderfilm ausmacht, was ein Kinderfilm soll, kann oder womöglich gar muss.

Für meine Kolumne auf kino-zeit.de habe ich mir – schon vor ein paar Wochen – Gedanken darüber gemacht, was einen guten Kinderfilm ausmacht – und wie sich die Filmkritik dem Kinderfilm nähern sollte. Hier weiterlesen!

(Bild: O menino e o mundo)

Der kleine Rabe Socke: Das große Rennen (2015)

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Kleine Kinder, das wissen Eltern aus leidvoller Erfahrung, betreten die Welt als völlig hemmungslose Egoisten – schließlich muss den Eltern ja erstmal rücksichtslos klargemacht werden, was man genau will. Freundlichkeit, Rücksichtnahme und Nächstenliebe – das kommt alles erst später, da hat ein Kind so einiges zu lernen. Die Kinderbuchfigur Rabe Socke verkörpert nun genau diese unbedarfte Art des Egoismus, der immerzu (und wie im echten Leben immer wieder) im Zaum gehalten werden muss.

Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen, der zweite Kinofilm (hier meine Kritik zum ersten) über den Raben und seine Freunde, kommt sehr schnell zur Sache: Es ist Erntezeit und alle im Wald helfen fleißig mit – außer natürlich dem kleinen Raben. Der fährt nämlich lieber imaginäre Autorennen, aus denen er jedes Mal als „Waldmeister“ siegreich hervorgeht. Aber Socke ist – wie die meisten Kinder – ein unschuldiger Egoist, der niemals Böses will. Als die gesamten Wintervorräte der Waldtiere versehentlich im Fluss landen, möchte er wirklich helfen: Er nimmt an einem Autorennen teil, bei dem es genug Geld zu gewinnen gibt, um neues Essen für alle zu kaufen.

Der kleine Rabe Socke 2, seit gestern in den Kinos, ist an diesem Wochenende mein Familienfilmtipp bei filmstarts.de.

Der kleine Rabe Socke 2: Das große Rennen, Deutschland 2015. Regie: Ute von Münchow-Pohl und Sandor Jesse, 73 Min. FSK 0, empfohlen ab 5 Jahren. Kinostart: 20. August 2015.

(Fotos: Universum Film)

Filmfest München 2015: Labyrinthus (2014)

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Es ist eher Zufall, dass ich gerade erst Tron noch einmal angesehen habe (und seine noch recht frische Fortsetzung Tron: Legacy zum ersten Mal) – der Film, in dem Disney zum ersten Mal nahezu komplett am Computer generierte Bilder verwendete und der zugleich im Computer spielte, in einer virtuellen Welt, wie sie bis dahin kaum vorstellbar gewesen war. Aber natürlich kann das nicht gleichgültig sein, wenn man danach einen genauen Blick auf Labyrinthus werfen will.

kffmuc-2015-schwarz Der 14-jährige Frikke beobachtet, wie ein Fahrradfahrer einen seltsamen schwarzen Kasten verliert. Anscheinend ein Fotoapparat, zudem ist ein kleiner USB-Stick dabei. Als Frikke den in seinen Computer steckt, wird ein eigentümliches Spiel geladen, das die Grenze zwischen Computer und Außenwelt sehr schnell aufweicht: In dem Spiel ist ein Mädchen gefangen, dass in Frikkes realer Welt im Koma liegt; und alle Dinge und Lebewesen, die Frikke mit der Kamera fotografiert, tauchen auch bald im Spiel auf. Frikke muss im Spiel einen Code finden, mit dem er das Mädchen aus dem virtuellen Gefängnis befreien kann.

Die vollständige Besprechung zu Labyrinthus ist auf kino-zeit.de erschienen.

Labyrinthus, Belgien 2014. Regie: Douglas Boswell, 99 Min. FSK 6, empfohlen ab 10 Jahren.

(Fotos: Filmfest München)

Spongebob Schwammkopf: Schwamm aus dem Wasser (2015)

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Ich muss gestehen – und unter Menschen, die sich wenigstens semi-beruflich mit Film und Medien beschäftigen, ist das ungefähr so, als würde eine Literaturkritikerin gestehen müssen, sie habe noch nie etwas von diesem Flann O’Brien gelesen –, dass ich bisher keine Berührungspunkte mit Herrn SpongeBob Squarepants hatte. Ich kenne die Figur natürlich, aber ich habe wirklich noch keine einzige Folge der Fernsehserie ganz gesehen. Ich glaube, ich muss das ändern.

Denn normalerweise sind ja Filme nach Fernsehserien eher nicht so toll wie das Original, und Spongebob Schwammkopf: Schwamm aus dem Wasser ist zwar nicht unbedingt das, was man unter klassischer Familienunterhaltung versteht, aber dafür ganz anders ganz großartig. Das Rezept für die Spezialsauce zum Krabbenburger ist verschwunden – Mr Krabs‘ Anatagonist Plankton hat den Diebstahl zwar versucht, aber dann verschwand die Flaschenpost mit dem Rezept einfach so. Als das bekannt wird, versinkt Bikini Bottoms augenblicklich in postapokalyptischem Chaos, und es bleibt nur eine Chance: Plankton und Spongebob müssen gemeinsam herausfinden, wo das Rezept geblieben ist!

Spongebob Schwammkopf: Schwamm aus dem Wasser ist eine wilde Reise durchs Metaland der Filmbezüge; hier wird immerzu ironisch kommentiert und gebrochen, was gerade passiert ist, bis beim zeitreisenden Delphin nur noch der pure Wahnsinn die Handlung regiert. Sogar die zunächst sehr gestelzt wirkende Rahmenhandlung um einen burgerbratenden Piraten (Antonia Banderas), der sich mit sprechenden und singenden Möwen unterhält, fügt sich irgendwann leuchtend ein, wenn sie (anders als der Trailer suggeriert und glücklicherweise erst im letzten Drittel des Films) selbst zur Haupthandlung wird und gleichzeitig Spongebob und seine Freunde als CGI-Figuren in einer realen amerikanischen Strandlandschaft auftauchen…

Es gibt eigentlich keinen guten Grund, diesen Film zu sehen, außer dem, dass er so systematisch sich Logik und Langeweile verweigert und in Referenzen und Reverenzen suhlt: Es ist eine einzige Freude. Bleibt eigentlich nur die Frage, welche Kinder diesen Film wohl sehen möchten. Wenn sie die Serie mögen, vermute ich, dass sie auch hier ein zuhause finden werden; es schadet nicht, wenn sie nicht mehr ganz klein sind und zumindest ein wenig in amerikanische Popkultur hineingeschnuppert haben – denn diese ist hier immer Bezugsmasse, von postapokalyptischen Szenarien (in denen auf einmal alle schwarzes Leder tragen) bis hin zu Superheldenfilmen (in denen alle irgendwie nützliche Superkräfte haben.

Spongebob Schwammkopf: Schwamm aus dem Wasser (The SpongeBob Movie: Sponge Out of Water), USA 2015. Regie: Paul Tibbitt, 92 Min., FSK 0. Kinostart: 19. Februar 2015

(Foto: Paramount)

Filmfest München 2015: T.I.M. (2014)

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Die besten Science-Fiction-Filme sind ja meist Meditationen über die Gegenwart, Betrachtungen über eine mögliche Zukunft (ausgehend vom Hier und Jetzt). Oder es sind Fragen an aktuelle Probleme durchs Brennglas imaginierter Möglichkeiten (seien sie technischer oder anderer Natur). Letztlich sind Technologie, der wissenschaftliche Fortschritt – oder was auch immer die Andersartigkeit dieser Welt ausmacht – die Möglichkeiten für ein anderes Erzählen, eine andere Beleuchtung der conditio humana, die heimlich im Zentrum der Kamera steht.

kffmuc-2015-schwarz Womöglich ist das ein wenig viel poetologischer Ballast für einen zunächst mal charmanten Streifen wie T.I.M., aber Rolf van Eijks Kinderfilm bringt so viel Melancholie und Traurigkeit mit, so viel Schweigen und Gewicht, dass es nicht unangemessen scheint.

Der elfjährige Tibor lebt nach dem Tod seiner Mutter allein mit seinem Vater in einer Welt, die sehr an den sozialen Wohnungsbau unserer Gegenwart erinnert aber ins Extrem verdichtet ist: Die Häuser sind grau und hoch, kein Grün ist zu sehen. Die Leute lassen sich ihre Einkäufe und vieles mehr von Robotern hinterhertragen – keine eleganten, designten Figuren à la I, Robot, sondern ungelenke Dinger, die große Röhrenbildschirme als Gesicht haben, mehr IBM als Mac.

Hier weiterlesen: Die vollständige Besprechung zu T.I.M. ist auf kino-zeit.de erschienen.

T.I.M. (T.I.M. – The Incredible Machine), Dänemark/Niederlande 2014. Regie: Rolf van Eijk, 80 Min. FSK 6, empfohlen ab 8 Jahren.

(Fotos: Filmfest München)

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